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Ramsauer haben den Lärm satt

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Die Bürgerinitiative Lärm verteilt derzeit Unterschriftenlisten. (Foto: Voss)

Ramsau – Die Anwohner der B 305 in der Ramsau haben den ständigen Motorradlärm satt. »Bürger und Gäste akzeptieren und tolerieren diesen Zustand einfach nicht«, sagte Bürgermeister Herbert Gschoßmann entschlossen. Er traf sich am Dienstag mit den Mitgliedern der Bürgerinitiative gegen den Motorradlärm vor der Gemeinderatssitzung im Rathaus. Sie wollen nun mehrere Hundert Unterschriften sammeln und diese dann den zuständigen Behörden überreichen. Das Ziel: Einige konkrete Maßnahmen, wie Hinweisschilder und Tempo-Limits.


Das Problem ist nicht neu. Seit Jahren bereiten die Raser und der Krach ihrer Motorräder auf der B 305 den Ramsauern Kopfzerbrechen. Offenbar nutzen manche die lange Gerade nach dem Ortseingang und die anschließende Steigung bis zur Abzweigung Gerstreit als »Teststrecke«, was die Beschleunigungsfähigkeit ihrer Maschinen betrifft, schreibt der Bürgermeister in einem offenen Brief. Diesen hatte er bereits am 1. Mai verfasst und unter anderem an das Straßenbauamt, Landrat Georg Grabner, die Polizeidienststelle Berchtesgaden und MdL Michaela Kaniber geschickt (wir berichteten). Darin schreibt er auch, dass einige Motorradfahrer Geschwindigkeiten von bis zu 200 km/h erreichen.

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Wie eine Anwohnerin am Dienstag schilderte, beginnt dieses Rasen schon am frühen Morgen. Ein anderer Ramsauer sagte, die Schulkinder müssen an einer Stelle die B 305 überqueren und werden von den Schnellfahrern ebenso gefährdet. Und diese seien nicht nur auf zwei Rädern unterwegs. Auch so mancher Sportwagenfahrer halte sich nicht an die Geschwindigkeitsbegrenzungen. Daraus resultiert eine Lärmbelästigung, die durch die Tallage in der ganzen Ramsau gut hörbar ist.

Der Bürgermeister erzählte beim Treffen: »Vor gut sechs Jahren haben wir schon einmal mehrere Hundert Unterschriften gesammelt. Damals wurde nicht viel verbessert. Seitdem gibt es zwei 70er-Zonen, einmal auf Höhe des Parkplatzes Mordau und einmal Richtung Wachterl.« Und dies sei auch nur passiert, weil der Landrat das persönlich angeordnet hatte, betonte Gschoßmann. »Das Problem ist nach wie vor nicht gelöst.« Denn die Raser drehen an ganz anderen Stellen der B 305 am Gas, wissen die Mitglieder der Initiative.

Heuer im Frühling hat sich Martin Gschoßmann in einer Email an den Bürgermeister erneut über den Lärm beschwert. »Sollte sich in absehbarer Zeit nichts ändern, sehe ich – auch mal abgesehen von der eingeschränkten Lebensqualität für uns Einheimische – auch massive Probleme für die Vermieter an der B 305 auf uns zukommen.« Der Ramsauer spricht auch den Widerspruch des Motorradlärms zum »sanften, naturverträglichen Tourismus« an. Mit dieser Meinung ist Gschoßmann nicht alleine: Auch die anderen Mitglieder sehen einen Widerspruch zum Titel »Bergsteigerdorf«, der eigentlich für einen erholsamen Tourismusort stehen soll.

Der Bürgermeister hat sich vor einigen Tagen mit dem Berchtesgadener Polizeichef Andreas Heynig, Polizist Andreas Hölzl und einem Vertreter des Landratsamts getroffen. Gschoßmann wollte erneut auf die Lage hinweisen und Lösungen finden. Seine Gesprächspartner hatten aber Dokumente im Gepäck, nach denen das Problem scheinbar nicht groß genug ist: »Kein Unfallschwerpunkt«, »nur zwei Prozent fahren zu schnell« und »Kontrollen sind nicht so einfach an dieser Straße« hieß es laut Gschoßmann. Er erfuhr aber von einer speziellen »Kontrollgruppe Motorrad« der Polizei. Diese tritt demnach ab sofort auch »verstärkt« in der Ramsau auf.

Trotzdem sorgten diese Neuigkeiten für verständnislose Gesichter und Kopfschütteln. »Muss also erst etwas passieren, damit etwas unternommen wird?«, fragte einer der Bürger. Ein anderer äußerte den Vorschlag, Blitzer fest an der Alpenstraße zu installieren. »Meines Wissens ist das in Bayern nicht erlaubt«, entgegnete Gschoßmann. Nun wollen die Ramsauer an die Vernunft der Motorrad- und auch der Sportwagenfahrer appellieren, mithilfe von Hinweisschildern.

Die Listen liegen nun in der Tourist-Info, in der Gemeindeverwaltung, in der Sparkasse, in der Raiffeisenbank und in einigen Ramsauer Geschäften aus. Alle Gemeinderäte nutzten in der anschließenden Sitzung gleich die Möglichkeit, auf der Liste zu unterschreiben. »Auch die Gäste dürfen gerne ihre Unterschrift abgeben, da sie ja auch vom Lärm betroffen sind«, sagte Gschoßmann noch in der Sitzung.

Ende August werden die Listen eingesammelt, und bei einem öffentlichen Termin an die Vertreter der Behörden und der Politik übergeben. »Wir müssen den Behörden einfach signalisieren, dass viele Menschen von diesem Lärmproblem betroffen sind und uns immer wieder melden und nicht nachgeben, sonst passiert da nichts«, betonte der Bürgermeister abschließend. Annabelle Voss