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Musikalisches Feuerwerk vor ausverkauftem Haus

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Kontrabassist Werner Unterlercher gibt alles.
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Herbert Pixner (2.v.r.) und seine Musiker Manuel Randi (2.v.l.), Heidi Pixner und Werner Unterlercher. (Fotos: Tessnow)

Berchtesgaden – Wer am Donnerstagabend den Auftritt des Süd-/Osttiroler Quartetts verfolgte, konnte nur den Hut ziehen vor der Handwerkskunst der vier Weltklasse-Musiker. »Finest handcrafted music from the alps« (beste handgefertigte Musik aus den Alpen), so lautete das Motto des eindrucksvollen Konzerts im Großen Saal.


Schon beim Soundcheck flitzte Pixner mehrfach wie ein Derwisch von der Bühne in den Saal und retour. Hier am Mixer gedreht, dort die Akkustikwand verschoben. Wer das miterleben durfte, konnte da bereits einen Eindruck gewinnen, was ihn erwarten würde. Pixner war für alles zuständig. Das wollte er auch so. Allein der Verzicht auf ein Management und eine Konzertagentur sagen alles. Pixner ist Pixner. Der Bauernsohn aus dem Passeiertal. So ist es auch konsequent, dass das Equipment spartanisch blieb. Gitarrist Manuel Randi etwa benutzte lediglich einen kleinen orangefarbenen »Brüllwürfel« und fertig. Zwei kleine Boxen mit Saalfluter am Bühnenrand. Mehr nicht.

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Herbert Pixner (diat. Ziach, Trompete, Flügelhorn) und seine gut aufgelegten Musiker Manuel Randi (Gitarre), Heidi Pixner (Tiroler Volksharfe) und Werner Unterlercher (Kontrabass) rechtfertigten an diesem Abend ihre Position in der obersten Liga des Genres. Seit 2007 existiert das Herbert-Pixner-Projekt bereits in dieser Besetzung. Traditionelle alpenländische Musik fusioniert mit Blues-Elementen und Weltmusik. Und obwohl jede Komposition filigran durcharrangiert ist, wird sie mit viel Herzblut und hoher Sensibilität vorgetragen.

Perchtentanz und Absinth-Puppe

Der Auftakt erfolgte mit Perchtentanz und einer für Pixner typisch-süffisanten Ansage für »Quattro«, Titelsong des aktuellen Albums. Seine Einleitung zu »Hiatabua« war verschmitzt-böse. Sie handelt von Bergbuam, die sich nach dem Genuss von drei Flaschen Absinth eine Puppe basteln, die sich tags darauf aber in Fleisch und Blut verwandelt, um sich an ihnen zu rächen. Pixners Moderationen kommen mit viel Charme und subtilem Humor daher. Eine Einzigartigkeit, die man nur in Pixner- Konzerten erlebt: Sekundenlang herrscht Totenstille, obwohl die letzten Töne längst verklungen sind. Niemand wagt zu applaudieren. Es ist ein wohl konzipiertes Element und Resultat dessen, wie sehr das Publikum erreicht wurde. Herbert Pixner ist ein musikalischer Zauberer.

Randi darf ran

Danach wurde Manuel Randi eine Spielzeit eingeräumt und durfte sein Solostück »Djanga Sai« vortragen. Hier blitzte der Bozener zum ersten Mal mit einem unverschämt guten Gitarrensolo auf. Pixner nutzte dabei seine Ziach perkussiv, währenddessen Kontrabassist Werner Unterlercher und Schwester Heidi Pixner einen »Background-Teppich« erzeugten. Mit dem »Tango to go« ging es abschließend in die Pause, die aber, so Pixner, nur »gefühlte vier Minuten oder eine halbe Stunde dauern sollte.« Im zweiten Teil verschärfte Herbert Pixner die Dynamik. Was im ersten Teil noch so leicht gebremst daher kam, sollte sich ändern. Mit »Let's dance, baby« brillierte Gitarrist Randi abermals. Ein weiterer Höhepunkt des Konzerts folgte anschließend mit »Morgenrot«, einer der intensivsten Kompositionen Pixners überhaupt.

Danach gewährte Herbert Pixner seiner Schwester mittels ihres Harfensolos »Alba« auch einmal die Möglichkeit, sich alleine zu beweisen. In ihrem Solo packte Heide Pixner alles rein, was sie drauf hat. Am Ende ließ man es nochmal richtig krachen. Ein gewaltiger Schlussakt folgte. Wieder eine typische Eigenkomposition Pixners: Konsequent entsteht eine auf hohem Niveau geführte »Diskussion« mit Gitarrist Randi auf der Bühne, dann, wenn er zur Improvisation einlädt – oder war es doch so komponiert? Die beiden Flitzefinger übertrumpfen sich in ihren Tempi. Sie duellieren förmlich. Gewinnen werden beide. Pixener huscht mit seinen Fingern wie eine rebellische Spinne über die Tasten, Randi gibt Paroli und dreht seine Gitarre halt mal auf volle »Windstärke«. Und exakt darin liegt auch das Erfolgskonzept des Projekts.

Zugabe? – »Überredet.«

Das Publikum nötigte das Herbert-Pixner-Projekt schließlich, nicht die Bühne zu verlassen und gleich zur Zugabe überzugehen. Pixner kommentierte es mit einem »Überredet«. Nach zwei Zugaben wurde im Saal präventiv schon einmal das Licht heller gestellt. Mit einer blitzschnellen Polka gaben die Tiroler zuvor noch einmal alles. Für das Projekt und grandiose Konzert dankte man final mit Standing Ovations. Jörg Tessnow