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Prestigeobjekt aus Untersberger Marmor

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Das Siegermodell ist endlich enthüllt. Bei den Beteiligten herrscht Einigkeit über ein Bauwerk, das fast komplett im Berg verschwindet. Gras soll schließlich auf dem Hügel wachsen. Bei der Präsentation waren mit dabei (v.l.): Berchtesgadens 2. Bürgermeister Bartl Mittner, IfZ-Direktor Prof. Dr. Andreas Wirsching, Hochbauamtsdirektorin Doris Lackerbauer, CSU-Landtagsabgeordnete Michaela Kaniber, Finanzstaatssekretär Johannes Hintersberger sowie Landrat Georg Grabner. Fotos: Anzeiger/Pfeiffer
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Landrat Georg Grabner zeigt Einzelheiten des Modells. Im Vordergrund erkennt man das aktuelle Ausstellungsgebäude. Die beiden Schlitze symbolisieren einen Teil des Gebäudes am Hang. Nicht sichtbar ist die große Rundgangsausstellung.

Berchtesgaden – Die Dokumentation Obersalzberg wird bis 2018 für 17 Millionen Euro erweitert: Am Donnerstag stellten die Preisrichter des europaweit angelegten Architektenwettbewerbs das Siegermodell der künftigen Einrichtung vor. Diese wird in den Hang gebaut. »Es war ein eindeutiges Ergebnis«, so Architekt und Vorsitzender des Preisgerichts, Josef Peter Meier-Scupin.


Die Dokumentation wird ein deutlich erweitertes Ausstellungsgebäude erhalten, das zu einem großen Teil nicht sichtbar sein wird. Die Dauerausstellung soll inhaltlich grundlegend überarbeitet werden. Für die Ausstellung bringt dies eine Vervierfachung der Fläche: Statt bisher rund 300 Quadratmeter sollen nach der Erweiterung 1 170 Quadratmeter für die Ausstellung zur Verfügung stehen. Daneben wird auch genügend Platz für ein Besucherzentrum sowie für Seminar- und Vertiefungsräume geschaffen. Das bisherige Ausstellungsgebäude soll in Zukunft als Verwaltungsgebäude dienen.

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Planungsfreigabe erteilt

Finanzstaatssekretär Johannes Hintersberger erteilte der Obersten Baubehörde die Planungsfreigabe für den Erweiterungsbau. Dieser war nötig geworden, da die erwarteten Besucherzahlen jedes Jahr deutlich überschritten worden waren. Ausgegangen war man bei der Eröffnung der Dokumentation Obersalzberg im Jahr 1999 davon, maximal 40 000 Interessierte pro Jahr zu begrüßen. Allein 2013 waren aber 166 000 Menschen gekommen. Im August dieses Jahres verbuchte die Dokumentation darüber hinaus mit 31 000 Gästen einen Monatsrekord.

»Brauchen mehr Platz«

»Daher brauchen wir auf dem Obersalzberg mehr Platz«, so Landrat Georg Grabner, der sich über die Entscheidung für das Siegermodell sichtlich freute. Die Dokumentation sei eine der wenigen Dauerausstellungen, die sich mit allen wesentlichen Themen der Geschichte der NS-Zeit beschäftige.

Finanzstaatssekretär Hintersberger: »Sie ist die einzige Stelle, die vertiefte, wissenschaftlich aufbereitete Informationen zum gesamten Obersalzberg und seiner näheren Umgebung während der NS-Zeit anbietet. Mit der Erweiterung wird nun der Raum für eine moderne Präsentation geschaffen.«

151 000 Euro Preisgeld

Die Entmystifizierung des Obersalzbergs als ehemaliger zweiter Regierungssitz Hitlers sei ein entscheidender Aspekt der thematischen Vorgaben für den Architektenwettbewerb gewesen, bei dem insgesamt 151 000 Euro ausgelobt wurden. Gerade vor diesem Hintergrund spiele die Verknüpfung der Ausstellung mit dem Berghofgelände eine wichtige Rolle. Teil des Wettbewerbs war das Berghofgelände aber nicht.

Johannes Hintersberger gab gemeinsam mit Landrat Grabner als Vorsitzendem der Berchtesgadener Landesstiftung, dem Vorsitzenden des Preisgerichts, Josef Peter Meier-Scupin, und Doris Lackerbauer vom Staatlichen Bauamt Traunstein die Entscheidung im Anschluss an die Sitzung des Preisgerichts bekannt. Die Preisrichter entschieden sich für das Modell der Architekturbüros Aicher Ziviltechniker aus dem österreichischen Dornbirn und Planstatt Senner aus Überlingen.

»Die Entscheidung fiel nicht leicht«, hob Hintersberger hervor. Dennoch sei diese einstimmig ausgefallen. »Wichtig war der größtmögliche Konsens. Ein unklarer Ausgang hätte nur Diskussionen nach sich gezogen«, so Meier-Scupin. 90 Wettbewerber hatten mit ihren Arbeiten teilgenommen. Am Ende waren zehn übrig geblieben, darunter ein Modell eines Traunsteiner Architekturbüros, das trotz öffentlicher Kritik wegen des »klobigen Baustils« und der »verwirrenden Wegführung« eine mit 10 000 Euro dotierte Anerkennung zugesprochen bekam. Zwei dritte Preise hatten die Preisrichter ausgelobt. Diese wurden mit jeweils 24 500 Euro belohnt. Die Architekturbüros des Siegermodells bekommen 44 000 Euro zugesprochen.

Das Modell des Wettbewerbssiegers verbinde das Einfügen in die Landschaft mit Funktionalität, Wirtschaftlichkeit, Nachhaltigkeit und energiesparendem Bauen, so der Preisgerichtsvorsitzende Meier-Scupin. Das Ergebnis sei eine Mischung aus »Landschaftsarchitektur und feiner Architektursprache«. Vornehmlich Untersberger Marmor soll für den Prestigebau verwendet werden.

14,6 Millionen Euro gibt der Freistaat für den Erweiterungsbau aus, weitere 2,4 Millionen Euro wird die geplante Ausstellung kosten, die als Rundgang in den Hang gegenüber der aktuellen Ausstellung hineingebaut werden soll. »Wir werden mit Sicherheit sprengen müssen, um Raum zu schaffen«, sagte Lackerbauer.

Auch CSU-Landtagsabgeordnete Michaela Kaniber freute sich über das Ergebnis. Berchtesgadens 2. Bürgermeister Bartl Mittner (SPD) hatte einen weiteren potenziellen Siegerkandidaten auf dem Schirm. »Mit der Wahl bin ich aber dennoch sehr zufrieden«, sagte Mittner dem »Berchtesgadener Anzeiger«.

Auch der Direktor des Instituts für Zeitgeschichte (IfZ), Prof. Andreas Wirsching, konnte sich über die Lösung nicht beklagen: »Der Entwurf verzichtet auf den Versuch, falsche Authentizität zu erwecken.« Für das Institut sei dies eine große Chance. Das präsentierte Objekt sei eine zukunftsweisende, »nachhaltige Lösung«. Diese erfordere »deutlich mehr Personal«. Auf konkrete Zahlen wollte er sich nicht einlassen. Mitte 2016 soll es spätestens mit dem Bau losgehen. »Es kommt viel Arbeit auf uns und alle Beteiligten zu«, so Lackerbauer.

Träger der Dokumentationsstelle ist seit Kurzem die Berchtesgadener Landesstiftung. Den Betrieb hat der Zweckverband Tourismusregion Berchtesgaden-Königssee übernommen. Die wissenschaftliche sowie museumsfachliche und museumspädagogische Betreuung liegt weiterhin beim Institut für Zeitgeschichte München-Berlin, das in der neuen Ausstellung weitere Aufgaben zugewiesen bekommen soll. Kilian Pfeiffer

Die zehn besten Architekturmodelle für die neue Dokumentation am Obersalzberg finden sich auf Seite 8.