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Pläne für Neubau des Landratsamtes

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Auf dem Platz der jetzigen Container könnte nach Variante zwei ein Anbau entstehen, der die benötigen 50 Büros aufnehmen könnte. (Foto: Hudelist)

Bad Reichenhall – Das Landratsamt Berchtesgadenner Land in Bad Reichenhall platzt aus allen Nähten. Drei Büros wurden schon in Container ausgelagert und auch das Staatliche Schulamt wird in Kürze ausziehen müssen. Das Amt legte jetzt zahlreiche Alternativen vor, die vom Anmieten von Büroflächen bis zum kompletten Neubau auf einem Grundstück nordöstlich des jetzigen Standortes reichen. Der Kostenkorridor bewegt sich entsprechend zwischen 16 Millionen Euro und 29 Millionen Euro. Mitte Mai soll der Kreistag entscheiden.


Das Landratsamt aus dem Jahr 1978 ist in die Jahre gekommen. Es ist energetisch nicht auf dem neuesten Stand und die Mitarbeiter sind froh über den milden Winter, weil die Heizanlage nicht alle Räume erwärmt. Dazu kommen Dutzende neue Mitarbeiter in den nächsten Jahren, für die es keine freien Büros mehr gibt. Insgesamt hat das Amt für die nächsten Jahre einen Bedarf an zusätzlich 50 Büroräumen und neun Besprechungszimmern ermittelt. Eine kurzfristige Lösung ist, dass weitere Container aufgestellt werden oder aber Büroflächen im Stadtgebiet angemietet werden. Beides erscheint wenig attraktiv. Schon im April vergangenen Jahres erging daher der Auftrag, vier Alternativen zu untersuchen.

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»Bürowelt« Landratsamt

Die erste Strategie ist, dass das bestehende Haus saniert und dabei die Räume optimaler aufgeteilt, also verdichtet werden. Dies soll vor allem dadurch gelingen, dass kleinere Einzelbüros und Gruppenbüros entstehen. Gespräche mit den Bürgern sollen dann in eigenen Besprechungszimmern im Erdgeschoss stattfinden, der Architekt nennt diese Version »Bürowelt«. Die jetzige wirtshausähnliche Kantine soll in eine moderne Cafeteria umgewandelt werden und im Erdgeschoss auch Besuchern zur Verfügung stehen. Der 2003 erbaute Ostflügel bleibt, wie er ist. Die Kosten für diese Variante schätzt Architekt Christian Taufenbach auf knapp 20 Millionen Euro.

Die zweite Strategie geht von einem Anbau im Nordwesten aus, also dort, wo jetzt bereits sechs Container stehen. Die Büros im Altbestand bleiben, wie sie sind. Die gewünschten 45 bis 50 Büroräume finden in einem Anbau Platz. Diese Variante kostet inklusive Sanierung des Altbaus rund 21 Millionen Euro. Die dritte Möglichkeit scheint die komplizierteste Version zu sein, sie sieht einen Neubau auf dem Grundstück des bestehenden Amtes vor.

Jetziges Gebäude wird abgerissen

Das jetzige Gebäude würde vollständig abgerissen und mit dem neuen Bürowelt-Konzept wieder aufgebaut. Die Bauzeit würde eineinhalb Jahre betragen, die Kosten rund 26,5 Millionen Euro inklusive der Miete für ein noch zu findendes Ersatzquartier. Die ursprünglich vierte Version wäre das Aufstocken des 2003 gebauten Ostflügels gewesen. »Aber da müssten wir mindestens drei Geschosse drauf bauen, das wäre von der Statik her sehr problematisch«, erklärte Taufenbach. Daher scheidet diese Möglichkeit aus.

Im Verlauf der ersten Gespräche haben sich zwei weitere Varianten ergeben: Ein kompletter Neubau im Nordwesten, also in etwa auf dem Kiesparkplatz. Der Ostflügel würde wieder angebunden, die Kosten dafür lägen bei rund 25 Millionen Euro. Die letzte realistische Strategie ist ein völliger Neubau auf einem neuen Areal, und zwar weiter im Nordwesten auf einem Grundstück, das dem Orden der Englischen Fräulein gehört. »Da sind die Gespräche ganz am Anfang« verriet Landrat Georg Grabner. Geklärt werden müsse auch, ob der Orden das Areal verkaufen oder nur verpachten würde. Für diese Variante gibt es daher noch keine Kostenschätzung. Das Grundstück des jetzigen Amtes könnte allerdings verkauft und für Wohnbauten genutzt werden.

Architekt Christian Taufenbach aus Heidelberg lässt Sympathien für den Bestand erkennen: »Das Gebäude ist schön und gut gemacht. Es gibt durchaus gute Gründe, den Bestand zu überarbeiten.« Nach dem kleinen Kreisausschuss werden die derzeit fünf Varian-ten Ende Februar noch einmal allen Kreisräten vorgestellt.

Mitte Mai soll sich dann schon entscheiden, ob dem jetzigen Landratsamt die Abrissbirne droht oder es für die nächsten Jahrzehnte fit gemacht wird. Michael Hudelist