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Notschlachtaktion in der Zuchtanlage

Bottiche voll mit getöteten Fischen. Foto: privat

Berchtesgaden – Nichts als Regen, eine verstopfte Zuleitung - dann starben die ersten Fische. Um Schlimmeres zu verhindern, haben Mitglieder des Fischereivereins Berchtesgaden-Königssee in einer Marathon-Aktion Tausende Fische geschlachtet. »Das musste sein«, sagt Jugendwart Rainer Stähler. »Die Tiere hatten kaum Frischwasser und keinen Sauerstoff erhalten.«


Die Stimmung im Fischereiverein ist am Tiefpunkt angelangt. Eine riesige Menge von Fischen ist tot, der Schaden immens. Mit über 10 000 Euro rechnet Stähler. Sowohl die Becken als auch das Fließgewässer sind betroffen.

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Nach dem Unwetter vom Wochenende hatte sich in der Fischzuchtanlage am Kainbach ein Gitter gelöst, die Zuleitung mit Geröll verstopft, den Fischen war die Frischwasserzufuhr abgeschnitten. Die Tiere drohten elendig zu verenden. Deshalb entschloss man sich zur Notschlachtung. Knapp eine Tonne Fisch, »keiner schwerer als 400 Gramm«, weiß Rainer Stähler. In der gesamten Vereinsgeschichte gab es noch nie etwas Vergleichbares. Sechs Vereinsmitglieder erklärten sich bereit und begannen zu schlachten - aussichtslos. Sowohl Regenbogen- als auch Bachforellen waren betroffen, die Zahl der zu schlachtenden Tiere übertraf bei Weitem die Kapazitäten der angerückten Fischer. Schließlich entschied man sich, Verstärkung zu holen. 15 Männer und Frauen waren es am Ende, die in einer zehnstündigen Aktion aberhunderte Fische schlachteten und ausnahmen. »Das war kein schönes Bild«, erinnert sich Rainer Stähler. Bottiche über Bottiche voll mit toten Forellen. Ein Anblick zum Wegschauen.

Die Aktion sei aber notwendig gewesen, um Schlimmeres abzuwenden. Denn im schlechtesten aller Fälle hätte die gesamte Anlage am Kainbach betroffen sein können. »Unser Schaden ist sehr groß«, sagt der Jugendwart. Auch die Aufzucht für das nächste Jahr ist betroffen, komplett ausgelöscht. Das sei fatal, weil die Zukunft auf dem Spiel steht. »Wir müssen deshalb die kleineren Fische zukaufen.« Was wiederum viel Geld kostet.

In einer schnell anberaumten Aktion wurde eine weitere Wasserleitung verlegt, um einen Totalausfall in der Anlage zu verhindern. Die Hauptverluste beschränken sich auf die drei untersten Becken.

Auch am Hintersee verzeichnen die Fischer Verluste. Mehrere der dort liegenden Ruderboote soffen ab, der Steg wurde zerstört. Darüber hinaus geht Rainer Stähler davon aus, in der nächsten Zeit kaum Gästekarten zum Fischen verkaufen zu können. Weil der übergetretene Klausbach den Hintersee so verdreckt hat, dass es unwahrscheinlich ist, dass sich allzu viele Leute finden dürften, die zum Fischen kommen. »Den Hintersee als klaren Gebirgssee kriegt man so schnell nicht wieder zurück«, sagt er.

Wie es weiter geht? Die Schäden in der Fischzuchtanlage am Kainbach sichten, eine neue, deutlich besser dimensionierte Zuleitung bauen. Fische müssen zugekauft werden. Am Hintersee erwartet die Vereinsmitglieder ebenfalls eine Menge Arbeit: Der dort befindliche Steg muss erneuert, die Ruderboote müssen auf Vordermann gebracht werden. Auf den vielen Tausend Euro Schaden wird der Verein zunächst wohl sitzen bleiben. Kilian Pfeiffer