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Neuer Vorstand bei Berchtesgadener Bergbahn AG

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Bürgermeister Hannes Rasp (l.) gibt den Posten des BBAG-Vorstands zum 1. August an den Pongauer Michael Emberger ab. (Foto: Kastner)

Schönau am Königssee – Die Berchtesgadener Bergbahn AG (BBAG) bekommt zum 1. August einen neuen Vorstand. Bürgermeister Hannes Rasp sieht seine Aufgabe, den Bau einer neuen Bahn in die Wege zu leiten, als erfüllt an und übergibt den Posten an Michael Emberger aus St. Johann im Pongau. Der 41-jährige Maschinenbauer und Wirtschaftsingenieur stellte sich den Aktionären gestern im Rahmen der BBAG-Hauptversammlung in der Jennerbahn-Bergstation vor. Obwohl die anwesenden Aktionäre erfahren mussten, dass die Kosten für den im nächsten Jahr anstehenden Bahnneubau mittlerweile auf 40 Millionen Euro angestiegen sind, gab es ausschließlich Zustimmung für das Projekt.


»Die Berchtesgadener Bergbahn AG braucht jetzt einen Vollzeit-Vorstand«, sagte Hannes Rasp, der das Amt bislang im Rahmen seiner Bürgermeistertätigkeit nebenher ausgeübt hatte. Er habe deshalb den Aufhebungsvertrag unterschrieben, während Michael Emberger den neuen Vorstandsvertrag unterzeichnet habe. »Wir wollen jetzt noch gemeinsam das Genehmigungsverfahren für die neue Bahn durchbringen«, sagte Rasp am Ende seines umfassenden Tätigkeitsberichts. Der Maschinenbauer und Wirtschaftsingenieur Michael Emberger ist seit über 20 Jahren in der Seilbahnbranche tätig. Zunächst arbeitete der heute 41-Jährige für ein Zulieferunternehmen, anschließend zwölf Jahre lang als technischer Leiter und Prokurist für einen Seilbahnbetreiber in der Skiwelt Amadé. Aktuell ist der St. Johanner (Pongau) noch Geschäftsführer bei der Hochkönig Bergbahnen GmbH.

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Lob vonseiten der Kapitalanleger

Im Rahmen seines Geschäftsberichts ging Noch-Vorstand Hannes Rasp, der genauso wie der Aufsichtsrat für das Geschäftsjahr 2014/2015 einstimmige Entlastung erhielt, auch auf den anstehenden Jennerbahn-Neubau ein. Für das Großprojekt, das unter anderem Ersatzbauten für die Seilbahn inklusive der drei Stationen, für die Jennerwiesenbahn und für die Mitterkaserbahn, geringfügige Pistenbaumaßnahmen, die Errichtung eines Kinderlands sowie die Anlegung von barrierefreien Wegen im Gipfelbereich vorsieht, sind mittlerweile 40 Millionen Euro eingeplant. Die Kostensteigerung begründete Rasp auf Nachfrage von Stephan Berninger von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger mit den jetzt vorliegenden konkreteren Planungen und einem Preisanstieg, den man im Rahmen der Ausschreibung festgestellt habe.

Stephan Berninger zollte dem Vorstand insgesamt Lob für sein Engagement und bezeichnete die geplanten Investitionen als »nachvollziehbar«. Er forderte allerdings weitere Informationen über die im Rahmen der Projektfinanzierung vorgenommenen Veränderungen der Aktionärsstruktur. Rasp gab zu verstehen, dass die Gemeinde Schönau am Königssee ihr Aktienpaket von früher rund 81 Prozent auf mittlerweile 17 Prozent zurückgeschraubt und dafür neue Investoren ins Boot geholt hat. Die neuen Aktionäre gewährten auch Gesellschafterdarlehen, wodurch von Aktionärsseite eine Gesamtsumme von 10 Millionen Euro zustande kommt, 2 Millionen Euro Gesellschafterdarlehen kommen zusätzlich vonseiten der Gemeinde. Diese 12 Millionen Euro werden von der Regierung als Eigenkapital gewertet, weshalb auch eine Bezuschussung möglich ist. Die Finanzierungslücke wird mit Fremdkapital geschlossen. Möglich wird der Bahnneubau vor allem durch die drei neuen Großaktionäre: die Hotel Edelweiß GmbH (25 Prozent Aktienanteil, vertreten durch Peter Hettegger), die Harlander Baumanagement GmbH (15 Prozent, Martin Harlander) und die Spiluttini Bau GmbH (15 Prozent, Georg Hinterleitner). Hannes Rasp verdeutlichte aber, dass es eine Reihe von weiteren Investoren aus dem Berchtesgadener Talkessel und aus dem Bad Reichenhaller Raum gibt, die sich inklusive Gesellschafterdarlehen mit Summen zwischen 20 000 und 160 000 Euro beteiligt haben. Der Vorstand verteidigte die vom Sprecher der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger geäußerte Kritik an der Streifbandverwahrung der BBAG-Aktien (»Es ist schwer für Privatanleger, an Aktien heranzukommen«).

Fahrpreis erhöht sich um 2,50 Euro

Mit der Streifbandverwahrung wolle man verhindern, dass die Aktionärszahl über 150 steigt, weil man dann prospektpflichtig werde, was Kosten verursache. Es seien allerdings noch etwa bis Ende Juli Aktien erhältlich – »allerdings nicht mehr viele«. Die Mindestinvestitionssumme liegt inklusive Gesellschafterdarlehen bei 20 000 Euro.

Der Startschuss für das Jennerbahn-Projekt, für das das Genehmigungsverfahren noch nicht abgeschlossen ist, soll nach der Wintersaison erfolgen. Im Dezember 2017 soll die neue Bahn in Betrieb gehen. Die Zehnergondeln werden bis zu 1 500 Personen pro Stunde auf den Berg befördern können. Das ist eine Verdreifachung der bisherigen Förderleistung. »Wir werden aber nicht dreimal so viele Fahrgäste befördern. Diese Gondeln sind halt der aktuelle Stand der Technik und damit lassen sich auch lange Warteschlangen an der Talstation vermeiden«, sagte Rasp. Der erhofft sich eine Steigerung der Fahrgastzahlen von 30, vielleicht sogar 40 Prozent. Der BBAG-Umsatz könnte auf 6,2 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2017/2018 steigen. Im Geschäftsjahr 14/2015 lag er bei knapp über 4 Millionen Euro. Der durchschnittliche Fahrpreis bei der Jennerbahn wird sich mit dem Neubau von bislang 14,41 Euro um 2,50 Euro auf 16,91 Euro erhöhen.

Auf die detaillierte Entwicklung im Geschäftsjahr 2014/2015 sowie auf die Veränderungen im Aufsichtsrat kommen wir noch ausführlich zurück. Ulli Kastner