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Osterhase statt Osterlamm

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Pfarrer Herwig Hoffmann weiß natürlich, wie man als Christ das Osterfest richtig begeht. Doch der Seelsorger hat auch die Erfahrung gemacht, dass viele Katholiken Ostern nur noch als Frühlingsfest sehen. (Foto: B. Stanggassinger)

Schönau am Königssee – Osterhase statt Osterlamm, Schlemmen statt Fasten, Oberflächlichkeit statt innerer Einkehr. »Leider hat für viele der religiöse Hintergrund des Osterfestes an Bedeutung verloren.


Für viele ist es nur noch ein nettes Frühlingsfest«, sagt Untersteins Pfarrer Herwig Hoffmann. Dennoch freut sich der Seelsorger, der im vierten Jahr in Unterstein seinen Dienst versieht, auf die bevorstehenden Ostertage, die er trotz vieler dienstlicher Termine als sehr intensiv empfindet.

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»Viele können einfach nicht mehr glauben. Die christliche Botschaft kommt bei den Menschen oft nicht mehr an«, sagt Pfarrer Hoffmann. Ein Grund dafür könnten naturwissenschaftliche Erfahrungen sein, vermutet der Geistliche. Auch in seiner Pfarrei ist der Anteil der Kirchenbesucher an der Bevölkerung dramatisch niedrig geworden. »Er liegt bei fünf bis sechs Prozent, das ist ungefähr München-Niveau«, sagt Hoffmann.

Das nachlassende Interesse an der Religion spüre man auch an Ostern. »Für viele ist das Osterfest nur noch ein nettes Frühlingsfest«, betont der Pfarrer und erklärt: »Frühlingsfreude soll schon sein, aber Ostern ist halt wesentlich mehr. Es geht um die Dramatik rund um den Tod des Gottessohnes.« Alleine die heute vielfach verwendeten Symbole zeigten, wie sehr das Osterfest an Bedeutung verloren hat. »Der Osterhase hat mit dem Osterevangelium nichts zu tun«, betont Hoffmann. Allenfalls dem Osterei könne man noch die Bedeutung zuschreiben, dass aus ihm neues Leben entstehe. »Aber dann würde es auch erst nach dem Karfreitag Sinn machen, denn bevor Jesus aufersteht, muss er ja erst einmal sterben.« Als echte österliche Symbole nennt der Pfarrer stattdessen die Osterkerze oder das Lamm.

»Gründonnerstag, Karfreitag und Ostersonntag gehören zusammen«, betont der Pfarrer und erklärt auf »Anzeiger«-Anfrage, wie nach seiner Meinung ein guter Christ in seiner Pfarrgemeinde Ostern feiern sollte. »Am Gründonnerstag feiern wir mit Jesus das letzte Abendmahl. Wir sollten uns bewusst sein: Wir sitzen mit Jesus am Tisch, wir sind seine Jünger.« Den Karfreitag empfiehlt Herwig Hoffmann als »stillen Fasttag«. Das vielfach zelebrierte Fischessen lässt der Geistliche nicht gelten. »Das sind doch nur Schlemmermahlzeiten. Es geht um eine einfache Mahlzeit, um echtes Fasten.« Dann empfiehlt er am Karfreitag um 10 Uhr die Beteiligung am Kinderkreuzweg und um 15 Uhr in der Pfarrkirche Unterstein die Liturgie mit Leidensgeschichte.

»Der Karsamstag ist der Tag der Vorbereitung, es ist der stillste Tag des Jahres«, sagt Pfarrer Hoffmann. Daran hält sich der Geistliche freilich auch selbst. »Ich schalte an diesem Tag kein Radio, keinen Fernseher und keinen CD-Player an. Berieselung gibt es am Karsamstag nicht«, erklärt der Pfarrer. Und dann steht an diesem »Tag der Grabesruhe« natürlich der Besuch des Heiligen Grabes an. Das gibt es unter anderem in der Ramsau und in einer Seitenkapelle der Pfarrkirche Unterstein.

Für 5 Uhr morgens am Ostersonntag lädt Pfarrer Herwig Hoffmann alle Gläubigen zur Osternacht in die Pfarrkirche Unterstein ein. Und danach können es sich alle beim Frühstück richtig gut gehen lassen. »Es steht das Breakfast, also das Fastenbrechen, an«, erklärt Hoffmann. Da darf es dann wieder richtig schmecken. Und dann heißt es: Rausgehen, die Natur genießen und richtig Freude haben. Ulli Kastner