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Prosit, Ajit

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Heiße Getränke und warme Worte: Am Glühweinstand von Ajit Laxman Dhakal gab es immer eine Gaudi. (Foto: Fischer)

Berchtesgaden – Gepflegte Getränke und gute Gespräche: Der gebürtige Nepalese Ajit Laxman Dhakal hat heuer zum ersten Mal auf dem Berchtesgadener Advent Glühwein verkauft. Und dabei viel erlebt, viele Menschen kennengelernt. »Die meisten haben mich gut behandelt«, lacht Ajit. »Es hat mir Spaß gemacht.«


Seit knapp zwei Jahren lebt Ajit Laxman Dhakal im Berchtesgadener Talkessel, wo er eine Reiseagentur betreibt. »Ich war auf der Suche nach einer zusätzlichen Tätigkeit«, sagt Ajit. Über seine Frau Claudia Schülein, die Gästedienstleiterin bei der TRBK ist, hat er Brigitte Zobel, die Geschäftsführerin der Berchtesgadener Advent GmbH kennengelernt. Und schon hatte er einen Job. »Das war genau das Richtige für mich. Ich komme gut mit Menschen klar.« Am 26. November ging es los. Viel Arbeit, viel zu tun.

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Wenn Zeit dafür war, hat sich Ajit gerne mit seinen Kunden aus nah und fern unterhalten. Kein Problem, denn der Nepalese spricht fließend Deutsch, Englisch und zwei indische Sprachen. Außerdem noch ein wenig Kisuaheli und Japanisch sowie ein paar Brocken Chinesisch. »Ich hatte ein paar Gäste aus China. Die haben sich natürlich gefreut, als ich ihnen ihren Glühwein auf Chinesisch serviert habe«, sagt Ajit mit seiner warmen Brummbass-Stimme. Nicht nur mit den vielen Urlaubern aus dem Ausland sei er stets gut klar gekommen, auch Einheimische hätten ihren Glühwein gerne an seinem Stand getrunken.

Aus der Ruhe bringt Ajit nichts. Auch in skurrilen Situation bleibt er cool. Zum Beispiel bei der Österreicherin im sündhaft teuren Pelzmantel. Sie wollte den einen Euro für das Glühweinhaferl, das man dafür mit nach Hause nehmen kann, nicht bezahlen. »Ich habe es ihr einfach lang genug erklärt, bis sie es verstanden hat«, sagt Ajit. Und wenn sich gelegentlich ein Gast darüber beschwert hat, dass er das Haferl mitnehmen »muss«, hat Ajit nur gesagt: »Sie müssen nicht, Sie können. Es gehört Ihnen, Sie können damit machen, was Sie wollen.«

Wegen seines nicht gerade alpenländischen Aussehens haben ihn Gäste immer wieder gefragt, ob er ein Flüchtling ist. »Und manche Kinder wollten von mir wissen, ob meine Eltern im Krieg gestorben sind«, erzählt der Nepalese.

Ajits Arbeitstage waren lang und anstrengend. 10.51 Uhr Abfahrt mit dem Bus, 11.07 Uhr Ankunft am Stand. »Dann habe ich zunächst alles hergerichtet«, sagt Ajit. Um 12 Uhr ging es dann jeweils los. Richtig was los war aber erst ab 14 oder 15 Uhr. Bis 20 Uhr waren die Stände geöffnet. »Nein, so stressig war es nicht«, betont Ajit. »Ich war motiviert. Ich habe gemerkt, dass ich belastbar bin.«

Viele Gäste wussten Ajits Freundlichkeit zu schätzen und haben ihm dafür ein Trinkgeld gegeben. »Es waren jeden Tag über 20 Euro«, sagt Ajit stolz. Und fügt energisch hinzu: »Aber Lob ist mir viel wichtiger als Trinkgeld.« Und davon gab es reichlich. Nicht nur für Ajits Service, sondern auch für die Qualität der Getränke und die fairen Preise. »Gerade mal zwei Kunden haben sich darüber beschwert, dass ihnen der Glühwein nicht schmeckt«, erinnert sich Ajit. Am beliebtesten waren an seinem Stand übrigens – vor allem bei Einheimischen – der Orangenpunsch und der Waldbeerenpunsch. »Schnapserl habe ich nicht so viele verkauft.«

Glückliche Gäste, glücklicher Ajit. So hat er es sich vorgestellt, so ist es gekommen. Deshalb will er nächstes Jahr wieder in seinem Glühweinstand stehen. Christian Fischer