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Offene Ganztagsschule und Auslandshilfe

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Die offene Ganztagsschule war im abgelaufenen Jahr ein erfolgreiches Projekt, das wesentlich die Arbeiterwohlfahrt vorangetrieben hatte. Auf dem Bild einige Lehrkräfte und AWO-Mitglieder im Schulraum (v.l.): 1. Vorsitzender Dr. Werner Vietze, Marketa Piuhola, pädagogischer Leiter Fritz Sparrer, Claudia Topp, Christoph Dimpflmaier, Rektor Hans Metzenleitner. (Foto: privat)

Bischofswiesen – Die projektoffene Ganztagsschule, die Aktionen im Rahmen der Auslandshilfe und Grobschnitzkurse für Anfänger waren wichtige Themen auf der traditionellen Neujahrsveranstaltung des Ortsvereins Bischofswiesen-Berchtesgaden der Arbeiterwohlfahrt. Zu dem Empfang im Stanggaßer Gasthof »Schönfeldspitze« war auch Bischofswiesens 2. Bürgermeister Thomas Resch gekommen, der in einem Grußwort seine Offenheit gegenüber sozialen Herausforderungen, gerade auch im Flüchtlingsbereich, zeigte, aber bestehende Probleme nicht verschwieg. Resch lobte vor allem alle ehrenamtlichen Verbände, ohne die es nicht möglich wäre, den Andrang so vieler Kriegsflüchtlinge zu bewältigen. Die AWO vor Ort bezeichnete er als wesentliche Bereicherung für das Gemeinwesen in Bischofswiesen.


In seinem Jahresrückblick berichtete Vorsitzender Dr. Werner Vietze vor allem von der »Erfolgsstory« der offenen Ganztagsschule, die erst im September 2015 ins Leben gerufen worden war. Insbesondere das Team, also die Gemeinde Bischofswiesen mit Bürgermeister Thomas Weber, den AWO-Ortsverein mit seinem pädagogischen Leiter Friedrich Sparrer und dem langjährig erfahrenen Lehrer Wolfgang Grimm sowie dem Schulleiter Hans Metzenleitner stellte Vietze in den Vordergrund. Sie konnten dieses Vorhaben bislang erfolgreich schultern.

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An weiteren Aktivitäten nannte Vietze den Flohmarkt der Arbeiterwohlfahrt beim Marktfest im August, wobei hier besonders das Team um Hilde Wörgötter großen Einsatz zeigte, sowie den traditionelle Seniorennachmittag mit Kaffee und Kuchen am ersten Advent im Altenheim »Insula«, der von Ekaterina Butnaru perfekt gestaltet wurde.

Flüchtlingswelle als Herausforderung

Vietze erinnerte an die internationalen Krisen und Probleme, die viele Kriegsflüchtlinge, mehrheitlich aus Syrien, nach Deutschland kommen ließen. Die Flüchtlingswelle forderte am Ende der Balkanroute wohl am meisten Bayern heraus. Leider sei es durch eine zunehmende innereuropäische Polarisierung zur Ablehnung der Aufnahme von kriegsverfolgten Flüchtlingen durch verschiedene Staaten gekommen. Die von Kanzlerin Angela Merkel eingeforderte europäische Solidarität drohe somit zu bröckeln. Der Satz »Wir schaffen das« habe aufgrund der Dimension der Flüchtlingswelle und leider auch den Übergriffen in der Silvesternacht in Köln zu einer Schwächung der Position der Kanzlerin auch innerhalb ihrer eigenen Partei geführt, sagte Dr. Werner Vietze. Gleichzeitig hätten sich die schrecklichen Terroranschläge des IS, vor allem in Frankreich, ereignet. Hierdurch drohe die Gefahr eines Rechtsrutsches, sagte Vietze. Das zeigten brennende Asylunterkünfte sowie das Auftreten von AfD, Pegida und NPD in Deutschland.

Unabhängig davon sei die Hilfsbereitschaft auch heute noch enorm hoch, wobei sich besonders ehrenamtliche Organisationen um die Flüchtlinge gekümmert hätten. »Jetzt aber ist Integration gefordert, wobei insbesondere Schulen, Lehrer und entsprechender Wohnraum fehlen«, sagte Vietze. Die AWO sei auch 2016 weiterhin zu Hilfe bereit.

Pädagogischer Leiter Fritz Sparrer lobte zunächst Rektor Hans Metzenleitner und sein Kollegium, die beim Projekt offene Ganztagsschule eine Trägerschaft der AWO Bischofswiesen-Berchtesgaden im letzten Herbst erheblich unterstützt hatten. Innerhalb von zwei Monaten sei die Zahl der Schüler in dieser Nachmittagsbetreuung von 14 auf jetzt 43 gestiegen, sodass bei der Regierung von Oberbayern eine zweite Gruppe beantragt werden musste und inzwischen auch genehmigt ist. Acht bis zehn Lehrkräfte unterstützen jetzt Hausaufgabenbetreuung und Förderunterricht, ein Konzept, das sich bislang bewährt habe.

Umfassende Auslandshilfe

In einer eindrucksvollen Präsentation berichtete der 2. Vorsitzende Adi Renoth über die zahlreichen Einsätze, die er mit seinem Team in Rumänien und Bosnien-Herzegowina in den letzten Jahren durchgeführt hatte. Dabei stand ihm auch immer Ecatarina Butnaru zur Seite, die als AWO-Mitglied auch im Bezirksverband notwendige Kontakte knüpfte und durch ihre Sprachkenntnisse vor Ort die Arbeit erleichterte. Bei den Projekten wurden nicht nur Hilfsgüter transportiert, am Ziel wurden dankbare Ortsansässige angeleitet, selbst Sanitäreinrichtungen einzubauen oder medizinische Geräte anzuschließen. So wurden Kindertagesstätten, Behinderteneinrichtungen und Krankenhäuser errichtet oder ausgebaut.

Die AWO hat so zum Beispiel im rumänischen Santa Maria mit dem Projekt »Sarah« bereits bisher viel verwirklichen können. Besonders unterstützt wurde dabei auch die Volksgruppe der Roma, die ja auch heute noch in ihrer Heimat und in weiten Teilen Europas diskriminiert wird. Speziell im medizinischen Bereich und im Bereich der Bildung und Betreuung von Kindern sei hier ein noch großer Förderbedarf vorhanden, nachdem die offiziellen Stellen dieser Staaten meist die Probleme dieser Minderheiten ignorieren würden, sagte Adi Renoth.

Markus Maier hatte die Idee für Grobschnitzkurse an der offenen Ganztagsschule bereits vor einigen Monaten eingebracht, mithilfe der Sparkasse konnten nun entsprechende Werkzeuge und Materialien angeschafft werden. Schüler und auch sonstige Interessierte können sich für dieses Angebot anmelden, damit so neben Lernen und Förderunterricht auch ein interessantes Gleichgewicht mit Kreativität entsteht. Rektor Hans Metzenleitner signalisierte bereits, dass ein Werkraum in der Schule hierfür genutzt werden könne. fb