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Nachtschicht macht Schacht dicht

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Do schau her: Claus-Dieter Haenlein zeigt dem »Anzeiger«-Fotografen , wie der neue Schachtdeckel in die Bahnhofstraße eingebaut wird. (Fotos: Wechslinger)
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Fertig: Bereits am frühen Mittwochmorgen waren die Schachtdeckel fertig.
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Zeit fürs Abendfräsen: Die Spezialmaschinen der Firma Haenlein haben einen Wert von 300 000 Euro.

Berchtesgaden – Eine Spezialfirma aus München hat in der Nacht auf Mittwoch zehn neue Schachtfassungen samt Deckel in die Bahnhofstraße eingebaut. Die kosten zwar mehr als herkömmliche Modelle, haben aber deutliche Vorteile. Sie sind leiser und haltbarer. Das liegt an ihrer konischen Form. Klingt komisch, ist aber so.


Dienstag, 19 Uhr: Claus-Dieter Haenlein und sein Trupp rückten an. Vier Arbeiter hatte der Chef dabei. Und viele gelbe Spezialmaschinen. Den Herren stand eine lange, anstrengende Nacht bevor. Bis zum nächsten Morgen musste alles fertig sein. War es auch. Locker. »Um 3 Uhr sind wir losgefahren, um 6 Uhr waren wir wieder in München«, erzählt Claus-Dieter Haenlein, ein eloquenter Herr im besten Alter, der weiß, wovon er redet.

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Haenlein hat die Schachtrahmen vom Typ »Budaplan« der Firma »MeierGuss« in Süddeutschland etabliert. Von seiner Gully-Parade sind nicht nur Kommunalpolitiker, sondern auch Automobilclubs begeistert. »Fahren Sie in München mal auf dem Mittleren Ring. Dann fahren Sie über unser Werk«, erzählt er stolz. Haenlein hat das neue Schachtsystem vor 15 Jahren auf der Messe »Bauma« entdeckt. Und sich darauf spezialisiert. Seitdem ist er mit seiner Mannschaft in Bayern und Baden-Württemberg unterwegs und sorgt für Ruhe auf den Straßen. Aber wie geht das denn genau?

»Man meint ja, dass die Kanaldeckel beim Drüberfahren rumpeln«, sagt der Chef. »Aber das stimmt nicht. Es sind die Rahmen.« Die Rumpel-Rahmen haben eine lange Tradition. »Seit über 100 Jahren sind die Konstruktionen rechtwinklig«, erklärt Haenlein. Und der Schlag durch die Fahrzeuge, der sogenannte Lasteintrag, geht zylindrisch zu 100 Prozent auf die darunter liegende Konstruktion. Und irgendwann sind die Fugen so zerrieben, dass der Rahmen keine Verbindung mehr zur Straße hat. Der Deckel rutscht runter. Die neuen, konischen Schachtrahmen können das besser. »Der Lasteintrag geht in erster Linie in die Tragschicht der Straße. Nur 20 Prozent kommen nach unten«, weiß Claus-Dieter Haenlein.

Und so läuft alles nach »Budaplan«: Zunächst wird der alte Rahmen rausgebohrt. »Das geht mit einem schrägen Schnitt in die Straße«, erklärt Haenlein. Dann kommt der neue Rahmen in das Loch. »Einfliegen« nennt man das. Dann noch einpassen, Luftmantelschachtschalung rum, Fuge mit Mörtel vergießen, härten lassen, Deckel drauf, fertig.

Der Chef freut sich, dass ihm der Marktgemeinderat den Auftrag für die Bahnhofstraße erteilt hat. »Eine gute Entscheidung«, sagt er und lacht. »Das ist ja die Hauptverkehrsader in Berchtesgaden.« Obwohl die konischen Schachtrahmen etwa ein Drittel teurer sind als die herkömmlichen Modelle, setzt auch die Marktgemeinde mit ihrem Bauhof-Tiefbauchef Stefan Schwab auf Haenleins Variante. Christian Fischer