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Nachdenken über die Berge im Bergsteigerdorf

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Wollen zum Nachdenken über die Berge und den Bergsport anregen (v.l.): Ramsaus Bürgermeister Herbert Gschoßmann, der Kulturphilosoph Jens Badura und Tourismusdirektor Fritz Rasp präsentieren den Prospekt über das 2. Alpine Philosophicum in Ramsau. (Foto: Kastner)

Ramsau – Reinhold Messner bestieg in seinem Leben so viele schwierige Berge, »weil sie da sind«. Ganz so einfach will man es sich im Bergsteigerdorf Ramsau nicht machen. Die Nationalparkgemeinde will künftig noch mehr zum Nach-, Vor- und Querdenken über die Berge und das Bergsteigen anregen. Das Alpine Philosophicum wird im kommenden Jahr in die zweite Runde gehen. Und der Salzburger Kulturphilosoph Jens Badura, mit dem die Gemeinde seit einem Jahr zusammenarbeitet, wird Mitte Januar sein BergKulturBüro im Mesnerhaus eröffnen.


Nicht nur ein Ort des Alpinismus und seiner Traditionen will das Bergsteigerdorf Ramsau sein. Man versteht sich vielmehr als Ort, wo das Leben in und mit den Bergen zu denken gibt. Philosophieren will man künftig über Fragestellungen, die für Bergsteiger und Bergdörfer von Bedeutung sind – über Kultur und Natur des alpinen Raums, über Geschichte, Gegenwart und Zukunft des Alpinismus und der Berggebiete.

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Ein sportlicher Professor bietet seine Dienste an

Die Idee dazu hatte ein Salzburger, der als Bergwanderführer für die Bergschule von Hans Stöckl in die Ramsau gekommen ist: der Kulturphilosoph Jens Badura. Der 44-Jährige, der blockweise an der Hochschule der Künste in Zürich als Dozent für ästhetische Theoriepraxis arbeitet, kennt sich aus mit philosophischen Annäherungen an den Berg- und Bergsportbereich. Er hatte der Gemeinde Ramsau deshalb vor nicht einmal einem Jahr seine Hilfe angeboten. »Wir waren zuerst skeptisch und fragten uns, was wohl ein Hochschulprofessor vom Bergsteigen versteht«, räumt Bürgermeister Herbert Gschoßmann schmunzelnd ein. Umso schnell schlug nach dem ersten Kennenlernen die Skepsis in große Begeisterung um. »Wir merkten, dass es hier ein großes Potenzial gibt«, sagt der Rathauschef und erinnert an das Alpine Philosophicum, das man in Zusammenarbeit mit Jens Badura im letzten Jahr aus der Taufe hob. »Das hat sehr gut funktioniert«, freut sich Gschoßmann und kündigt deshalb für das kommende Jahr bereits die zweite Runde an. »Es geht diesmal vor allem um eine nachhaltige und verantwortungsvolle Entwicklung des Bergsportbereichs«, betont Herbert Gschoßmann.

Johann Grill und Hermann Buhl

Das 2. Alpine Philosophicum 2017 teilt sich in zwei Blöcke auf. Der erste Teil geht am Samstag, 14. Januar, über die Bühne, Teil 2 folgt vom 21. bis zum 30. Juni. Weil sich am 14. Januar der Todestag des berühmten Ramsauer Bergführers Johann Grill »Kederbacher« zum 100. Mal jährt, geht es an diesem Gedenktag um die beruflichen Realitäten und Anforderungen an die Bergführer im Kontext zu zeitgenössisch-erlebnisgesellschaftlichen Erwartungshaltungen. Über dieses Thema referieren und diskutieren ab 10.30 Uhr im Vortragssaal des Rathauses in mehreren Blöcken Jens Badura, Tourismusdirektor Fritz Rasp, die Bergführer Walter Pretzl, Sepp Thomae, Toni Grassl, Michael Schott, Uli Stöckl und Paul Lenk sowie Berchtesgadens Bürgermeister Franz Rasp. Gemeinsam besucht man zu Mittag das Kederbacher-Grab am Ramsauer Friedhof. Anmeldung für die Vorträge an diesem Tag bis Freitag, 13. Januar, an info@ramsau.de.

Noch viel mehr ist dann im Juniblock geboten, der eine ganze Woche dauert. Ab 21. Juni gibt es ein philosophisches Hüttensymposium auf der Neuen Traunsteiner Hütte, eine philosophische Wanderung durch das Wimbachtal und einen Gedenktag für Hermann Buhl, der am 27. Juni vor genau 60 Jahren an der Chogolisa im Karakorumgebirge tödlich verunglückt ist. Aus diesem Anlass will man über Risiko im Bergsport sowie Reiz und Gefahr des Extrembergsteigens nachdenken. Beim Hüttenkino auf dem Watzmannhaus wird der Film »Nanga Parbat« von Hans Ertl präsentiert. Und dann besteht noch die Möglichkeit, am Grenzgang zwischen den Bergsteigerdörfern Ramsau und Weißbach bei Lofer teilzunehmen.

Anlaufstelle im Mesnerhaus

Das Thema »Berge« soll die Ramsauer und ihre Gäste aber künftig das ganze Jahr über begleiten. Aus diesem Grund unterstützten Bürgermeister Herbert Gschoßmann und Tourismusdirektor Fritz Rasp auch das Vorhaben von Jens Badura, in der Ramsau ein sogenanntes BergKulturBüro zu eröffnen. Das soll nun Mitte Januar im Mesnerhaus seinen Betrieb aufnehmen, die offizielle Eröffnung ist für Mitte März geplant. Etwa ein bis zwei Tage wöchentlich soll das Büro besetzt sein. Das Ziel des Salzburgers ist es, einmal im Monat eine Veranstaltung zum Thema »Berg« anzubieten. Kleinere Vorträge können im Mesnerhaus stattfinden, für größere Vorhaben steht der Vortragssaal im Rathaus zur Verfügung. »Das Büro soll eine Art Headquarter sein, um verschiedene Projekte und Initiativen auch im Sinne der Alpenkonvention zu starten«, sagt Prof. Jens Badura.

»Wir haben uns nie die Frage nach dem wirtschaftlichen Erfolg gestellt, als wir den Weg in Richtung Bergsteigerdorf eingeschlagen haben«, sagt Bürgermeister Herbert Gschoßmann. Man sei vielmehr überzeugt, dass es der richtige Weg für die Gemeinde sei. Ulli Kastner