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Palmbinden beim »Baumgaschtei«

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So geht es richtig: Für das Gschabertbandl braucht man Fingerspitzengefühl. Fotos: Anzeiger/B. Stanggassinger
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Michael Lochner (l.) bindet gerade einen Palmbuschn. Sein Bruder, Militärdekan Siegfried Lochner, macht derweil eine Ziehharmonika aus einem Holzspan, dem Gschabertbandl.
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Gehören dazu (v.l.): Zeder, Buchs und Seng.

Schönau am Königssee - Am Sonntag ist Palmsonntag. Damit die Palmbuschen an diesem Tag schön frisch sind, fängt der Lochner Micherl erst eine Woche vor dem Palmsonntag das Palmbinden an. Der Micherl vom Haus Baumgarten in Unterstein ist schon Opa und bindet für seine Enkel. Für meine »Ehrei«, wie er in Berchtesgadener Mundart sagt, den Lukas und die Vroni.


18 Palmbuschen muss er für sich selbst und für die Verwandtschaft binden, fürs Altarl beim Herrgottswinkel und ein paar für den Friedhof. Nachmittags hilft ihm sein Schwiegersohn Franz. Der muss das auch lernen. Zu Besuch ist gerade sein Bruder, Militärdekan Siegfried Lochner, der sofort ein Gschabertbandl zur Hand nimmt und ein »Ziamusei« fertigt. »Hab es ja vom Vater gelernt und oft genug gemacht, so der Geistliche.«

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Fein säuberlich hat der Micherl alles sortiert. Die größeren Palmkatzen, das sogenannte »Bamei«, und die kleinen Zweige, die er dazu bindet. Den Buchs, den Zeder und den Seng.

Gebunden wird ohne Draht, alles zusammenhalten soll eine rote Weide. Die Weide wird getrennt und das Mark herausgeschabt. Auf die Frage, wo er die schönen Gaschten (Weiden )gefunden hat, kam keine Antwort. Das bleibt sein Geheimnis.

Stolz wird er schon sein, wenn er dann am Palmsonntag zuschaut, wie sein »Ehrei«, der Lukas, nach der Palmweihe in der Pergola in Unterstein hinter dem Palmesel in die Kirche von Unterstein einzieht. Die Vroni bekommt in ihr Zeggerl a paar Zweigerl. Und dann ist nur zu hoffen, dass der Palmträger seinen Lohn bekommt. Bernhard Stanggassinger