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Prof. Peter Sefrin bildet derzeit 90 angehende Notärzte im Kongresshaus aus

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Prof. Peter Sefrin demonstriert die »Wiederbelebung« einer Puppe. Neben der Theorie kommt bei der Ausbildung zum Notarzt auch praktischen Übungen hohe Bedeutung zu. (Foto: Wechslinger)

Berchtesgaden – Im Rahmen der Ausbildung und Qualifikation zum Notarzt der bayerischen Landesärztekammer findet derzeit ein einwöchiger Lehrgang für 90 angehende Notärzte, darunter mehr als die Hälfte Ärztinnen, statt. Von der schönen Landschaft haben die Teilnehmer allerdings nichts, weil sie vom Morgen bis zum Abend in der Ausbildung stecken. Gleichwohl kündigten bereits einige an, im Sommer in Berchtesgaden ihren Urlaub verbringen zu wollen. Chef-Ausbilder der Notärzte ist erneut Prof. Peter Sefrin aus Würzburg.


Prof. Sefrin ist auch Autor von medizinischen Fachbüchern und prägte viele Bereiche der deutschen Notfall- und Katastrophenmedizin. Er gab maßgebliche Anstöße in der Entwicklung des Rettungswesens und gilt als Papst der Notfallmedizin, auch wenn er diese Bezeichnung nicht gerne hört. Noch heute fährt Professor Sefrin im Raum Würzburg mit einem eigenen Notarzteinsatzfahrzeug (NEF) Einsätze.

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Derzeit leitet er als Dozent für Notfallmedizin die Ausbildungsmaßnahme in Berchtesgaden, bei der gut 30 ausgesuchte Referenten, wozu auch Berchtesgadener und Bad Reichenhaller gehören, die angehenden Notärzte in Theorie und Praxis ausbilden.

In Bayern gibt es ein flächendeckendes Versorgungssystem für medizinische Notfälle. Dies beinhaltet zum einen die Versorgung durch das Rettungspersonal und auf der anderen Seite durch den Notarzt, der in Bayern im sogenannten »Rendezvous-System« mit dem eigenen Einsatzfahrzeug zum Notfallort anfährt. Genauso wie das Rettungspersonal einer besonderen Ausbildung bedarf, gilt dies für einen Notarzt mit einem verständlicherweise höheren Anspruch.

Die an der Notarztausbildung in Berchtesgaden teilnehmenden Ärzte waren bisher mindestens zwei Jahre in einem klinischen Bereich tätig. In ihrer klinischen Tätigkeit müssen die angehenden Notärzte unter anderen auf einer Intensivstation und in der Anästhesie gearbeitet haben. Nach der Ausbildungsmaßnahme in Berchtesgaden unterstützen sie 50-mal einen Notarzt im Einsatz. Erst danach legen sie vor der Ärztekammer eine Prüfung ab, die sie zum Notarzt bestellt.

Das Spektrum der Ausbildung zum Notarzt reicht von der Geburt bis zum Tod. Alle Fachgebiete der Medizin – von der Gynäkologie bis zur Palliativmedizin – werden in der Notarztausbildung behandelt. Alle Notfälle dazwischen, zum Beispiel kardiologische, neurologische oder traumatologische Vorfälle werden geschult.

Für die praktischen Übungen stehen Simulatoren und Puppen zur Verfügung. Mit ihnen können unter anderem Reanimationsübungen durchgeführt werden. Die Puppe reagiert dabei so, wie ein Mensch auf die Behandlung ansprechen würde. Dadurch werden für die Probanden Erfolgserlebnisse geschaffen, die für die weitere Arbeit der angehenden Notärzte wichtig sind.

Am Samstag ab 10.30 Uhr findet wie in jedem Jahr eine authentische Rettungsübung mit einem angenommenen schweren Verkehrsunfall im Zusammenspiel mit der Freiwilligen Feuerwehr Berchtesgaden statt, die sich jedes Mal in die theoretische und praktische Ausbildung einbringt. Ein kleiner Teil der künftigen Notfallmediziner aus Bergregionen hat bereits an einer Gebirgsübung mit der Bergwacht teilgenommen und das Zusammenspiel bei einer Bergrettung kennengelernt.

Mit den Umbaumaßnahmen des Kongresshauses zeigt sich Prof. Sefrin höchst zufrieden. Alles sei heller geworden und für die verschiedenen Gruppenübungen sei jetzt weit mehr Platz vorhanden.

Der Notfallspezialist betonte seine Zufriedenheit mit dem Standort Berchtesgaden im Allgemeinen, schränkte jedoch ein, dass die Teilnehmerzahl seit Jahren zurückgehe. So seien es früher bis zu 180 Teilnehmer und derzeit eben nur noch 90, weil es immer weniger Mediziner gebe. »Sollte sich diese Entwicklung fortsetzen, kann es in Bayern Probleme mit der Besetzung von Notärzten geben«, so der Experte. Christian Wechslinger