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»Nicht immer den Musterschüler spielen«

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Der gebürtige Berchtesgadener Hugo Gollinger warb in Berchtesgaden für die Politik der AfD. Foto: privat

Berchtesgaden – Für die Partei »Alternative für Deutschland« (AfD) referierte der Berchtesgadener und jetzt in Rosenheim lebende Hugo Gollinger, der Mitglied im Rosenheimer Vorstand dieser Partei ist, im Gasthof »Bier Adam« über das Programm für die Europawahl am 25. Mai. Die gut besuchte Veranstaltung wurde durch den AfD Kreisvorsitzenden Torsten Balkow aus Freilassing eröffnet.


Gollinger geißelte insbesondere die Politik der großen deutschen Parteien, die unter anderem die Rettungspakete der EU für die verschuldeten Länder und deren Banken als alternativlos bezeichnen. Er plädierte vielmehr dafür, hoch verschuldete Staaten, wie zum Beispiel Griechenland, aus dem Euro zu entlassen, und bekräftigte seine Auffassung, dass bei einer Rückkehr zur alten Landeswährung die Verschuldung abgebaut werden könnte und sich das Land wirtschaftlich erholen würde.

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Deutschland trage in Europa die größte Last an den Rettungsmilliarden und habe nur ein begrenztes Mitbestimmungsrecht. Die Ungleichheit zeige sich schon allein darin, dass zum Beispiel das kleine Malta das gleiche Stimmrecht wie Deutschland habe. Die Einführung des Euro sei ein Fehler gewesen, weil er die Unterschiede der einzelnen Nationen nicht berücksichtigte. Er zwinge Deutschland, überproportional für die Schulden anderer Staaten zu haften. »Wenn wir das an Bedingungen knüpften, machten wir uns zudem noch viele Feinde«, sagte Gollinger.

Die AfD stellt sich als eine Alternative zwei oder drei unterschiedliche Währungen vor – mit verschiedenen Währungsblöcken, etwa zum einen die schuldenfreien, wirtschaftlich gesunden Staaten, als zweite Gruppe die einigermaßen wirtschaftlich soliden Länder und als letzten Block die hoch verschuldeten Länder, die unter den Rettungsschirm der EU müssten.

Als letzte Alternative sprach sich Hugo Gollinger für eine Rückkehr zur D-Mark aus und tat seine Überzeugung kund, dass Deutschland dadurch nur vorübergehend ein Prozent des Bruttoinlandsprodukts verlieren würde. Eine Forderung der AfD ist zudem, Deutschland innerhalb der EU mehr Gewicht zu verschaffen, was nur mit einer anderen Politik erfolgen könne, »in der wir nicht immer den Musterschüler spielen müssen. Unser Stimmrecht in der EU sollte nach dem Anteil der Haftung, die bei 27 Prozent liegt, angepasst werden«.

Gollinger bezeichnete es als Skandal, dass die Bürger bei zentralen Entscheidungen, wie der Einführung des Euro oder zu den milliardenschweren Rettungspaketen, nicht befragt wurden. Die AfD lasse sich auch nicht in die rechte Ecke drängen, sie sei nur gegen eine Einwanderung in die deutschen Sozialsysteme. Kindergeld und Sozialleistung seien nur für die in Deutschland lebenden Kinder der Einwanderer. Die Zuwanderung von Nicht-EU-Arbeitskräften sollte sich ausschließlich nach dem hiesigen Bedarf richten. Die sozialen und finanziellen Folgen der Asylproblematik sollten innerhalb der EU fair unter allen Staaten verteilt werden.

Gollinger hält es für notwendig, dass bei einem Wahlerfolg der AfD die Politik der EU-Erweiterung und -Vertiefung nur mit Bürgerentscheiden akzeptabel ist. Die anschließende Diskussion zeigte zwar die allgemeine Unzufriedenheit mit vielen Maßnahmen der EU, zu den vorgetragenen Thesen gab es aber durchaus auch unterschiedliche Meinungen. M.H.

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