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Wimmer: »Haben ein negatives operatives Ergebnis« – Bürgermeister Rasp: »Investitionen waren absolut notwendig«

Nur noch 41 600 Euro: Stiftungsvermögen geht zur Neige

Berchtesgaden – Der Weiterbetrieb von Bürgerheim und Martin-Beer-Haus wird nicht infrage gestellt – das machte Marktbürgermeister Franz Rasp gegenüber dem Berchtesgadener Anzeiger noch einmal deutlich.

»Bürgerheim« und »Martin-Beer-Haus« präsentieren sich in gutem Zustand. Doch das Stiftungsvermögen der Bruderhausstiftung ist fast aufgebraucht. (Foto: Voss)

Dennoch macht man sich im Marktgemeinderat Berchtesgaden Sorgen über die Finanzen der Bruderhausstiftung, über die die beiden Seniorenheime in der Salzburger Straße betrieben werden. So sprach Dr. Bartl Wimmer (Grüne) bei der Verabschiedung des Stiftungs-Haushalts 2017 am Dienstag klare Worte: »Wir haben aktuell ein negatives operatives Ergebnis«. So wird sich das Stiftungsvermögen, im Haushalt als »Rücklage« bezeichnet, bis zum 31. Dezember voraussichtlich von rund 245  000 Euro auf 41  600 Euro reduzieren.

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Im Altenheim »Bürgerheim« und im Altenwohnheim »Martin-Beer-Haus« werden alte, bedürftige oder minderbemittelte Bürger aus Berchtesgaden und, so weit noch Plätze vorhanden sind, aus den umliegenden Gemeinden aufgenommen. Von den 43 Heimbewohnern im »Bürgerheim« waren laut Gemeindekämmerer Richard Beer zum Stichtag 1. April 18 Heimbewohner in Pflegegrad 2, 14 Bewohner im Pflegegrad 3, neun Bewohner in Pflegegrad 4 und zwei Bewohner in Pflegegrad 5 eingestuft. Für heuer rechnet man mit Einnahmen von 1 452 000 Euro, die aber nur bei Vollbelegung erreicht werden können. Die Personalkosten für die aktuell 30 Arbeitnehmer werden sich auf 1 120 000 Euro belaufen. Das ist ein Anstieg gegenüber dem letzten Jahr um 12,38 Prozent. Für verschiedene Anschaffungen im »Bürgerheim« ist heuer im Vermögenshaushalt ein Betrag von 20 000 Euro vorgesehen.

Das Altenwohnheim »Martin-Beer-Haus« erwirtschaftet unter Berücksichtigung der kalkulatorischen Kosten in Höhe von 95 000 Euro heuer voraussichtlich einen Fehlbetrag von 1 400 Euro. Die Mietkosten für alle 53 Wohnungen wurden letztmalig zum 1. Januar 2017 auf 4,75 bis 5,28 Euro je Quadratmeter angehoben. Für die 28 inzwischen generalsanierten Wohnungen wurde die Kostenmiete auf 5,04 bis 5,57 Euro je Quadratmeter erhöht. Im Jahr 2017 ist die Sanierung von weiteren drei bis fünf Wohnungen geplant. Im Vermögenshaushalt hat Kämmerer Richard Beer für die Sanierungen 86 000 Euro eingeplant, außerdem 41 500 Euro für restliche Brandschutzausgaben.

Dem Vermögenshaushalt der Bruderhausstiftung kann 2017 voraussichtlich nur ein Betrag von 10 300 Euro zugeführt werden. Damit wird die Mindestzuführung (Tilgungsbetrag für Kredite = 52 100 Euro) nicht erreicht. Wie schwierig die Finanzierung des Haushaltsjahres 2017 ist, zeigt vor allem die Rücklagenentwicklung. So betrug das Stiftungsvermögen zum 31. Dezember 2016 noch knapp 245 000 Euro. Zum 31. Dezember des laufenden Jahres werden es wohl nur noch 41 600 Euro sein. Alleine zur Finanzierung der Investitionen ist eine Rücklagenentnahme von 190 000 Euro erforderlich. Der Schuldenstand der Bruderhausstiftung wird zum Jahresende rund 718 000 Euro betragen, 189 000 Euro entfallen auf das »Martin-Beer-Haus« und 529 000 Euro auf das »Bürgerheim«.

Der Dank von Bürgermeister Franz Rasp ging an alle Mitarbeiter »für ihre gute Arbeit unter schwierigen Bedingungen«. Der Rathauschef freute sich vor allem auch darüber, dass das Heim bei der Prüfung wieder gut abgeschnitten habe. Der Haushalt zeige, dass die Maßnahmen, vor allem die Umsetzung des Brandschutzkonzepts, »absolut notwendig waren«.

Dass die positive Bewertung die »tolle Arbeit« der Beschäftigten unterstreiche, betonte auch Dr. Bartl Wimmer. Dennoch müsse man auch sehen, dass der Haushaltplan ein negatives operatives Ergebnis ausweise. »Wir brauchen also das Stiftungsvermögen, um den Haushalt auszugleichen. Das ist eine endliche Sache«, warnte Wimmer. Man müsse den Kostenanstieg künftig begrenzen, ansonsten müsse das Stiftungsvermögen wieder aufgefüllt werden.

»Unsere Maßnahmen greifen«, zeigte sich Bürgermeister Franz Rasp zuversichtlich. »Mir ist für die Zukunft nicht bange, denn unsere Hausaufgaben sind gemacht.«

Die Zustimmung zur Haushaltssatzung 2017 erfolgte einstimmig. Ulli Kastner