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Beste Bäckereifachverkäuferin ist Alexandra Grassl. Sie hat mit der Note 1 abgeschlossen. (Fotos: Maria Horn)

Prüfungsbeste in Bäckerei Niedermayer in Ramsau ausgebildet

Berchtesgadener Land – Mehr als 300 verschiedene Brotsorten gibt es in Deutschland. Die Bundesrepublik ist Spitzenreiter, individuelle Beratung und besten Service erfahren die Kunden in den Fachgeschäften. Rund ums Bäckerhandwerk gibt es interessante Berufe für junge Menschen. Bei der Bäckerinnung Berchtesgadener Land-Traunstein wurden in den letzten Wochen die Prüfungen zur Bäckerin/zum Bäcker und zur Fachverkäuferin/zum Fachverkäufer durchgeführt. Heuer ließen sich erstmals zwei Männer zum Bäckereifachverkäufer ausbilden. Nach langen Jahren der Ausbildung fand kürzlich endlich die festliche Freisprechung beim »Altwirt« in Piding statt. Kreishandwerksmeister Gerhard Kotter sprach die Gesellinnen und Gesellen von den Verpflichtungen als Lehrling frei. 


Viele Gratulanten

Die jungen Gesellinnen und Gesellen wurden von Familienangehörigen und Lehrmeistern begleitet und Obermeister Stefan Neumeier freute sich in seiner Begrüßung, dass auch mehrer Ehrengäste gekommen waren. Kreishandwerksmeister Gerhard Kotter, die Schulleiterin aus Trostberg, Corina Sperr-Baumgärtner, Hubert Gstettner und Simon Geierstanger von der Berufsschule Traunstein, Fachlehrerin Walburga Stadler, Prüfungsausschussvorsitzender Klaus Schneider, Leiterin der Geschäftsstelle der Kreishandwerkerschaft Manuela Deneri und Innungsgeschäftsführerin Irmengard Rossingoll feierten unter anderem mit den jungen Leuten.

Dann hatte Stefan Neumeier das Wort. Er ging kurz auf die einzelnen Berufsbilder ein. »Von einer Fachverkäuferin wird Empathie verlangt. Freundlichkeit, Beratung und auf persönliche Bedürfnisse eingehen, das erwarten und erhalten die Kunden in unseren Betrieben. Ich bin überzeugt, dass Sie das unseren Kunden bieten können«, wandte sich der Obermeister an die jungen Fachverkäuferinnen und Verkäufer.

»Sinnlicher Handwerksberuf«

Stefan Neumeier kam auf das Berufsbild des Bäckers zu sprechen, das sich im Moment wandle. »Von den Bäckern wird in der modernen Produktion mehr technisches Verständnis verlangt als von der vorhergehenden Generation.« Es gebe nun Rezeptcomputer, computergesteuerte Öfen oder Sauerteiganlagen. »Trotzdem ist der Beruf noch immer ein Handwerksberuf und noch dazu ein sehr sinnlicher«, sagte Stefan Neumeier. Es würden alle Sinne gefordert: der Geruchssinn, der Tastsinn, die Augen, das Gehör und der Geschmackssinn. »Gerade das macht unseren Berufs so abwechslungsreich, zusammen mit den vielen Spezialitäten im Jahreswechsel und ständig neuen Rezeptentwicklungen«, so der Obermeister. Den Gesellinnen und Gesellen übermittelte er die besten Wünsche für die Zukunft.

Gerhard Kotter dankte den jungen Leuten für ihr Durchhaltevermögen, lobte ihren Fleiß und sprach auch allen Beteiligten und Unterstützern seinen Dank aus. Kurz reflektierte er den Wandel der Freisprechung und zitiere aus einem Lehrvertrag von 1913. »… Der Lehrling ist der väterlichen Zucht des Lehrherrn unterworfen… Vereinen irgendwelcher Art darf der Lehrling ohne die Zustimmung des Lehrherrn nicht beitreten«, um dann kurz das Zeremoniell aus früheren Zeiten anzusprechen: »Bei den Freisprechungsfeiern wurden die jungen Gesellen früher entweder gehobelt, gegautscht oder eingeweicht. Heute wird keiner mehr gezüchtigt. Dafür werden Reden gehalten.« Dann erhoben sich die Absolventen und der Kreishandwerksmeister sprach sie von den Verpflichtungen als Lehrling frei.

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Bester Bäckergeselle ist Saidnazir Mahmudi, beide sind in der Bäckerei Niedermayer in Ramsau ausgebildet worden.

Corina Speer-Baumgärtner zeigte in ihrem Grußwort auf, dass die deutsche Brotkultur seit 2014 als immaterielles Kulturerbe der »UNESCO« gilt. »Die Brotvielfalt in Deutschland ist einzigartig«, unterstrich sie und fügte an: »In einer Bäckerei fühlt man sich wohl.« Dann kam sie auf die Vielseitigkeit der Berufe zu sprechen: »Fachverkäuferinnen und -verkäufer sind freundlich, finden stets die richtigen Worte, sie belegen Brote, richten Snacks und arbeiten im Team«. Die besten Wünsche für die Gesellinnen und Gesellinnen schlossen sich an. »Nun haben Sie alle ihre drei Jahre Ausbildung geschafft. Es war ein intensiver Weg in Betrieb und Schule, Zeiten die herausfordernd gewesen sind. Sie haben die Anstrengungen gemeistert und sind in Ihrer Persönlichkeit gereift«, sagte die Schulleiterin. Zugleich nutzte sie den Rahmen der Freisprechungsfeier, um allen Beteiligten zu danken, dass die jungen Leute erfolgreich zum Ziel geführt werden konnten. Ganz besonders unterstrich sie die gute Zusammenarbeit der beiden Berufsschulen in Traunstein und Traunreut. Der Prüfungsausschussvorsitzende Klaus Schneider reflektierte kurz die Prüfungsergebnisse. Zur Abschlussprüfung zur Fachverkäuferin hatten sich sieben Teilnehmer angemeldet, erstmals auch zwei junge Männer. Prüfungsbeste war Alexandra Grassl, mit der Note 1 (95 von 100 Punkten) in der Theorie. Bei den Bäckern waren 10 Lehrlinge zur Prüfung gemeldet, neun schafften den Abschluss. Mit der Note 2 war Saidnazir Mahmudi der Jahrgangsbeste. Beide Prüfungsbeste wurden in der Bäckerei Niedermayer in Ramsau ausgebildet. Nachdem es Corona-bedingt im vergangenen Jahr nicht möglich war, die Freisprechungsfeier abzuhalten, wurde die Ehrung der Prüfungsbesten des Jahres 2021 nachgeholt. Beste Fachverkäuferin war Veronika Huber (Ausbildungsbetrieb: Christine Falterer/Trostberg), bester Bäcker war Hannes Wagner (Ausbildungsbetrieb: Helmut Stummhofer, Chieming).

Jungmeister geehrt

»Heute möchte ich den würdigen Rahmen der Freisprechungsfeier zum Anlass nehmen, um unseren Jungmeisterinnen und -meistern zu ihrer außerordentlichen Leistung zu gratulieren. Ihr habt euch in eurem Beruf mit viel Fleiß und Leistung den Meistertitel erarbeitet. Dazu meinen herzlichen Glückwunsch«, wandte sich Obermeister Stefan Neumeier dann an die frisch gebackenen Handwerksmeister. Christina Kotter aus Traunstein ist nun »Geprüfte Verkaufsleiterin im Lebensmittelhandwerk«, die Meisterprüfung im Konditorenhandwerk hat Lena Neumeier absolviert. Für die bestandene Meisterprüfung im Bäckerhandwerk wurden Magdalena Wenig, die bereits Konditor-Meisterin ist, Michael Hagner aus Teisendorf, Michael Kotter aus Traunstein und Daniel Enghuber aus Ruhpolding geehrt.

Maria Horn