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Protest, Pöbeleien und böse Briefe

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Zoff gab es erneut in der Marktschellenberger Gemeinderatssitzung im Rathaus. Foto: Archiv/Irlinger

Marktschellenberg – Die Zuschauer mögen es zunächst für einen geschmacklosen Faschingsscherz gehalten haben, was sich da in der jüngsten Sitzung des Marktschellenberger Gemeinderates am Rosenmontag abgespielt hat. Denn erneut gab es beim Tagesordnungspunkt »Wünsche und Anträge« mächtig Zoff. Der Tiefpunkt war erreicht, als Peter Hüttinger (FWG) plötzlich aufsprang und schrie »Ich muss jetzt bieseln. Ich kann mir das nicht mehr anhören.«


Dabei fing alles relativ harmlos und sachlich an. Thomas Jander (SPD) verlas Passagen aus einem Brief, der ihn in seiner Funktion als Gemeinderat erreicht hatte. In diesem Brief, der dem »Anzeiger« in Auszügen vorliegt, kritisiert der Verfasser Peter Hüttinger dafür, dass Hüttinger den Brief, den er an den Privatmann Hüttinger geschrieben hatte, in der Sondersitzung vor zwei Wochen unrechtmäßig zitiert habe. Zu diesem Verlesen der Textpassagen schreibt der Autor, Hüttinger habe Satzteile aus dem Zusammenhang gerissen, diese umgestellt und somit sinnentstellt sowie die persönliche Meinung eines Bürgers zu »propagandistischen Zwecken« missbraucht. Außerdem habe Hüttinger dem Briefschreiber auf den Anrufbeantworter gesprochen. Dabei soll Hüttinger einen Verwaltungsmitarbeiter beschuldigt haben, bewusst falsche Informationen zu verbreiten.

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Wie Thomas Jander anfangs betont hatte, habe man sich darauf geeinigt, keine Diskussion zu diesem Brief zu gestatten. Was allerdings Peter Hüttinger nicht kümmerte. Sofort polterte er los. »Ich habe beim Verlesen des Briefes keine Namen genannt«, betonte er. Und weiter: »Vielleicht tue ich den Brief als Annonce in die Zeitung.« Er werde den Betroffenen dazu auffordern, ihm das Band des Anrufbeantworters vorzuspielen. »Das werde ich so nicht auf mir sitzen lassen«, stellte er klar. Dann war erst mal ein paar Sekunden lang Ruhe.

»Das habe ich so nicht gesagt«

Bis sich Dr. Michael Köhler (CSU) zu Wort meldete. Er wandte sich an Bürgermeister Franz Halmich (FWG). Köhler brachte seinen Unmut darüber zum Ausdruck, dass der Gemeinderat nie offiziell über die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen Halmich informiert worden sei. »Erst mit der Begründung, es handle sich um ein laufendes Verfahren. Dann, weil das Verfahren abgeschlossen sei«, so Dr. Köhler. Doch im Kandidatenporträt im »Berchtesgadener Anzeiger« werde Halmich mit den Worten »Viele haben Fehler gemacht« zitiert. »Wer sind denn die Vielen?«, wollte Michael Köhler wissen. Franz Halmich leugnete daraufhin, diese Aussage getroffen zu haben: »Das habe ich so nicht gesagt«.

Wieder kurze Pause. Dann wies Sophia Stanggaßinger (CSU) darauf hin, dass mehrere Wahlplakate des CSU-Bürgermeisterkandidaten Dr. Michael Köhler zerstört beziehungsweise verunstaltet worden seien. Sie appellierte an den Anstand der Täter und forderte sie auf, dies künftig zu unterlassen.

Anschließend war wieder Peter Hüttinger am Zug. Erneut verlas er einen Brief. »Ein Freund« habe ihn ihm zugespielt. Dabei handelte es sich um ein internes Schreiben von Dr. Köhler an die Marktschellenberger CSU-Mitglieder. Darin resümiert der Bürgermeisterkandidat die Erfolge seiner Partei in der ablaufenden Wahlperiode. Zum Beispiel die Erweiterung der Kirchgasse. Für Hüttinger sei dies jedoch unverschämt. Schließlich hätten doch FWG/LWG die Projekte zum Erfolg geführt. »Es ist schwer zu glauben, dass ein so vernünftiger Mensch wie Dr. Köhler einen solchen Brief unterschrieben hat«, insistierte Hüttinger.

»Ich muss jetzt bieseln«

»Der Brief ist im Wesentlichen korrekt«, sagte Dr. Köhler sachlich. Ruhig und emotionslos versuchte er, die einzelnen Inhalte zu erläutern. Doch nach den ersten Sätzen sprang Hüttinger auf und schrie: »Ich muss jetzt bieseln. Ich kann mir das nicht mehr anhören.« Und verlies tatsächlich kurz den Raum.

Bürgermeister Halmich brach in seiner Funktion als Sitzungsleiter diese Wahlkampfposse nicht ab. Christian Fischer