weather-image
28°

Neue Infotafeln zur alten ARWA-Strumpffabrik

4.4
4.4
Bildtext einblenden
Der pensionierte Lehrer Gerhard Bilek-Sedlmeir ist für die neuen Infotafeln, die unter anderem am Panorama-Park stehen, verantwortlich. Der Winkler wollte damit jüngeren Generationen einen Einblick in die Geschichte der Ortschaft geben. (Foto: Berwanger)

Bischofswiesen – Die 1946 in Winkl angesiedelten rund 2 000 Heimatvertriebenen aus dem Sudetenland verdoppelten die Einwohnerzahl von Bischofswiesen – und die 1951 in Winkl von Hans Thierfelder errichtete Strumpffabrik galt damals als die europaweit modernste und weltweit erste gläserne Strumpffabrik überhaupt. Hinter diesen Fakten verbirgt sich jede Menge an wissenswerter Geschichte und Geschichten. Doch die Zeitzeugen werden immer weniger. Um den Bischofswiesern nachfolgender Generationen einen Einblick in die spannende, wechselvolle Geschichte ihrer Heimat zu geben, hat die Gemeinde jetzt mit Unterstützung des profunden Winkl-Kenners Gerhard Bilek-Sedlmeir drei bebilderte Infotafeln in Winkl und am Panorama-Park aufgestellt.


»Gerhard Bilek-Sedlmeir ist mit dieser Idee auf uns zugekommen und Bürgermeister Thomas Weber war von seinem Vorschlag spontan begeistert«, erzählt Irmi Aschauer, Leiterin der Tourist-Info Bischofswiesen. Ziel der Informationstafeln solle es sein, »die Geschichte von Bischofswiesen-Winkl ab 1945, mit dem Lager Winkl, den Heimatvertriebenen, dem Kirchenbau und mehr, sowie die wirtschaftliche Bedeutung der 1951/52 errichteten Feinstrumpffabrik ARWA für folgende Generationen zu konservieren.«

Anzeige

Niemand in Bischofswiesen dürfte darüber auch nur annähernd so viel wissen wie Gerhard Bilek-Sedlmeir. Der in der Gemeinde bekannte pensionierte Volksschullehrer hat die Geschichte der Siedlung Winkl und auch die des Strumpffabrikanten Hans Thierfelder samt seiner Winkler Fabrik akribisch und bis ins Detail erforscht. »Begonnen hat im Grunde alles mit den 50-Jahre-Festschriften für die Freiwillige Feuerwehr und Winkl«, erinnert sich der heute 69-Jährige. Auch seine Eltern waren unter den heimatvertriebenen Sudetendeutschen, die sich das zuvor als Wehrmachts- und dann als Internierungslager für Nationalsozialisten genutzte Lager erst wieder mit dürftigen Mitteln als Wohnstätte nutzbar machen mussten. Im Gegensatz zu seinen älteren Geschwistern wurde Gerhard Bilek-Sedlmeir in Winkl geboren. Ihm fühlt er sich bis heute verbunden, die Mitgliedschaft in etlichen Winkler Vereinen führte in den Jahren 1996 sowie 1998/1999 auch zu seiner Chronistentätigkeit für die Festschriften.

Bei diesen blieb es freilich nicht. »Sie waren der Grundstein für mein Buch«, so Bilek-Sedlmeir. Und das hatte es in sich: Aus zwölf Jahren fleißiger Arbeit mit sorgsamer Recherche in diversen Archiven bis hin nach München und aus intensiven Gesprächen mit zahllosen Zeitzeugen entstand ein 564 Seiten starkes Werk, das in 1 000 Stück im Selbstverlag aufgelegt wurde und leider kaum noch zu bekommen ist. »Ich habe alles von A bis Z aufgearbeitet«, berichtet der Autor. Mit der Gründlichkeit des Lehrers und immer mehr Freude beim Durchdringen der Geschichte von Winkl und auch der des aus dem Erzgebirge stammenden Strumpffabrikanten hat Gerhard Bilek-Sedlmeir sich immer tiefer in die Materie eingearbeitet.

So erinnert er sich nicht nur an die von ARWA veranstaltete Wahl der Beinkönigin, sondern auch an die Arbeitskämpfe in der rund 400 Mitarbeiter beschäftigenden Strumpffabrik in der zweiten Hälfte der 1950er Jahre. »Damals sind an diesen Streiks auch Freundschaften zerbrochen«, weiß Bilek-Sedlmeir. Heute herrscht an der Stelle, an der viele Winkler und andere Bischofswieser Bürger buchstäblich an der Produktion feiner Strümpfe mitwirkten, reger Einkaufsverkehr. Wer sich jedoch die Zeit nimmt und kurz zum Weg auf Höhe der Waschanlage der Tankstelle hinübergeht oder dort mit dem Radl oder zu Fuß vorbeikommt, der kann sich durch die übersichtlichen Infotafeln mit kurzen Texten und alten Fotos ein Bild von den noch gar nicht so lange vergangenen Zeiten machen.

Die Geschichte von Winkl ab 1945 veranschaulichen zwei weitere Infotafeln. Diese finden Interessierte im Bereich des Radweges entlang der B 20 auf Höhe der Abzweigung Winkl-Siedlung sowie im Bereich des Maximilians-Reitweges am kleinen Wanderparkplatz Winkl-Siedlung/Hans-Kudlich-Straße.

Die Infotafeln zu Winkl und ARWA sowie die bereits seit 15 Jahren existierende Infotafel am Böcklweiher und eine für das Frühjahr am Aschauerweiher geplante Tafel sind Teil eines von der Gemeinde geplanten größeren Projektes. Es sieht in einer schrittweisen Realisierung vor, die Gemeinde Bischofswiesen in einem Bogen mit Themenwanderwegen abzudecken.

Dass die Informationen am Wegesrand gut ankommen, dazu hat Gerhard Bilek-Sedlmeir bereits Rückmeldungen bekommen. Diese sind ganz in seinem Sinne und dem der Gemeinde: »Einige junge Leute haben mir schon gesagt, dass sie diese kleinen Rückblicke auf die Geschichte interessant und richtig gut finden«, freut sich der pensionierte Lehrer. Ina Berwanger