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Nah am Wasser gebaut

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Eine Spundwand zur Ache hin und eine mit Bohrpfählen gesicherte Spritzbetonwand zur Fahrbahn hin: Erst wenn die Vorbereitungsarbeiten abgeschlossen sind, kann mit den eigentlichen Mauerarbeiten begonnen werden. (Foto: Kastner)

Bischofswiesen – 10 000 Fahrzeuge rollen aktuell täglich in beide Richtungen entlang der Baustelle an der Bischofswieser Ortsdurchfahrt. Das macht die ohnehin schwierigen und aufwendigen Arbeiten noch komplizierter.


Anlieger und Verkehrsteilnehmer werden sich noch etwa bis Mai auf Lärm und Verkehrsbehinderungen einstellen müssen. Denn nach Fertigstellung der Mauersanierungsarbeiten zur Ache hin wendet man sich auf der anderen Straßenseite noch dem Kanal und dem Gehweg zu.

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Ein tiefer Graben klafft aktuell auf Höhe des Gasthofs »Bachhäusl« unterhalb der Straße zur Ache hin. Der erste Abschnitt der Mauersanierungsarbeiten macht deutlich, wie aufwendig die Maßnahme ist. Um überhaupt dort arbeiten zu können, musste eine Baustraße ins Flussbett angelegt werden. Mit großen Maschinen hämmerte die Spezialfirma schließlich die Spundwände aus Stahl bis zu 6,50 Meter tief in den Boden. Die sorgen einerseits dafür, dass im Trockenen gearbeitet werden kann. Andererseits verhindern sie das spätere Unterspülen der sanierten Mauer. »Die Spundwände bleiben im Boden, werden aber nach Beendigung der Arbeiten soweit abgeschnitten, dass sie nicht mehr zu sehen sind«, erklärt Gemeindebaumeisterin Regine Enenkel.

Aufwendige Vorarbeiten

Der Hangbereich mit der desolaten Mauer konnte nun mit Baggern abgegraben werden. Um die zu betonierende Mauer ausreichend stabilisieren zu können, musste weit in die achenseitige Fahrspur hineingegraben werden. Bevor mit den Arbeiten an der Mauer selbst begonnen werden kann, war eine Sicherung der neuen Abbruchstelle mittels Bohrankern, Baustahlmatten und Spritzbeton notwendig. In den letzten Tagen bereitete man den Untergrund für die Mauerbetonierung vor.

Die Betonmauer in diesem Bereich wird mit einem L-Profil gestaltet. Der Beton ragt damit im 90-Grad-Winkl unter die Straße hinein und verschafft der Mauer die notwendige Stabilität. In insgesamt sechs Bauabschnitten arbeitet man sich nach und nach rund 260 Meter weit bis nördlich des Brennerstegs vor. Im Zuge der Maßnahme wird auch bereits der Brückenpfeiler für die geplante barrierefreie Brücke zum neuen Bahnhaltepunkt betoniert.

»Intelligente Ampel« erkennt Autos – Nur eine Spur befahrbar

»Wir sind im Zeitplan«, sagt Polier Uwe Horstmann von der Firma LKS, während hinter ihm unaufhörlich der Verkehr fließt. Mal in die eine, mal in die andere Richtung. Wegen der Fahrbahneinengung in diesem Bereich ist vorübergehend nämlich nur eine Spur befahrbar. Anders als in der Hochsaison, als es in Bischofswiesen über längere Zeit zu chaotischen Verkehrsverhältnissen gekommen war, ist man bei der Gemeinde aktuell mit der Verkehrsabwicklung zufrieden. Ausschlaggebend ist eine sogenannte »intelligente Ampel«, die die Fahrzeuge mit einem Sensor erkennt. Uwe Horstmann weiß zwar, dass der Stau teilweise bis zur Umgehungsbrücke zurückreicht. »Die Schlange fährt aber dann oft in einer einzigen Grünphase komplett durch. Das dauert maximal neun Minuten«, sagt der Polier. Wichtig sei aber, dass man immer bis zur Ampel vorfährt, auch wenn einem anderen Fahrzeug von der Schule her die Einfahrt gewährt wird. Ansonsten kann es sein, dass die Ampel zu früh wieder auf Rot umschaltet.

Ein wenig Geduld und Toleranz fordert auch Gemeindebaumeisterin Enenkel während der Bauarbeiten. »Langfristig werden wir damit ja die Sicherheit auf der Ortsdurchfahrt erhöhen«, sagt die Bauingenieurin. Damit wendet sie sich vor allem auch an die Eltern von Schulkindern, die auf ihrem Schulweg aktuell einige Herausforderungen zu bewältigen haben. Enenkel ist überzeugt, dass man den Kindern nach entsprechender Einweisung durchaus das Vertrauen schenken sollte, die Herausforderungen zu bewältigen. Bürgermeister Thomas Weber, selbst Vater von zwei schulpflichtigen Töchtern, sieht auch die Eltern in der Verantwortung. »Ich selbst schicke meine Töchter halt zehn Minuten früher auf den Weg. Und das klappt bestens.«

Baustelle bis Mai 2018 – weitere Verkehrsinsel geplant

Immerhin wird entlang der Ortsdurchfahrt etwa noch bis Mai gegraben, gebohrt, gehämmert und gepflastert. Denn wenn die Arbeiten auf der Achenseite abgeschlossen sind, wendet man sich in einem zweiten Bauabschnitt der anderen Straßenseite zu. Ein neuer Kanal inklusive Hausanschlüssen ist geplant. Und der Gehweg soll erneuert werden. Vor allem wird er breiter werden. Denn die Gemeinde rechnet damit, dass die meisten aus Richtung Winkl in den Ort fahrenden Radfahrer das Ende des Radwegs ignorieren werden. Statt über die Verkehrsinsel auf die andere Straßenseite zu gelangen, werden sie geradeaus auf dem Gehweg durch den Ort rollen. Darauf will man vorbereitet sein.

Eine weitere Verkehrsinsel ist an der Einfahrt zu Schule und Rathaus, wo es auch eine Abbiegespur geben soll, geplant. Wegen der dort zu errichtenden Ampelanlage gab es jüngst Meinungsverschiedenheiten mit dem Landratsamt. »Wir gingen hier stets von einer Verkehrsampel aus«, sagt Bürgermeister Thomas Weber. Das Landratsamt aber sieht vorerst nur Bedarf für eine Fußgängerampel und macht die Zustimmung zu einer Verkehrsampel von einer späteren Verkehrszählung abhängig. Der Gemeinde bleibt nun nichts anderes übrig, als alle Vorbereitungen für eine Verkehrsampel zu treffen und diese dann – davon geht Bürgermeister Weber aus – nachzurüsten. Ulli Kastner