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Querelen am Jenner

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Neben den Auffüllungen am Hammerstiel, Koppenleitenlehen und Vorderbrand landete auch zu viel Aushub im Waldstück oberhalb des Sulzbergkasers
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Ziemlich außer Form: Oberhalb des Sulzbergkasers im Nationalpark beträgt die Wegbreite teilweise sechs Meter (Fotos: privat)
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Wos is do los? Die derzeit trächtigen Murmeltiere haben Baulärm direkt vor der Haustür.

Schönau am Königssee – Zu breite Baustraßen, bedrohte Murmeltiere, ungenehmigte Lagerflächen und schlampiges Arbeiten. Die Kreisgruppe des Bundes Naturschutz hat sich schriftlich bei den Naturschutzbehörden über fragwürdige Vorgehensweisen beim Neubau der Jennerbahn beschwert. Seit Mittwoch ist der Bau der Baustraße oberhalb des Mitterkasers eingestellt.


Rita Poser aus Bischofswiesen, die Kreisvorsitzende des Bundes Naturschutz, ist enttäuscht von der Bauaufsicht: »Wir sind davon ausgegangen, dass, wie immer wieder in den Gesprächen seitens der Antragsteller betont, mit den sensiblen Naturgütern sorgsam umgegangen wird. Das scheint am Jenner nur sehr eingeschränkt zuzutreffen«, so Poser in ihrer Stellungnahme, die dem »Berchtesgadener Anzeiger« vorliegt.

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Seit Längerem erreichen den Bund Naturschutz Beschwerden über eine unkorrekte Bauausführung am Jenner. Was Rita Poser dazu veranlasst hat, sich am Sonntag selbst ein Bild vom Stand der Dinge zu machen. Da der Bund Naturschutz am Genehmigungsverfahren beteiligt war, kennt die Kreisvorsitzende die Pläne. Insgesamt sieben Verstöße sind ihr beim Ortstermin aufgefallen. Diese hat Rita Poser fotografiert, schriftlich dokumentiert und an die Fachabteilungen im Landratsamt und bei der Regierung von Oberbayern weitergeleitet.

Rodung genehmigt

Was Poser als Erstes ins Auge stach, war eine Rodung am Hang unterhalb der Mittelstation. »Da wurde entgegen den Plänen der Wald komplett beseitigt«, so die Kreisvorsitzende. Laut Aussage des beauftragten Planungsbüros Narr-Rist-Türk sei die Rodung genehmigt. Allerdings nicht die Aussaat von Grassamen. »Es hätten die Soden wieder eingesetzt werden müssen«, erklärt Poser.

Überhaupt habe der gesamte Wegeneubau oberhalb der Mittelstation den Bund Naturschutz überrascht. »Der war aus den Planungsunterlagen für uns nicht erkennbar«, so die Kreisvorsitzende. »Biotopbäume wurden dafür gefällt, der Mutterboden wurde nicht wieder eingesetzt, stattdessen dem Anschein nach Rasen ausgesät.

Neben den Auffüllungen am Hammerstiel und Koppenleitenlehen landete laut BN auch zu viel Aushub im Waldstück oberhalb des Sulzbergkasers. Oberhalb des Sulzbergkasers – das Gebiet gehört zum Nationalpark – beträgt die Wegbreite stellenweise sechs Meter. Teilweise wurden die Rasensoden fachgerecht eingesetzt, teilweise aber gar nicht, was Fotos beweisen. Oberhalb des Kasers, in der Kurve, wurde mit Geländeabschiebungen begonnen, die laut BN im aktuellen Plan nicht enthalten sind.

»Was ist mit dem Artenschutz?«

Und noch etwas ist Rita Poser aufgefallen. Die neue Trassierung der Baustraße oberhalb des Mitterkasers führt direkt über Murmeltierquartiere. »Die Wurfzeit ist von Mai bis Juli. Wie wurde der Artenschutz berücksichtigt?«, fragt sich die Kreisvorsitzende. Des Weiteren stellte sie fest, dass nicht nur ein Auerhahn-Balzplatz im Bereich der Kurve der Jennerwiesenbahn, die aufgeschüttet werden soll, betroffen ist, sondern auch die dort stehenden Lärchen. Sie sind ein beliebter Beobachtungssitzplatz der Hennen, vor allem wohl während der Balz.

Gelassen sieht das Ganze der Vorstandsvorsitzende der Berchtesgadener Bergbahn AG, Michael Emberger. Das Schreiben der BN-Kreisgruppe habe er nur über Umwege erhalten. Der Österreicher versichert, dass man sich beim Jennerbahn-Bau an alle Vorgaben halte.

Man habe das milde Frühlingswetter dazu nutzen wollen, um oberhalb des Mitterkasers »sauber und vertretbar arbeiten« zu können. Ein umfassendes Naturschutzmonitoring der Umweltbaubegleitung habe jedoch ergeben, dass dies derzeit nicht gehe. Das sei auch so mit der Naturschutzbehörde abgesprochen. »Wir haben aber für oben noch genug Zeit«, so Emberger. »Und unten ist viel zu tun.« Christian Fischer