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Ohne Internet geht auch am Berg (fast) nichts mehr

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Hüttenwirt Sigi Hinterbrandner kann sich die Arbeit im Kärlingerhaus ohne Internet nicht mehr vorstellen. 90 Prozent der Buchungsanfragen laufen mittlerweile über das Buchungsformular des Unterkunftshauses am Funtensee beziehungsweise über E-Mail. Foto: privat
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Noch komplett von der Internetwelt abgeschnitten ist das Watzmannhaus auf 1 930 Metern. Wer dort einen Platz in den Zimmern oder im Matratzenlager reservieren will, der muss den Telefonhörer in die Hand nehmen. Foto: BGLT

Berchtesgadener Land – Arbeiten ohne Internet ist für viele Geschäftsbereiche mittlerweile unverzichtbar. Auch auf den Berghütten will der Großteil der Besitzer vor allem aus organisatorischen Gründen nicht mehr darauf verzichten. Zwei Drittel aller Hüttenreservierungen werden laut dem Deutschen Alpenverein mittlerweile über das Internet getätigt.


Die »Kärlingerhaus«-Wirtsleute Sigi und Gabi Hinterbrandner können sich ihre Arbeit ohne Internet gar nicht mehr vorstellen. Die beiden nutzen die moderne Kommunikationsmöglichkeit, seit sie im Jahr 2010 die Unterkunftshütte der Alpenvereinssektion Berchtesgaden am Funtensee mit ihren rund 9 000 jährlichen Übernachtungsgästen und über 6 000 Tagesgästen übernommen haben.

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Mehrere Stunden täglich vor dem Computer

Vor allem Sigi Hinterbrandner sitzt mehrere Stunden täglich am Computer, um Buchungsanfragen zu beantworten. »Grundsätzlich nehmen wir Anfragen und Reservierungen nur über das Anfrageformular auf unserer Homepage oder per E-Mail an, ansonsten wären wir nur noch am Telefonieren«, sagt der Marktschellenberger. Wenig erfreut ist er deshalb darüber, dass viele Gäste den Hinweis einfach ignorieren und telefonisch nachfragen. Trotzdem laufen rund 90 Prozent aller Reservierungen über das Internet.

Nicht nur die Wirtsleute, sondern auch die Angestellten kommunizieren täglich per Internet mit Freunden und Verwandten im Tal – viele per Facebook. »Der Computer wird sehr viel genutzt, auch zur Informationsbeschaffung«, erklärt Sigi Hinterbrandner. »Es ist unser tägliches Brot wie bei jedem anderen Unternehmen inzwischen auch«.

Bei Gewittern reißt die Verbindung oft ab

Auch WLAN gibt es im Kärlingerhaus. Das verbirgt sich allerdings hinter den dicken Gebäudemauern, sodass es von den Gästen nicht genutzt werden kann. Manchmal gibt es noch Probleme mit den Internetverbindungen, da es im Kärlingerhaus keine Telefonleitung gibt und alles über Satellit gesendet wird. »Wir haben vor allem bei größeren Datenmengen wie Bildern Übertragungs-schwierigkeiten. Generell ist die Arbeitsgeschwindigkeit sehr eingeschränkt und langsam«, stellt Sigi Hinterbrandner fest. Zudem reißt bei aufkommendem Gewitter die Verbindung oft komplett ab.

Aufs Internet nicht mehr verzichten wollen auch Hans und Walburga Gschoßmann im Stöhrhaus am Untersberg. Als die beiden Ramsauer im letzten Jahr das Haus von Bertei und Robin Sommerauer übernommen haben, brachten sie gleich die entsprechende Technik mit und sind froh darüber.

»Bei uns läuft etwa die Hälfte der Buchungen übers Internet, die andere Hälfte übers Telefon«, sagt Walli Gschoßmann. Anfragen über das Antragsformular auf der Stöhrhaus-Homepage sind ihr am liebsten, weil sie per Internet am schnellsten zu beantworten sind. Das funktioniert meistens sehr gut, es sei denn, die Satellitenverbindung reißt aufgrund eines nahenden Gewitters ab. »Das kommt aber nur gelegentlich vor«, sagt die Hüttenwirtin.

Annette Verst: »Wir brauchen kein Internet«

Freilich hält die Familie Gschoßmann per Internet auch Kontakt ins Tal und zur »Außenwelt«. »Ich halte mich per Internet auf dem Laufenden und lese auch den »Berchtesgadener Anzeiger«, erklärt Walli Gschoßmann. So nutzt man am Stöhrhaus das Internet also wie am Kärlingerhaus in erster Linie für eigene Belange. »In Ausnahmefällen, wenn es wichtig ist, kann ein Gast aber schon einmal per WLAN und dem entsprechenden Kennwort ins Internet«, ergänzt die Ramsauerin, die vor allem regelmäßig den Wetterbericht im Internet verfolgt.

Ganz ohne Internetverbindung in die restliche Welt kommt das Watzmannhaus aus. Wer einen Platz in den Zimmern oder im Matratzenlager in der Hütte auf 1 930 Höhenmeter reservieren will, der muss den Telefonhörer in die Hand nehmen. »Wir brauchen kein Internet«, sagt Hüttenwirtin Annette Verst. »Ohne ist es wesentlich angenehmer. Am Telefon können wir uns gleich noch mit dem Gast austauschen und Details besprechen.« Vermissen würden sie und ihr Mann Bruno das Internet am Berg deshalb nicht. Wichtige Informationen holen sie schnell über das Telefon aus dem Tal ein.

Ganz ohne eine Internetpräsenz geht es aber auch für das Watzmannhaus nicht. Zwar haben die Hüttenwirte keine eigene Homepage erstellt, allerdings finden sich umfangreiche Informationen auf der Seite des Deutschen Alpenvereins. Darunter fallen Daten zum Wetter, zur Anreise, zur Geschichte und zu verschiedenen Touren. Neu sind die beiden Webcams, die einen Blick auf die Umgebung des Watzmannhauses ermöglichen.

Gerne holen sich die Wirtsleute Regina und Sepp König vom Purtschellerhaus am Eckerfirst Informationen aus dem Internet. »Wir drucken für unsere Gäste täglich den Wetterbericht aus, wir lesen Nachrichten und tätigen teilweise unsere Bestellungen online«, sagt Sepp König und ergänzt: »Schließlich haben wir hier kein Fernsehen.«

Per Satellit wird Verbindung aufgebaut

Als das Ehepaar König das Purtschellerhaus vor acht Jahren von Christl und Heinz Zembsch übernommen hatte, haben sie die Internetverbindung zunächst per Modem hergestellt. »Aber das hat nicht richtig funktioniert«, erinnert sich der Wirt.

Nun hat das Purtschellerhaus eine eigene Schüssel, über die man per Satellit ins Internet kommt – und es gibt keine Probleme mehr. Da braucht man auch das bereits verlegte Glasfaserkabel nicht mehr, das ohnehin nie seinen Dienst getan hat. »Die Strecke zu uns ist zu lang«, weiß Sepp König. Die Buchungen fürs Purtschellerhaus tätigen Regina und Sepp König aber doch lieber übers Telefon. Und auch bei der Kontaktaufnahme mit Freunden greifen die beiden lieber zum Telefon. Ulli Kastner/Andrea P.