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Nationalpark mit dem »Wow-Faktor«

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David Henderson vom Yosemite-Nationalpark (l.) hat ein Geschenk für den Leiter des Nationalparks Berchtesgaden, Dr. Michael Vogel, dabei. Eine hölzerne Tafel, die nun einen besonderen Platz im »Haus der Berge« erhalten wird, wie Vogel dem »Berchtesgadener Anzeiger« verriet. (Foto: Pfeiffer)

Berchtesgaden – Eine einzigartige Kooperation haben am Mittwochnachmittag Vertreter des Nationalparks Berchtesgaden und des weltbekannten Yosemite-Nationalparks bekannt gegeben. Bis 2017 wollen die Nationalparks verstärkt zusammenarbeiten und »voneinander lernen«, wie Nationalparkleiter Dr. Michael Vogel und David Henderson (Yosemite-Nationalpark) in einer gemeinsamen Stellungnahme im »Haus der Berge« wissen ließen.


1,5 Millionen Besucher zählt der Nationalpark Berchtesgaden (208 Quadratkilometer), die dreifache Besucherzahl der Yosemite-Nationalpark (3 100 Quadratkilometer). Auch wenn die Dimensionen unterschiedlicher nicht sein könnten, gibt es doch so manchen Punkt, den man in den Vereinigten Staaten besser machen könnte. Denn in dem 125 Jahre alten Nationalpark gibt es etwa noch immer kein besucherfreundliches Wegefindungsnetz. »Das ist etwas, was wir durchaus optimieren sollten«, sagte David Henderson, der als Park-Ranger unter anderem für den Straßenbau im US-Nationalpark verantwortlich ist.

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Der in Garmisch-Partenkirchen aufgewachsene Henderson, der mit 19 Jahren dem US-Militär beitrat und schließlich in die Vereinigten Staaten zog, sei »äußerst stolz«, im hiesigen Nationalpark den einzigen europäischen Park gefunden zu haben, mit dem man kooperieren wollte. In einem langwierigen Prozess habe man sich schließlich für den deutschen Alpennationalpark entschieden, den man nun zum ersten Mal mit einer Delegation besucht hat.

Gemeinsame Wanderungen standen auf dem Programm, um den Nationalpark Berchtesgaden besser kennenzulernen. »Ich habe beinahe einen Herzinfarkt bekommen, weil Herr Vogel so weite Strecken zu Fuß läuft«, scherzte der US-Park Ranger. 15-mal größer ist der Yosemite-Park, und hinsichtlich der Beschilderung gibt es deutlichen Nachholbedarf. So ist das Wegenetz im Talkessel-Nationalpark ausführlich beschildert – und selbst die Schwierigkeitsgrade für den Wanderer sind aufgeführt. Eine vergleichbare Wegeführung gibt es im US-Partnerpark nicht. Obwohl dieser rund 90 Jahre älter, aber hinsichtlich der Dimensionen auch deutlich größer ist.

»Wir möchten uns gegenseitig helfen«, so Dr. Michael Vogel. Vorbildlich findet er eine sogenannte »Strategic Vision 2020«, also ein Papier, in dem die voraussichtliche Entwicklung des Yosemite-Nationalparks aufgezeichnet wird. Auch in Berchtesgaden sei das vorstellbar, weil man damit besser für die Zukunft planen könne.

Ulrike Lorenz vom Bayerischen Umweltamt sagte, dass die Kooperation eine Auszeichnung für den Alpennationalpark sei. »Für uns ist das Ansporn, ein guter Partner zu sein.« Beim Yosemite-Nationalpark wähle man seine Partner sehr gezielt aus. Als einer der größten und ältesten Nationalparks habe man einen hervorragenden, weltweiten Ruf. Daher sei es eine Ehre, ausgewählt zu werden.

Einen »Wow-Faktor« attestierte David Henderson dem Nationalpark Berchtesgaden. »Ich werde hier wohl nichts finden, was ich nicht mag«, prognostizierte der gebürtige 59-jährige Deutsche.

Zum Abschluss der gemeinsamen Pressekonferenz wusste Dr. Michael Vogel aktuelle Zahlen zu berichten, die darlegen sollen, dass der Nationalpark Berchtesgaden eine Erfolgsgeschichte ist. Die Besucherzahlen steigen konstant, aktuell kommen 1,5 Millionen Menschen in den Nationalpark. 28 Prozent der Gäste geben als Grund ihres Kommens den Nationalpark an. »Die Wertschöpfung liegt bei 40 Millionen Euro«, so Vogel.

Die Kooperation der Parks ist auf drei Jahre befristet. 2016 wird eine Berchtesgadener Delegation den Yosemite-Nationalpark besuchen. In einem mehrtägigen Workshop soll dann herausgearbeitet werden, was bis dahin erreicht wurde. Kilian Pfeiffer