weather-image
26°

Obersalzberg als »Schaltzentrale der Macht«

2.6
2.6
Bildtext einblenden
Romani Rose vom Zentralrat Deutscher Sinti und Roma war zu Besuch auf dem Obersalzberg. (Fotos: Archiv/Pfeiffer)

Berchtesgaden – Zahlreiche hochrangige Vertreter von Opferorganisationen haben sich pünktlich zur Grundsteinlegung der neuen Dokumentation am Obersalzberg öffentlich geäußert.


Romani Rose vom Zentralrat Deutscher Sinti und Roma erklärte, dass die »Weichen für Auschwitz auf dem Obersalzberg gestellt« worden seien. Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern wünscht der Institution, »dass es an diesem Ort gelingt zu dokumentieren, dass in dieser Bilderbuchszenerie in den bayerischen Alpen menschenverachtende, barbarische Entscheidungen getroffen wurden«.

Anzeige

Der Dokumentation Obersalzberg bescheinigte sie, »die universelle Lehre aus dem Holocaust« zu beherbergen. Die ehemalige Präsidentin des Zentralrates der Juden in Deutschland hofft, dass die Dokumentation Obersalzberg ein Ort der Erkenntnis sein möge, der möglichst viele junge Menschen erreicht, »um ihnen zu vermitteln, welche zerstörerische Macht eine Ideologie entfalten kann«.

Dr. Rosanna Dom vom Verein für Kontakte zu Ländern der ehemaligen Sowjetunion äußerte die Hoffnung »für diesen Täterort, dass nicht wohlige Schauer über das Herrenmenschentum und das Ausüben von Macht das Erleben dieser Dokumentationsstätte prägen, sondern dass die Opfer im Mittelpunkt stehen«.

Bildtext einblenden
Die ehemalige Präsidentin des Zentralrats der Juden hofft, dass der Erinnerung an die NS-Verbrechen weiterhin große Bedeutung beigemessen wird.

In einer Erklärung des Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds sagt Geschäftsführer Dr. Tomas Jelinek, dass das Bemühen um Wiedergutmachung oder eine Linderung des Unrechts von Beginn an eines der wichtigsten Anliegen des Zukunftsfonds gewesen sei. Zuversichtlich sei er, dass die Konzeption der neuen Ausstellung nicht nur die Vergangenheit dieses Ortes vermittelt, sondern dass die Dokumentation auch zu einem Ort der Reflexion und des Erinnerns an eines der düstersten Kapitel der modernen europäischen Geschichte werde. Er erinnerte gleichzeitig an die »unzähligen Opfer« unter den Juden, Sinti, Roma und Tschechen, die bis 1945 gezwungen wurden, ihre Heimat zu verlassen, und als »minderwertig Stigmatisierte unter unwürdigen Bedingungen (…) im gesamten Gebiet des nazistisch beherrschten Deutschlands arbeiten mussten«.

Die NS-Opfergruppe Zeugen Jehovas äußerte in einem Schreiben an die Dokumentation Obersalzberg, dass man sich »Wiedergutmachung im eigentlichen Sinne« wünsche: »Indem Menschen das zurückerhalten, was ihnen genommen wurde: ihr Leben.« Denn das NS-Regime habe für Millionen Unschuldiger den Tod bedeutet.

Romani Rose vom Zentralrat Deutscher Sinti und Roma war erst kürzlich zu Besuch am Obersalzberg und nahm an einem Rundgang durch die Einrichtung teil. »500 000 Angehörige unserer Minderheit fielen dem nationalistischen Rassenwahn zum Opfer«, sagt er. Sie seien erfasst, entrechtet, deportiert und schließlich »fabrikmäßig« ermordet worden.

»Der Obersalzberg, nach Berlin die wichtigste Schaltzentrale der nationalsozialistischen Macht, ist ein historischer Ort, an dem Täter vor der atemberaubenden Kulisse der alpinen Bergwelt den industriellen Massenmord an den Sinti und Roma sowie den Juden planten«, so Rose. Das Symbol für Menschheitsverbrechen des Holocaust sei Auschwitz. Allerdings seien die Weichen für Auschwitz auf dem Obersalzberg gestellt worden.

Roses Hoffnung lautet daher, dass vor allem junge Menschen die neue Ausstellung besuchen. Dies trage zu einer Entmystifizierung des Ortes bei. Gerade in Zeiten, in denen ein Rechtsruck in vielen europäischen Ländern zu spüren sei. Kilian Pfeiffer