weather-image
26°

Nach der Liebesmelancholie die Polka

5.0
5.0
Bildtext einblenden
Einen feurigen Abend gab es im Kongresshaus mit den »Cubaboarischen«. (Foto: Meister)

Berchtesgaden – Der vermutlich überwiegende Teil des Publikums verstand weder Spanisch noch Bayerisch und war somit textneutral. Das hinderte kaum jemand im fast vollen Großen Saal des Kongresshauses, einen feurigen und mitreißenden Abend zu erleben, voller musikalischem Witz und mitunter atemberaubendem Rhythmus rundum zu genießen. War das jetzt Rumba, Samba, Polka oder doch ein auf cubanisches Tempo getunter Ländler? Die Antworten darauf wartete wohl niemand ernsthaft ab und ließ sich willig hineingleiten in das musikalische Feuerwerk, das die »Cubaboarischen« auf der Bühne entfachten.


Die Geschichte der Band kennt inzwischen fast jeder, weiß von der Urlaubsreise bayerischer Volksmusiker, die sich in Cuba infizieren ließen von den karibischen Rhythmen, von sentimentalen und melancholischen Liebesliedern und vom atemberaubenden Tempo, das die Heißblütigkeit in musikalisch geordneten Bahnen schwungvoll über die Rampe bringt.

Anzeige

Das ist jederzeit hörbar, mal spanisch, mal bayerisch, auch ohne, dass der Hörer gleich weiß, in welcher Sprache er gerade begeistert werden soll. Es macht jedenfalls immer Spaß. Und es ist im Grunde nicht von Belang, ob es heute cubaboarisches Rehragout gibt oder Maisfladen.

Die Mischung scheint perfekt. Und wenn man glaubt, den einst von Hubert von Goisern besungenen Wadln ein Stück näher gekommen zu sein, werden sie weggewischt mit waghalsigen Cha-Cha-Cha- Rhythmen.

Höhepunkte herauszufiltern, aus diesem Konzert, wäre geradezu vermessen. Einer war sicher der »Maxglaner« von Tobi Reiser, geschrieben unter dem musikalischen Eindruck der Sinti und Roma, die einst hier lebten und die Erinnerung an deren Schicksal keinesfalls so erheiternd sein kann wie ihre von Reiser adaptierte, schon im Grunde »südländisch« durchsetzte Musik.

Das Publikum, das vermutlich großteils aus Gästen bestand, nahm das musikalische Angebot der »Cubaboarischen« sofort und anhaltend an. Stets schunkelbereit, auch wenn sich die Melodie gar nicht so richtig bayerisch anfühlte.

Musikalisch sind die Bayern aus dem Mangfalltal überzeugend hörbar längst in Kuba angekommen, ohne ihre Wurzeln allzu weit aus den Augen zu lassen. Die Band besteht aus den Meixner-Brüdern Hubert und Andreas sowie Sohn beziehungsweise Neffen Leonhard, der sich Leon nennt und laut Kollegen ein Spezialist für Liebeslieder ist, aus Michael Meyer, Hans Förg, Sepp Rottmayer und Markus Wallner. Ebenso schnell wie die Musiker zwischen den Rhythmen, spanisch und boarisch wechseln, können sie dies mit den Instrumenten. Das imponiert.

Eigentlich war es sogar ein wenig Verschwendung. Die Grassauer Bläser sind jederzeit in der Lage, im eigenen Konzert zu brillieren. So aber sorgten sie mit klassischen Einlagen und bayerisch angehauchten Melodien nicht nur für Atempausen der »Cubaboarischen«, sondern verdienten sich redlich herzlichen Extrabeifall, beispielsweise mit Alphörnern, die man so virtuos gespielt noch kaum gehört hat. Ein ganz besonderer Höhepunkt war dann das Zusammenspiel des Bläserquartetts mit den sieben »Cubaboarischen« als Big Band. Einfach herrlich.

Am Ende gab es zwei Zugaben. Feurige karibische Rhythmen mit ein paar Takten bayerischem Defiliermarsch. Die meisten Zuhörer traten den Heimweg ein wenig widerwillig an. Es hätte noch lange so weitergehen dürfen. Dieter Meister