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Bischofswiesen - 40 Jahre lang gibt es die Bischofswieser Gemeindebücherei. Am Dienstag entschied der Gemeinderat über deren Zukunft. Da in der Vergangenheit die Besucherzahlen zu wünschen übrig ließen, wie Bürgermeister Toni Altkofer berichtete, stand die Bücherei sogar schon vor dem Aus. Eine Zusammenlegung mit Berchtesgaden? »Eine gute Alternative«, meinte so manches Gemeinderatsmitglied. Doch dann wartete Altkofer im Gemeinderat mit einem »Überraschungscoup« auf.


8 300 Euro kostet die Bücherei die Gemeinde pro Jahr. Schlappe fünf Stunden hat sie in der Woche geöffnet. Für potenzielle Besucher ist das wenig attraktiv. Viele Bischofswieser besuchen deshalb die Bücherei in Berchtesgaden, die ein deutlich größeres Medienangebot bereithält. »Unsere Zahlen sind schlecht«, konstatierte Toni Altkofer. Deshalb hatte er gemeinsam mit der Gemeindeverwaltung mehrere Szenarien ersonnen, die er dem Gemeinderat vortrug.

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Entweder die Bücherei mit der Schulbücherei zusammenlegen. »Das ist platztechnisch aber nicht möglich«, so Schuldirektor und Gemeinderat Hans Metzenleitner (SPD). Variante zwei: eine offizielle Zusammenlegung mit der Bücherei in Berchtesgaden. Gespräche über eine Kooperation habe es bereits gegeben, informierte er. Denn ein Drittel der Besucher in Berchtesgaden stammen aus Bischofswiesen. »Der Markt ist auch in Personalangelegenheiten gesprächsbereit«, freute sich der Gemeindechef.

Die dritte Möglichkeit: Die Bücherei schließen. Über 8 000 pro Jahr Euro würde sich die 7 500-Seelen-Gemeinde sparen, die pro Bücherei-Nutzer 50 Euro im Jahr ausgibt. »Aber dann hätten wir gar kein Angebot mehr - und das nach mehr als 40 Jahren«. Dieser Umstand hat Altkofer zum Überlegen gebracht.

Die Wohnung oberhalb der Kegelbahn, nur einen Steinwurf von der jetzigen Bücherei entfernt, ist noch frei. Per Gerichtsbeschluss dürfen die Räume nicht als Wohnung vermietet werden, sondern müssen gewerblich genutzt werden. Etwa für die Bücherei. Auf 60 Quadratmetern könnte dort das Medienangebot präsentiert werden. Denkbar ist auch eine Ausweitung. Maximal 5 000 Euro müsste die Gemeinde investieren.

»Wichtig ist auch, dass wir künftig mit einem großen Schild gezielt auf den Standort hinweisen«, so Altkofer. Damit möchte er das Interesse in der Bevölkerung wecken. Denn vielen Bischofswiesern sei die Existenz einer Gemeindebücherei überhaupt nur am Rande bekannt.

Als »Überraschungscoup« bezeichnete Gemeinderat Werner Vietze (SPD) Altkofers Vorschlag. »Eigentlich hätte ich die Zusammenlegung mit Berchtesgaden favorisiert«. Doch jetzt könne er sich auch den neuen Standort gut vorstellen. Voraussetzung sei aber, dass die Öffnungszeiten erweitert werden. Hans Metzenleitner plädierte dafür, »den Vorstoß zu wagen«. Denn immerhin habe die Gemeinde einen kulturellen Auftrag.

Auch die Freien Wähler unterstützten Altkofers Lösung. Paul Grafwallner (UBB) forderte die Verwaltung auf, die Gründe zu analysieren, warum die Bücherei bislang auf so wenig Resonanz in der Bevölkerung stieß. Außerdem schlug er vor, in Zusammenarbeit mit einer professionellen Firma ein zukunftsfähiges Konzept für die Bücherei ausarbeiten zu lassen. »Es wäre ein Armutszeugnis, wenn wir unsere Bücherei schließen müssten«, so Grafwallner. Karl-Heinz Repscher (Grüne) warnte davor, dass die Folgekosten für die Gemeinde zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht absehbar seien. Etwa dann, wenn es um eine computergestützte Verwaltung der Medien ginge, müsste Bischofswiesen investieren. »Die Augen davor dürfen wir nicht verschließen«. kp

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