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Foto: Pixabay/Symbolbild

Politik plädiert für Wolf-Abschüsse

Berchtesgadener Land – Steter Tropfen höhlt den Stein, spricht der Volksmund und hat damit wohl auch in der Causa »Wolf« Recht. Bürger, Verbände und Kommunalpolitik halten den Druck hoch, um auf Gesetzgeber-Ebene zu Lösungen für Probleme mit dem strikt geschützten Raubtier zu kommen. Auch die Initiative der 15 Landkreis-Bürgermeister zusammen mit Landrat Bernhard Kern trägt nun Früchte. Federführend hatte Marktschellenbergs Bürgermeister Michael Ernst für seine Amtskollegen eine Petition an den Umweltausschuss des Deutschen Bundestags entworfen (wir berichteten). Dort fand nun am Mittwoch eine Anhörung zu dem Thema statt. Ein Konsens war demnach: »Der Wolf ist keine bedrohte Art mehr.« 


Referatsleiter Alexander Kramer vom Deutschen Städte- und Gemeindebund informierte den Marktschellenberger Bürgermeister über die Ergebnisse der Anhörung: »Es bestand in den Reihen der Sachverständigen und auch der Fraktionen Einigkeit, dass Wölfe, die Weidetiere gerissen haben, schnell entnommen werden müssen und hierzu der Rechtsrahmen vereinfacht werden muss. Nur so könne eine Akzeptanz vor Ort gewährleistet werden. Es wurden auch von verschiedenen Stellen die besonderen Problemlagen in den Alpenregionen und an Deichen angesprochen. Zudem haben sich einzelne Sachverständige dahingehend geäußert, dass wohl davon auszugehen ist, dass schon jetzt ein günstiger Erhaltungszustand gegeben ist.«

Auch eine erste Reaktion aus dem Ausschuss gibt es bereits; für die CDU/CSU-Fraktion haben sich die beiden Bundestagsabgeordneten Dr. Anja Weisgerber und Klaus Mack in einer Pressemitteilung geäußert. Die umweltpolitische Sprecherin der Unionsfraktion hält fest: »Wölfe bedrohen mehr und mehr die Weidetiere. Im Jahr 2021 haben sie circa 4 000 Weidetiere gerissen. Hohe Zäune und Hütehunde allein reichen zum Schutz der Tiere bei Weitem nicht mehr aus. Wir können daher nicht tatenlos zusehen, wie die Wolfspopulation weiter zunimmt. Die Bundesregierung muss endlich im Jagd- und im Naturschutzrecht die Voraussetzungen für ein aktives Wolfsmanagement schaffen, wie es in anderen EU-Staaten praktiziert wird. Die Sachverständigen bestätigten, dass dies auch EU-rechtlich möglich ist, weil ein günstiger Erhaltungszustand erreicht ist.« Außerdem spricht sich Dr. Weisgerber explizit für »wolfsfreie Zonen«, insbesondere im Alpenraum aus. Und ihr Fraktionskollege Mack, zuständiger Berichterstatter im Ausschuss, betont: »Ziel muss sein, die Aufnahme des Wolfes ins Jagdrecht zu ermöglichen. Wir brauchen eine Balance zwischen Artenschutz des Wolfes und Schutz der Weidetiere.«

Auch der Deutsche Städte- und Gemeindebund hat sich zusammen mit dem Deutschen Landkreistag ebenfalls zur Sache geäußert und dem Marktschellenberger Bürgermeister eine dreiseitige Stellungnahme zu einem entsprechenden Antrag der Unionsfraktion (»Wolfsmanagement«) zukommen lassen. Unter anderem heißt es da: »Nach dem Erreichen eines günstigen Erhaltungszustandes halten wir eine regelhafte und rechtssichere Bewirtschaftung der Wolfsbestände für erforderlich, um eine Akzeptanz des Wolfes zu erreichen bzw. zu erhalten.« Dabei sollen – auch mit Verweis auf den Alpenraum – regionale Gegebenheiten berücksichtigt werden. Ebenso wird begrüßt, sich am Vorgehen der anderen europäischen Staaten zu orientieren.

Beide Verbände sprechen sich zudem dafür aus, die Zuständigkeiten bei der Rissbegutachtung so zu belassen, wie bisher und in der Verantwortung der Bundesländer zu halten. Darüber hinaus wird für eine Vereinfachung und Beschleunigung der Verwaltungsabläufe bei Entschädigungszahlungen plädiert. Und es wird angeregt, dass es eine möglichst wirklichkeitsgetreue Darstellung der Bestandsentwicklung für Wölfe geben muss, da es Zweifel an den aktuellen Zahlen gibt: »Dies könne auch darauf zurückgeführt werden, dass Bürgerinnen und Bürger teils kaum noch Begegnungen mit Wölfen melden, da dies bei der Weiterleitung an die Länder folgenlos blieb.«

Michael Ernst freut sich natürlich, dass so viel Bewegung in das Thema gekommen ist: »Die Petition des Landrats und der Bürgermeister des Berchtesgadener Landes findet Gehör. Das Thema ›Wolf‹ wird vom Bundesumweltausschuss ernst genommen, was ich sehr begrüße. Bei all dem Austausch auf den verschiedenen politischen Ebenen und mit den kommunalen Spitzenverbänden in den letzten Wochen wurde dies bereits deutlich. Ich möchte allen Akteuren danken, dass für dieses doch nicht ganz einfache Thema so viel Offenheit und Verständnis besteht und sie sich in unserem Sinne einsetzen.«

Der Marktschellenberger Bürgermeister will nicht locker lassen: »Nach der Änderung des Schutzstatus des Wolfes auf europäischer Ebene bleibt nun abzuwarten, welchen Weg der Deutsche Bundestag gehen wird. Ich bleibe an dem Thema natürlich dran.«

Thomas Jander