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Neue Schienen, neue Übergänge, neue Haltestelle

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Die Deutsche Bahn plant eine Umgestaltung der Bahnübergänge wie hier an der Bischofswieser Neuwirtbrücke. Ziel ist der Wegfall der Geschwindigkeitsbegrenzungen für die Züge an diesen Verkehrspunkten. Foto: Anzeiger/Wechslinger

Bischofswiesen – Zahlreiche Baumaßnahmen rund um den Schienenverkehr sind in den kommenden Monaten und Jahren in Bischofswiesen sowie entlang der gesamten Strecke Freilassing-Berchtesgaden geplant. In der Bischofswieser Gemeinderatssitzung am Dienstagabend stellten Matthias Kalow und Norbert Knuhr von der DB Netz Produktionsdurchführung München den Stand der Dinge vor.


Als erster Schritt sollen die Gleise zwischen Bischofswiesen und Berchtesgaden erneuert werden, weshalb auf diesem Streckenabschnitt von 13. September bis 27. Oktober ein Schienenersatzverkehr die Bahnreisenden befördert. Die Tragfähigkeit der Gleise soll auf einer Länge von 800 Metern durch den Einbau einer sogenannten Planumsschutzschicht (PSS) gesteigert werden. Insgesamt sollen 4 727 Meter Gleis erneuert und sieben Bahnübergänge von Holz auf Beton mit Strail-Innenplatten (Hartgummiplatten) umgerüstet werden. Verbaut werden sollen insgesamt 9 454 Meter Schiene, 7 272 Stück Schwellen aus Beton, etwa 15 000 Tonnen Schotter sowie etwa 5 000 Tonnen PSS-Material. Wie Geschäftsführer Rupert Walch erklärte, plant die Gemeinde parallel kleinere Sanierungsmaßnahmen am Schmutzwasserkanal in der Tristramschlucht. Dies biete sich an, wenn der Kanal durch die Bahnarbeiten ohnehin freigelegt werde.

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Weit größere Maßnahmen sind für das Jahr 2016 geplant, die eine acht- bis zehnwöchige Komplettsperrung der Strecke Freilassing-Berchtesgaden nötig machen werden. Unter anderem wird es Baumaßnahmen an den Bahnhöfen Hammerau und Piding geben, neue Weichen in Bad Reichenhall und eine Gleiserneuerung von Hallthurm bis Bischofswiesen sowie am Bischofswieser Bahnhof selbst. Dort soll auch der Bahnübergang erneuert werden. Für die Bischofswieser Verkehrsstation ist der Neubau einer höhenfreien Kreuzung für den Rad- und Fußweg sowie ein Bahnsteigzugang als barrierefreie Rampe vorgesehen. Auch für die Zufahrt mit dem Pkw ist eine neue Erschließung geplant.

Bürgermeister Thomas Weber erklärte zu den Plänen rund um die Umgestaltung des Bischofswieser Bahnhofs, er sehe derzeit massive Probleme bei dem Zeitfenster 2016; schwierig gestalte sich im Moment vor allem der Ankauf eines Grundstücks, das für den angedachten Bau einer Unterführung benötigt werde. Die Bahn habe jedoch in konstruktiven Gesprächen bereits ein Zeitfenster für den Unterführungsbau in den Jahren 2017 oder 2018 aufgemacht.

Drei zusätzliche Haltepunkte möchte die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) auf der Strecke Freilassing-Berchtesgaden einrichten, in Freilassing-Hofham, in Bad Reichenhall Mitte und in Bischofswiesen Winkl. Da sich die Fahrzeit auf der Strecke aber nicht erhöhen soll, weil es sonst Probleme wegen einander entgegenkommender Züge auf der nicht durchgehend zweigleisigen Strecke gäbe, wird nun nach Lösungen bei verschiedenen Bahnübergängen entlang der Strecke gesucht, die aus Sicherheitsgründen Geschwindigkeitsbegrenzungen für die Züge mit sich bringen. Auf Nachfrage von Bischofswiesens 3. Bürgermeister Bernhard Oeggl erklärten die Bahnvertreter, ein Zeitgewinn durch eine höhere Geschwindigkeit auf der Strecke könnte auch durch Triebfahrzeuge mit Neigungstechnik erreicht werden.

Eine ganze Reihe von Bahnübergängen befindet sich auf dem Gemeindegebiet von Bischofswiesen, beispielsweise an der »Wasserer Säge«, der »Neuwirtbrücke« oder am »Hohlgraben«. Die Lösungskonzepte sollen – etwa durch eine andere Straßenführung – eine höhere Geschwindigkeit der Züge ermöglichen, bei gleichzeitiger Gewährleistung beziehungsweise Verbesserung der Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmer. »Jeder Bahnübergang, der weg ist, ist ein guter Bahnübergang«, so die Bahnvertreter. Es sei jedoch nicht an der Zeit, so CSU-Fraktionssprecher Bernhard Heitauer, nun jeden einzelnen Bahnübergang im Detail zu diskutieren. Er vertraue darauf, dass die Geschichte von den Experten gut geplant werde. Bürgermeister Weber erklärte hierzu, jede einzelne Baumaßnahme werde in den kommenden Monaten noch genau angeschaut: »Es wird keine unsinnigen Maßnahmen geben«, so Weber.

Paul Grafwallner, Fraktionssprecher der UBB, betonte die allgemeine Freude darüber, dass der lang gehegte Wunsch nach einer Haltestelle in Winkl nun in Erfüllung gehe. Seines Wissens habe es Landrat Georg Grabner kürzlich zur Chefsache gemacht, dass auch Hallthurm wieder ein Haltepunkt werde. Auch Hans Metzenleitner, Fraktionssprecher der SPD, signalisierte seine vollste Unterstützung. Die Attraktivierung der Strecke sei ein wichtiges Projekt. Sie wird Bischofswiesen noch mehrere Jahre beschäftigen. Markus Schüssler