weather-image
22°

»Projektvernichter« und »Besserwisser«

4.6
4.6
Bildtext einblenden
Nach dem Aus für die Königsseer Hotelprojekte ließ Bürgermeister Stefan Kurz im Gemeinderat seinem Ärger freien Lauf. Foto: Anzeiger-Archiv/Pfeiffer

Schönau am Königssee – Mit einem Rundumschlag gegen die Kritiker der Königsseer Hotelbaupläne legte Bürgermeister Stefan Kurz am Dienstag das Projekt, für das er zehn Jahre gekämpft hatte, ad acta. Von »Projektvernichtern« und »Besserwissern« war da die Rede – und von Gemeinderat Richard Lenz forderte der Rathauschef sogar eine Entschuldigung. Kurz selbst musste sich von Beppo Maltan als Sprecher der Freien Wähler den Vorwurf machen lassen, dass er schon bei den ersten Verhandlungen mit den Grundstückseigentümern am See schwerwiegende Fehler gemacht habe.


»Die Hotelbauprojekte sind systematisch kaputt gemacht und zerredet worden«, kritisierte Bürgermeister Kurz. Verantwortlich dafür seien Personen, »die glauben, alles besser zu wissen, die sich selbst als Städteplaner aufspielen und die aufgehetzt wurden, um sich gegen die Projekte öffentlich zu äußern«. Namentlich kritisierte der Bürgermeister Architekt Georg Renoth, Martin Wölzmüller vom Landesverein für Heimatkunde, Dr. Thomas Goppel vom Landesdenkmalrat, Rita Poser vom Bund Naturschutz, Roman Niederberger von der SPD und Dr. Bartl Wimmer von den Grünen. Viele von ihnen hätten Kritik am Vorhaben geäußert, ohne die Pläne überhaupt einzusehen, sagte Kurz. Letztendlich seien »erfahrene Projektvernichter« aktiv geworden, die eine Bürgerinitiative gegründet haben.

Anzeige

Stefan Kurz wies den Vorwurf zurück, die Gemeinde habe den Projektanten die Planungsausführung überlassen. »Ein vorhabenbezogener Bebauungsplan wird zusammen vom Projektentwickler und der Gemeinde entwickelt«, sagte Kurz. Wenn die Gemeinde ohne Einbeziehung des Projektentwicklers einen Bebauungsplan aufstellen würde, »hätten wir einen Plan, der niemals realisiert würde, weil es keine Rentabilität gäbe«. Und es sei nachgewiesen und von Experten bestätigt, dass 140 Zimmer das Minimum für einen rentablen Hotelbetrieb sind. »Kleiner geht es nicht«, sagte Kurz und zeigte sich deshalb auch überzeugt, »dass da hinten kein Hotel mehr entstehen wird«.

Auch den Vorwurf, es fehle am Königssee am Gesamtkonzept, wies Bürgermeister Stefan Kurz zurück. Zehn Jahre lang habe er Gespräche geführt. »Doch ein Gesamtkonzept war wegen fehlender Bereitschaft dortiger Grundstückseigentümer nicht möglich.« Immerhin habe man ein Gesamtprojekt mit Parkhotel und Hotel Königssee Betrieben erreicht.

Sehr gestört hätten ihn die rufschädigenden Äußerungen gegenüber den Projektträgern, sagte Stefan Kurz. »Da nimmt eine Schweizer Firma 500 000 Euro in die Hand, um am Königssee etwas zu gestalten – und dann wird sie so niedergemacht.« Die Kritik des Rathauschefs richtete sich hier vor allem gegen Richard Lenz von den Freien Wählern. Der hatte bei ebay im Internet zum Verkauf ausgeschriebene Wohnungen entdeckt, die er eindeutig dem Königssee zuordnete. Als die Verkaufsangebote nach Recherchen von Richard Lenz plötzlich aus dem Netz genommen waren, kommentierte dies der Königsseer in einem »Anzeiger«-Artikel mit den Worten »Komisch, oder?«. Bürgermeister Stefan Kurz bezog diese Anmerkung auf sich und die Gemeindeverwaltung. Die Bewertung des Bürgermeisters: »Eine Frechheit.« Kurz verlangte von Richard Lenz eine öffentliche Entschuldigung.

Der Bürgermeister erklärte weiter, dass die Einstellung der Hotelbaupläne für die Gemeinde und die Tourismusregion auch finanzielle Folgen habe. So könne der Verkauf des alten Bahnhofsgebäudes nicht im Haushalt eingeplant werden, das Gebäude müsse in absehbarer Zeit saniert werden. Die Hotelbauprojekte hätten außerdem dazu geführt, dass die Region jährlich etwa 200 000 bis 300 000 Euro Einnahmen durch Kurbeiträge und Fremdenverkehrsbeiträge erzielt hätte. Des Bürgermeisters Fazit: »Hier wurde eine riesige Chance vertan, den Tourismus in unserer Region voranzubringen.«

Beppo Maltan von den Freien Wählern warf dem Bürgermeister vor, schon bei den ersten Verhandlungen mit den Grundstückseigentümern am See schwerwiegende Fehler gemacht zu haben. »Die Leute wurden oft vor den Kopf gestoßen, die Familie Massury hat man außen vor gelassen und aus dem Bebauungsplan ausgeschlossen.« Auch habe es nicht von Anfang an einen gemeinsamen Plan für die beiden Projekte gegeben. Erst sei das Parkhotel geplant worden, dann sei in letzter Minute der »Größwang-Riegel« dazu gekommen. »Der hat dann am meisten kaputt gemacht«, sagte Beppo Maltan. Nach seiner Meinung hätte man die Bevölkerung hier viel mehr einbeziehen müssen. Beppo Maltan und Stefan Kurz warfen sich schließlich gegenseitig vor, im Vorfeld der anstehenden Kommunalwahlen bereits Wahlkampf zu betreiben.

Mehr Transparenz in dieser Sache hätte sich auch Richard Lenz gewünscht. Er verwies darauf, dass bei den entscheidenden Gemeinderatssitzungen »entweder Städteplanerin Claudia Schreiber oder die geforderten Unterlagen nicht vorhanden waren«. Als Claudia Schreiber Argumente gegen die bestehenden Hotelplanungen vorbrachte, die Stefan Kurz nicht habe hören wollen, »wurde Frau Schreiber auf Abstand gehalten«.

Heftig wehrte sich Richard Lenz gegen die Vorwürfe, er habe die Gemeindeverwaltung in irgendeiner Form beschuldigt. Er habe niemanden persönlich angegriffen, aber es sei Tatsache, dass die Wohnungen am Königssee per ebay zum Verkauf angeboten wurden. Ulli Kastner