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Nicht mehr genügend ehrenamtliche Helfer für traditionellen Würstlstand

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Es geht nicht mehr um die Wurst: Das Rote Kreuz hat keinen Bosnastand mehr beim Berchtesgadener Advent. (Foto: privat)

Berchtesgaden – Die BRK-Bereitschaft Berchtesgaden nimmt heuer erstmals nach 19 Jahren nicht mehr mit ihrer Bosna-Hütte am Berchtesgadener Christkindlmarkt teil. »Die zusätzlichen Öffnungszeiten und das damit verbundene Problem, ausreichend Personal zu finden, waren für das Ende ausschlaggebend«, bedauert Bereitschaftsleiter Walter Söldner.


Der Berchtesgadener Advent öffnet heute seine Pforten. Erstmals kommen die Besucher aber nicht mehr in den Genuss der berühmten BRK-Bosna. Zwei Jahrzehnte lang war der Würstlstand der Bereitschaft Berchtesgaden fester Bestandteil des Adventsmarktes, der damals noch Christkindlmarkt geheißen hat. Stefan Lenz war von Anfang an dabei. »Ich habe mir immer Urlaub genommen, um ehrenamtlich im Stand zu arbeiten«, sagt er. Doch das könne man nicht von jedem Helfer erwarten.

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An die zehn BRK-Mitglieder haben sich die Arbeit im Würstlstand geteilt. Ein Arbeitstag dauerte durchschnittlich 14 Stunden. Los ging es in der Früh um 8 Uhr mit dem Herrichten. Mittag ging der Verkauf los. Und um 20 Uhr war Schluss. Aber noch nicht Feierabend. »Wir haben dann noch etwa zwei Stunden lang aufgeräumt und alles sauber gemacht«, so Lenz. »So ein Stand ist ein gewaltiger Aufwand.«

»Die ehrenamtlichen BRK-Helfer sind berufstätig«, bekräftigt Bereitschaftsleiter Walter Söldner. Durch die erweiterten Öffnungszeiten sei es immer schwieriger geworden, ausreichend Personal zu finden. Und die Helfer hätten auch nicht einfach so anfangen können. »Die brauchen erst einmal eine Hygieneschulung und ein Gesundheitszeugnis«, erklärt Stefan Lenz. Außerdem hätte er sie gründlich anlernen müssen. Denn das Würstlbrutzeln und Soßenmischen will gelernt sein. Damit die BRK-Bosna stets ausgezeichnet schmeckt.

Der gestiegene Personalaufwand ist das eine. Der niedrige Gewinn das andere. Außerdem müssten die Standgebühren bezahlt werden. Wofür Stefan Lenz Verständnis hat. »Die Advents GmbH will schließlich etwas verdienen«, sagt er. Aber genau das hat mit dem Bosnastand des Roten Kreuzes in den vergangenen Jahren nicht mehr so recht funktioniert. Obwohl wegen der ehrenamtlichen Helfer keine Lohnkosten angefallen sind, blieben unter dem Strich nur etwa 4 500 Euro hängen. Für die das Rote Kreuz stets eine sinnvolle Verwendung gefunden hat. »Wir konnten mit den Einnahmen wichtige Ausrüstungsgegenstände für den Rettungsdienst und den Katastrophenschutz im Landkreis kaufen«, erklärt Walter Söldner.

Der Berchtesgadener Bereitschaftsleiter verwehrt sich gegen die Anschuldigungen und aus seiner Sicht unhaltbaren Beleidigungen, die derzeit im Internet die Runde machen. Im Gegensatz zu den Kritikern auf Facebook und Co. sieht Walter Söldner keinerlei Schuld bei der Advents GmbH. »Die Zusammenarbeit war immer gut.«

Die Veranstalter, die Berchtesgadener Advent GmbH, bezeichneten den Rückzug des BRK als herben Verlust für den Adventsmarkt. »Das ist schade, sehr, sehr, schade«, sagte Geschäftsführerin Brigitte Zobel dem »Anzeiger«. Sehr verwundert sei man gewesen, als sich das BRK nicht, wie in den Jahren zuvor, um einen Stand auf dem Adventsmarkt beworben hatte. Mehrmals habe Brigitte Zobel mit den Verantwortlichen telefoniert. Als Grund für die Nichtteilnahme seien ihr stets der Mangel an ehrenamtlichen Helfern genannt worden. Von zu hohen Standgebühren, wie es in einer BRK-Pressemitteilung geheißen hat, sei nie die Rede gewesen, bekräftigt die Geschäftsführerin. Außerdem sei die Gebühr seit drei Jahren unverändert.

Auch in den erweiterten Öffnungszeiten sieht Brigitte Zobel kein Problem für den BRK-Stand. »Das sind effektiv zwei Tage mehr im Vergleich zum Vorjahr«, so die Geschäftsführerin. Und die hätte man vielleicht mit bezahlten Aushilfen ausgleichen können. Denn eines steht für Brigitte Zobel fest. »Wenn sich die Stände nicht rentieren würden, hätten wir nicht so viele Bewerbungen.« Und: »Im Vergleich zu anderen Christkindlmärkten halten wir diese bewusst niedrig, um regionale Standbetreiber zu halten.«

Die Verantwortlichen der Advents GmbH zeigen sich zuversichtlich, dass man insgesamt weiterhin gut mit dem Roten Kreuz zusammenarbeiten werde. Denn einen BRK-Stand gebe es schließlich auch beim Marktfest.

Einen Bosnastand auf dem Schlossplatz gibt es heuer übrigens trotzdem. Ein heimisches Unternehmen ist kurzfristig eingesprungen. Einen kleinen Trost für diejenigen, die auf die Rotkreuz-Bosna nicht verzichten wollen, gibt es: Am Sonntag, 7. Dezember, ist das BRK beim Adventsmarkt in der Schön-Klinik in Schönau am Königssee von 10 bis 16 Uhr mit ihrem Stand vertreten. Christian Fischer