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Nein zur Högl-Trasse, ja zum Ausbau des Bestands

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Unglücklich über den Bestandsausbau der A8 sind sowohl Grünen-Chef Bernhard Zimmer (l.), als auch Landrat Georg Grabner, allerdings aus unterschiedlichen Gründen (Foto: Hudelist)

Bad Reichenhall – Die Autobahn soll zwischen dem Walserberg und Jechling auf der Bestandsstrecke ausgebaut werden. Das hat die Autobahndirektion Südbayern im Planungsdialog am Mittwoch bekannt gegeben. Auslöser war vor allem der Naturschutz, denn bei der ebenfalls untersuchten Nordumfahrung würde dreimal so viel Naturschutzgebiet verbraucht. Sowohl Landrat Georg Grabner, als auch Pidings Bürgermeister Hannes Holzner sind unzufrieden über die jetzt vorgestellte »Billigvariante«, »das hätten wir vor sechs Jahren schon haben können.«


Auch Grabner ist zornig, »wir wollen keine Billigversion, sondern den optimalen Lärmschutz«. Der Landrat will eine tiefer gelegte Autobahn sowohl bei Piding, als auch bei Anger und Neukirchen.

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Christian Rehm als Planer der Autobahndirektion Südbayern erklärte, dass beide Varianten im Bereich Piding ausgearbeitet wurden, dazu habe es zahlreiche Fachgutachten gegeben, ausschlaggebend sei der Naturschutz gewesen. Die Nordumfahrung wäre zudem 48 Millionen Euro teurer gewesen, »die Gesamtkosten haben auch eine hohe Bedeutung, aber das Hauptargument war, dass naturschutzrechtliche Argumente gegen die Nordumfahrung sprechen.«

Der europäische Naturschutz sei eine sehr hohe Hürde, der Nordausbau hätte dreimal so viel Flächen in Anspruch genommen. Im nächsten halben Jahr sollen die Gemeinden Piding und Anger Stellung nehmen, Mitte 2015 will die Autobahndirektion dann die Pläne zur Genehmigung beim Berliner Verkehrsministerium einreichen. Die Nordumfahrung über den Högl sei aber noch nicht endgültig vom Tisch, »wenn die Gemeinde Piding ganz neue Argumente liefert, die vor allem den Naturschutz betreffen, dann werden wir darüber reden«, so Direktionssprecher Josef Seebacher. »Sehr wahrscheinlich ist derzeit allerdings der Ausbau der Bestandsstrecke.«

Grabner verärgert wegen Billigversion

Bei den betroffenen Vertretern des Planungsdialoges gab es am Ende nur unzufriedene Gesichter. »Klar ist, dass wir uns nicht mit einer Billigvariante abspeisen lassen«, so Landrat Georg Grabner. Er will eine tiefer gelegte Strecke – »und dann einen Deckel drauf, also eine Einhausung«. Er möchte auf keinen Fall einen bis zu 13 Meter hohen Wall in Piding haben, »aber die Bürger brauchen den optimalen Lärmschutz«. In Frasdorf sei auch eine Einhausung vorgesehen, »warum soll das Berchtesgadener Land schlechter gestellt werden«, fragt Grabner. Eine Frage, die auch die Vertreter der Autobahndirektion nicht beantworten konnten.

Unglücklich ist auch Pidings Bürgermeister Hannes Holzner, »jetzt nach sechs Jahren stellt die Autobahndirektion die von Anfang an billigste Variante vor, das hätten wir schon damals haben können, da hätten wir uns viel Zeit gespart.« Der Gemeinderat Piding habe sich bereits zweimal mehrheitlich für die Nordumfahrung mit einem entsprechenden Tunnel ausgesprochen, »auch ich persönlich bin für die Högl-Trasse«. Einen bis zu 16 Meter hohen Wall mitten im Ort will auch Holzner nicht akzeptieren, »das ist für Piding das Schlechteste«.

Der Ausbau des Bestandes würde zudem eine Baustelle für vier bis sechs Jahre mitten im Ort bedeuten. »Ich glaube, es wird einen Aufschrei geben, noch dazu wird vom jetzt vorgestellten Ausbau des Bestands rund 40 bis 60 Prozent des bewohnten Gemeindegebietes betroffen sein«, besonders was Flächen für den Hochwasserschutz betrifft.

Grüne wollen nur Standstreifen

Die Grünen in Piding sind gegen den Ausbau, egal auf welcher Strecke. »Das Schrecklichste ist abgewandt (die Nordumfahrung; Anm. d. Red.), aber der Wahnsinn kommt auch beim Ausbau des Bestandes«, so Bernhard Zimmer von den Grünen. Zimmer will wie viele andere Initiativen nur einen Ausbau der vier Fahrstreifen und jeweils einen Pannenstreifen. »Auch am Chiemsee bleibt die Autobahn zwischen Felden und Grabenstätt nur vierspurig, warum sie danach Richtung Walserberg wieder sechsspurig werden muss, ist mir ein Rätsel.«

Rosenheim bis Neukirchen

Der Ausbau der A 8 zwischen Rosenheim und Neukirchen ist nach wie vor in unterschiedliche Planungsstufen eingeteilt. Zwischen Rosenheim und dem Bernauer Berg läuft bereits das Planfeststellungsverfahren, für den Abschnitt zwischen Bernauer Berg und Felden gibt es einen Vorentwurf, der zur Genehmigung beim Verkehrsministerium vorgelegt wurde. Für den dann folgenden Autobahnabschnitt zwischen Grabenstätt und Reichhausen bei Schweinbach liegt bereits ein vom Bund genehmigter Entwurf vor. »Jetzt folgt das Planfeststellungsverfahren, in dem die Gemeinden die Unterlagen einsehen können«, so Seebacher. Michael Hudelist