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Quadratischer Neubau mit zweigeteiltem Dach ist der Favorit

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So könnte das neue Bischofswieser Bürgerzentrum aussehen. Das quadratische Gebäude mit den beiden versetzten Satteldächern gewann beim Architektenwettbewerb den 1. Preis in der Variante »Abbruch des alten Rathauses«. (Fotos: Kastner)
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Vom Dorfplatz aus macht sich das Siegermodell in der Variante B (mit Rathauserhalt) gut. Bürgermeister Thomas Weber weiß aber, dass das neue Gebäude die Sicht auf das alte Rathaus von der Westseite her stark einschränkt.
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Um Neutralität bemüht: Bürgermeister Thomas Weber (l.) und Stadtplaner Josef Mittertrainer stellten am Mittwoch die Preisträger-Modelle sowie ihre Vor- und Nachteile im Rahmen eines Pressegesprächs vor.

Bischofswiesen – Die Karten für einen Erhalt des alten Bischofswieser Rathauses stehen schlecht. Zwar bemühte sich Bürgermeister Thomas Weber am Mittwochabend bei der Präsentation der Ergebnisse des Architektenwettbewerbs für das neue Bürgerzentrum um Neutralität. Doch der Rathauschef machte auch klar: »Das Festhalten am alten Rathaus würde sehr viele Kompromisse verlangen«. So haben die drei preisgekrönten Varianten, die einen Abbruch des optisch so ansprechenden Gebäudes vorsehen, wohl die besten Chancen im Gemeinderat. Allen voran der Entwurf von Neumann & Heinsdorff Architekten aus München mit ver.de Landschaftsarchitektur aus Freising. Die schlagen einen großen quadratischen Neubau mit zweigeteiltem Satteldach vor.


Seit Freitag letzter Woche konnten die heimischen Sportvereine die alte Bischofswieser Turnhalle nicht mehr nutzen, weil der Aufbau für die zweitägige Tagung des Preisgerichts begann. Aus 115 eingereichten Bewerbungen, die aus ganz Europa kamen, hatte man sich in einer Vorauswahl bereits für 20 Büros entschieden. Fünf Architekten reichten keine weiteren Vorschläge ein, sodass 15 Modelle in die engere Auswahl kamen. Daraus wählte das neunköpfige Preisgericht, bestehend aus dem Vorsitzenden Professor Hans-Peter Ritzer, Bürgermeister Thomas Weber, Vertretern der Gemeinderatsfraktionen und der Gemeindeverwaltung sowie Architekten, Stadtplanern und Landschaftsarchitekten, in zweitägiger Arbeit am Montag und Dienstag insgesamt sechs Preisträger aus – jeweils drei der Variante A (Rathausabbruch) und der Variante B (Rathauserhalt). Das ausgelobte Preisgeld betrug rund 100 000 Euro, aufgeteilt in je 24 000 Euro für die beiden 1. Preise, je 14 500 Euro für die beiden 2. Preise und je 10 000 Euro für die beiden 3. Preise.

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Nachbesserungsbedarf

»Es war eine große Herausforderung für uns und eine schwierige Entscheidung«, sagte Bürgermeister Thomas Weber und machte gleich einmal klar, dass ein komplett mängelfreies Modell nicht dabei gewesen sei. »Bei allen gibt es Nachbesserungsbedarf«. Josef Mittertrainer vom Münchner Planungsbüro bgsm, das die Gemeinde beim Architektenwettbewerb unterstützt, erklärte den Grund für so manchen Mangel: »Die Architekten haben sich ja zunächst auf eigenes Risiko beworben. Es ist deshalb nicht alles bis ins Letzte geplant und nicht perfekt.«

So ist es auch bei dem Vorschlag von Neumann & Heinsdorff Architekten (München) mit ver.de Landschaftsarchitektur (Freising), der den 1. Preis in der Variante A (kompletter Neubau) erhielt. Obwohl das Modell nach längerer Diskussion den meisten sehr gut gefallen hatte, war die nackte Betonfassade kritisiert worden. Hier will man Nachbesserungen fordern, ist aber ansonsten mit der Planung sehr zufrieden. Der kompakte quadratische Baukörper soll an die Stelle des alten Rathauses kommen, ist allerdings wesentlich größer. »Innen ist das Gebäude klar organisiert«, sagte Weber. Im Erdgeschoss sollen ein Foyer, die Tourist Info, ein Café, die Bücherei und eine Bankfiliale Einzug halten, in den beiden oberen Geschossen der Bürgersaal, ein Trauungszimmer, die Bibliothek und die Räume für die Gemeindeverwaltung. Für eine gute Belichtung ist durch das zweigeteilte Satteldach gesorgt. Die Tiefgarage mit über 50 Stellplätzen wird bei diesem Modell überwiegend unter dem Gebäude liegen.

Während der zweite Preisträger (siehe Kasten) ein ähnliches Modell, allerdings mit nur zwei Geschossen, vorschlägt, wartet der dritte Preisträger mit einem sehr großen und langen Foyer auf. Das sieht Bürgermeister Thomas Weber eher als Nachteil, weil es relativ niedrig sei und damit erdrückend wirke.

Schwierige Planung mit Rathauserhalt

Die drei Preisträger der Variante B (Rathauserhalt) ähnelten sich sehr stark. Alle sehen einen langen, massiven Neubau westlich des alten Rathauses vor. Das Problem ist, dass so ein massiver Bau das schmucke alte Rathaus »erdrückt« beziehungsweise sogar die Sichtachse von der Zufahrt her durchschneidet. Das trifft sogar beim Siegerentwurf zu, der von der H2M Architekten + Stadtplaner GmbH (Kulmbach) mit Silands Gresz + Kaiser Landschaftsarchitekten (Ulm) kam. »Es war noch viel schwieriger, mit dem Erhalt des alten Rathauses zu planen«, stellte Stadtplaner Josef Mittertrainer fest. Schließlich ist das Raumangebot im alten Rathaus relativ gering, entsprechend groß fällt der Neubau aus.

Die Wettbewerbssieger hatten einen langen, schlanken Baukörper mit Holzverschalung und großflächigen Verglasungen vorgeschlagen. Dieses Modell sieht im alten Rathaus die Tourist Information, ein Café und die Bibliothek vor. In den Neubau sollen der Bürgersaal, die Verwaltung und die Bankfiliale kommen. »Im alten Rathaus wird kein Stein auf dem anderen bleiben«, stellte Bürgermeister Weber fest und wurde konkreter: »Das Problem ist, Funktion in das Gebäude zu bringen und gleichzeitig alles barrierefrei zu gestalten«. Die Kompromisse bei der Variante B seien allgemein wesentlich größer als bei einem Abbruch des alten Rathauses. Trotzdem weiß der Gemeindechef, dass die Emotionen, wenn es um das alte Rathaus von 1929 geht, sehr groß sind. Deshalb müsse man schon prüfen, ob es eine Möglichkeit gibt, das bisherige Ortsbild mit dem alten Rathaus zu erhalten.

Kein heimisches Architekturbüro in Endrunde

Beworben hatten sich auch insgesamt drei heimische Architekturbüros. Von der Punktezahl her hätte es ein Büro beinahe in die Endrunde geschafft, ist aber im Rahmen des Auslosungsverfahrens ausgeschieden. »Das war schade«, äußerte sich Thomas Weber.

Eine Entscheidung über den endgültigen Auftrag soll der Gemeinderat noch vor der Sommerpause treffen, anschließend würde es in die Detailplanung gehen. Einen Baubeginn im nächsten Jahr hält Bürgermeister Weber für »sehr sportlich«. Eher geht er von einem Startschuss im Jahr 2018 aus. 6 Millionen Euro sind für das Projekt bereits im Haushalt eingeplant, man hofft allerdings auf Zuschüsse von mindestens 1 Million Euro. Ulli Kastner

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