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Per Du mit Bob und Rodel

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Skeleton fehlt. Denn jede Bewerberregion bekommt nur zwei Sportarten für das »Olympi-Ja«-Plakat. Foto: Anzeiger/Wechslinger

Berchtesgaden – Sie hängen und kleben überall im Berchtesgadener Land: die Plakate der Olympia-Befürworter. Darauf zu sehen: viel Blau, viel Ja, ein Viererbob und ein Rodler. Allerdings fehlt die dritte Kufensportart, nämlich Skeleton. Auch fällt auf, dass der Betrachter geduzt wird. Warum ist das so? Der »Berchtesgadener Anzeiger« fragte beim Gestalter der Plakate nach.


Ein Anruf in München bei der Marketingagentur Abold. Dort arbeitet Josef Mausser als Account Director. Er ist für die Plakate der oberbayerischen Bewerberregionen München, Garmisch, Chiemgau und Berchtesgadener Land verantwortlich.

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Er redet Bayerisch, was ihn sympathisch macht. Außerdem hat er Humor, was auch nicht schadet. Dass die Plakate mit den sich überlappenden, miteinander verkeilten Farbflächen nicht so gut bei den Berchtesgadenern ankommen, kann der Marketingmann gar nicht verstehen.

Ausgefeilte Ästhetik

Denn, so erklärt Mausser, hinter der Gestaltung der Plakate stehe eine ausgefeilte Ästhetik. Und eine Reminiszenz an ein großes Vorbild: die Olympia-Plakate von 1972. Die stammen von einem der berühmtesten Grafikdesigner überhaupt: Otl Aicher. »Man wollte damals weg von der Nazi-Ästhetik«, erklärt Josef Mausser. »München wollte sich fröhlich, weltoffen und freundlich präsentieren«, sagt der Marketingexperte. Deshalb habe Aicher auf flächige Pastelltöne gesetzt. Und viele Piktogramme für die verschiedenen Sportarten entworfen. Die auf den aktuellen Plakaten gezeigten Bilder sind an Aichers Piktogramme angelehnt.

Aber warum nur Bob und Skeleton? Die Erklärung dafür ist so simpel wie einleuchtend. »Jede Region hat zwei Piktogramme bekommen«, erläutert Mausser. Garmisch Skispringen und Slalomlauf, der Chiemgau Biathlon und Langlauf und Berchtesgaden eben Bob und Rodeln.

»Mehr Bilder hätten die Plakate überladen«, weiß der Experte. Deshalb habe man sich für die charakteristischen Sportarten der jeweiligen Region entschieden.

Warum dieses Geduze?

Aber dieses Geduze? Muss das sein? Schließlich dürfen am Bürgerentscheid nur Volljährige abstimmen. Will man da nicht gesiezt werden? Für Josef Mausser ist die Antwort klar: »Wir haben doch kein Geschäftsverhältnis mit den Bürgern. Es geht um das Miteinander.« Außerdem wolle man nicht von oben herab argumentieren. »Schließlich bilden wir alle ein Team. Und im Sport spricht man sich nicht mit Sie an«, betont der Marketingmann. »Also, ich werde lieber geduzt.« Christian Fischer