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Neuorientierung nach der Wende

Berchtesgaden – Zum Gesundheitstag in der Watzmann Therme (wir berichteten) war Heike Drechsler als Stargast gekommen. Die zweifache Olympiasiegerin im Weitsprung leitete unter anderem die Aqua-Gymnastik. Der »Berchtesgadener Anzeiger« sprach mit der ehemaligen Weltklasse-Leichtathletin über ihren Lebenslauf und ihren Aufenthalt in Berchtesgaden.

Der Geschäftsführer der Watzmann Therme, Christoph van Bebber, mit der zweifachen Olympiasiegerin im Weitsprung, Heike Drechsler, die mit der Barmer GEK in der Therme einen Gesundheitstag anbot. Foto: Anzeiger/Wechslinger

Wie sieht ein Rückblick auf Ihre Sportkarriere aus?

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Heike Drechsler: Ich bin immer noch viel mit Vorträgen und anderen Aktivitäten für die Barmer GEK unterwegs. Da erinnern einen öfters andere an die eigene sportliche Laufbahn. Man denkt aber nicht nur an das Schöne, sondern auch an die Höhen und Tiefen eines Sportlerlebens. Es ist schön, wenn man von anderen daran erinnert wird, was man einmal geleistet und welche Ergebnisse man erzielt hat. Viele waren bei meinen Erfolgen ja live dabei, da sind die Erinnerungen besonders schön.

Wie erlebten Sie als Sportlerin den Regimewechsel?

Drechsler: Da hat sich vom Sportlichen wenig geändert, denn ich musste nach der Wende genauso hart trainieren wie davor. Der große Unterschied von Ost nach West war, dass einem davor vieles abgenommen worden ist. Im Osten gab es nicht so eine Selbstbestimmung wie im Westen. Im Osten war alles streng kontrolliert.

Sie sind ja damals auch Mutter geworden.

Drechsler: Zunächst ist für mich nach der Wende eine Welt zusammengebrochen. Aber ich hatte ja meinen kleinen Sohn. Es war dennoch eine harte, aber auch sehr lehrreiche Zeit. Ich hatte mich damals sehr mit dem Regime DDR auseinandergesetzt und mich auch kritischen Fragen gestellt. Ich habe aber schnell versucht, meinen neuen Platz einzunehmen, ein neues Umfeld zu schaffen, und entschieden, es noch einmal mit Spitzensport zu versuchen. Die Frage war nur, wie schnell ich aus der Schwangerschaft zurückkommen würde. Zuvor war ja alles sehr familiär und im Westen ganz anders.

Was war besser?

Drechsler: Dieses neue Gefühl von Freiheit und alles so zu machen, wie man wollte, ist besser. Einfach alles selbst zu organisieren war eine komplett neue Erfahrung. Es war ganz einfach spannend, jetzt galt es, sich selbst um Sponsoren zu kümmern und mit Leistung zu überzeugen. Zu tun hatte ich genug, denn ich habe ja auch noch studiert. Wichtig war nun aber auch, eine Absicherung zu haben.

Und da kamen Sie zur Barmer GEK?

Drechsler: Ich arbeite seit 1993 für die Barmer, habe damals den Verein gewechselt und zunächst repräsentativ gearbeitet. Es war mir jedoch auch wichtig, eine feste Bindung mit einem Arbeitsvertrag zu bekommen. Nach Ende meiner sportlichen Laufbahn war ich froh, richtig in das operative Geschäft meines Arbeitgebers einzusteigen. Wenn das nicht so perfekt geklappt hätte, wäre ich wohl im Jahr 2000 nicht noch einmal Olympiasiegerin geworden. In den Gesundheitsbereich kann ich ja viel von meinen Erfahrungen einbringen. Da konnte ich viel von dem zurückgeben, was ich einmal gelernt habe.

Kannten Sie Berchtesgaden schon?

Drechsler: Ich war einmal bei einem Symposium im Asthmazentrum Buchenhöhe. Bei meinem letzten Besuch war ich sowohl im Leistungszentrum am Götschen als auch beim Rodelweltcup am Königssee. Es war sehr beeindruckend, was die Rodler leisten und mit welchen Geschwindigkeiten sie unterwegs sind. Ich habe auch im Markt Berchtesgaden gesehen, dass da viel passiert ist. Da scheint so etwas wie eine Aufbruchstimmung entstanden zu sein, das gefällt mir sehr gut.

Sind Sie am Götschen auch Ski gelaufen?

Drechsler: Das war leider nicht möglich, aber wir sind ja gerade von einem Skiurlaub aus Mariapfarr gekommen.

Sie haben 1992 im italienischen Sestriere mit 7,63 Metern einen Fabelweltrekord aufgestellt, der jedoch wegen 0,1 m/s Rückenwind zu viel nicht gewertet wurde. Wie sehr hat Sie das geärgert?

Drechsler: Das hat mich sehr geärgert, denn ich war in der Form meines Lebens. Ich sprang schon beim ersten Versuch 7,40 Meter. Bei 7,63 dachte ich schon, das sei ein Fehler an der Anzeigetafel. Es gab da einen Ferrari zu gewinnen, was noch keiner Frau gelungen ist. Das war schon ärgerlich. Da denkt man immer wieder dran.

Welchen Sport betreiben Sie heute und sind Sie wieder einmal weitgesprungen?

Drechsler: Ich laufe regelmäßig, das kann man fast überall. Aus Jux bin ich bei einer Veranstaltung in Offenburg 5,20 Meter weit gesprungen. Weitspringen ist eine Schnellkraftdisziplin, die man intensiv trainieren muss. So war da nicht mehr drin. Neben dem Laufen absolviere ich ein Fitnessprogramm, ich brauche dazu kein Studio. Im Weiteren schwimme ich gerne und im Winter betreibe ich, so oft es geht, Skilauf. Christian Wechslinger