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»Ohne Bergbahnen würde mich keiner kennen«

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Wolfgang Maier, Christian Neureuther, Hilde Gerg und Rosi Mittermaier (v.l.) hatten sichtlich Spaß beim Zusammentreffen der Skilegenden. (Foto: Wechslinger)

Berchtesgaden – Wolfgang Maier, Sportdirektor alpin im Deutschen Skiverband sowie die ehemaligen erfolgreichen Alpinen Rosi Mittermaier und Christian Neureuther waren am Donnerstag prominente Referenten bei der Tagung des Verbandes Deutscher Seilbahnen im Kongresshaus. Weiterer Stargast war die ehemalige Spitzenskifahrerin Hilde Gerg.


Zunächst spielte die Technik bei der Adaption der Referenten-Notebooks an die Kongresshaustechnik den Gastrednern einen Streich. So stellte Neureuther als versierter Referent sein Programm kurzerhand um und ließ Maier den Vortritt. Als auch bei Maier die Technik nicht mitspielte, verstand es der versierte Routinier, die Pausen mit Späßen zu füllen. »Ich bin ohnehin froh, vor Christian dran zu sein, denn hinter dem glänzenden Unterhalter an der Reihe zu sein, ist schwer«, so Maier.

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Zu Beginn seines Vortrages stellte Maier in eindrucksvollen bewegten Bildern die acht olympischen Disziplinen des DSV vor. Knapp eine Million Mitglieder weise der DSV im Breitensport auf, 365 Skischulen gehörten ihm an. Der Profibereich agiere als Unternehmen und benötige keine öffentlichen Mittel. Allerdings werde die Infrastruktur von Bund und Land unterstützt, klärte der Sportdirektor auf. Der alpine Rennlauf sei kein leichtes Brot, denn er werde von den Sponsoren nur am Erfolg gemessen. Gleichwohl sei der Rennlauf für die Seilbahnen ein interessanter Partner, dem man in früheren Jahren zu oft nach Österreich, Italien oder in die Schweiz hinterherfahren musste, weil es in Deutschland lange Zeit keine Maschinenschnee-Skigebiete gegeben hat.

Dabei habe der alpine Weltcup im Jahr 1967 am Jenner seine Geburtsstunde gefeiert, erinnerte der gebürtige Schönauer. Als Voraussetzung für das duale System aus Leistungssport und Schule nannte Maier die Eliteschule des Sports am Dürreck. Dort verfüge man seit drei Jahren über eine große Mehrzweck-Sporthalle und habe kurze Wege zum neu konzipierten Krautkaserhang mit einem neuen Sessellift. Man habe auch die Trendsportarten ins Boot geholt, die man am Krautkaser perfekt ausüben könne, erklärte Maier weiter und sprach von der Wichtigkeit des Sports für die Persönlichkeitsentwicklung: »Nicht alle kommen ganz nach vorne, aber durch den Sport lernen die Sportler Disziplin und Zielorientiertheit.«

Durch die Möglichkeit, per schnellerer Aufstiegshilfe neben dem Krautkaser auch auf den Jennerwiesen abfahren zu können, erfahre auch der touristische Skilauf eine Aufwertung und sorge für eine bessere Wirtschaftlichkeit. »Rennsport braucht eine gewisse Abgeschiedenheit und Sicherheit, was am Krautkaser gegeben ist«, machte Maier deutlich.

Wenn es keine Bergbahnen gegeben hätte, dann würde ihn zum einen keiner kennen und er wäre auch nicht mit Rosi Mittermaier zusammengekommen, begann Christian Neureuther seine interessanten Ausführungen. Ohne Seilbahnen hätte es auch nicht die erfolgreiche Familie Neureuther-Mittermaier gegeben. In den Mittelpunkt seiner mit vielen Fotos illustrierten Ausführungen stellte Neureuther immer wieder den Zusammenhang zwischen Skilauf und Emotionen heraus.

Der sechsmalige Gewinner von Weltcup-Slaloms hatte immer wieder die Lacher auf seiner Seite. Zum Beispiel mit der Anekdote über das Ausscheiden aller deutschen Starter 1970 am Jenner. »Damals wurden wir in der Süddeutschen Zeitung als die Penner vom Jenner betitelt«, erinnerte Neureuther. Als eine seiner großen Lebensenttäuschungen nannte der Partenkirchener, dass sich die Bürger gegen Olympia 2022 München entschieden hätten. »Jüngst hat auch Oslo seine Bewerbung zurückgezogen, wir hätten die Spiele bekommen«, bedauerte der Vielseitige, der sodann philosophisch wurde. »Durch die schlimmen Kriege auf dieser Welt suchen die Menschen immer mehr die Abgeschiedenheit, Freiheit und Ruhe in den Bergen. Dafür sind auch Seilbahnen besonders wichtig, denn nicht alle Menschen können die Berge noch zu Fuß erklimmen.«

Abschließend bat VDS-Präsident Peter Huber Olympiasiegerin Hilde Gerg zum Interview. Dabei war zu erfahren, dass Hilde Gerg immer noch sehr gerne Ski fährt, weil der Skilauf für sie in erster Linie Freiheit bedeute. Ihre beiden fünf- beziehungsweise siebenjährigen Kinder können bereits Ski fahren, allerdings überlässt sie es ihnen, ob sie sich für den Rennlauf entscheiden. Christian Wechslinger