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Regen, Nebel, Schnee: Die Bergsaison beginnt zäh

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Weltuntergangsstimmung am Funtensee: Wie im Kärlingerhaus, so lief aufgrund des schlechten Wetters auch auf den anderen höher gelegenen Berghütten die Saison zäh an. Foto: Sigi Hinterbrandner

Berchtesgaden – Die Sommersaison auf den Bergen beginnt je nach Höhenlage üblicherweise zwischen Mitte Mai und Anfang Juni. Anhaltendes Regenwetter mit Schnee in den Höhenlagen machten vielen Hüttenwirten aber bislang einen Strich durch die Rechnung. Nur wenige Hartgesottene trotzten in den letzten Wochen dem Schlechtwetter und sorgten auf den Berghütten wenigstens für ein bisschen Umsatz. Der »Berchtesgadener Anzeiger« hörte sich bei den Hüttenwirten um und vernahm trotz schlechten Geschäfts erst einmal kein Jammergeschrei. Immerhin kommt ja jetzt der Sommer.


Gelassen wie immer reagiert Sigi Hinterbrandner vom Kärlingerhaus am Funtensee auf die Anfrage der Heimatzeitung. Schließlich sind er und seine Frau Gabi die Ruhe im Haus schon von den Skitourenwochen zu Ostern gewohnt. Denn auch da hatte man aufgrund der Wetterlage nur wenige Gäste zu betreuen. »Auch jetzt war der Besuch bislang äußerst schlecht«, sagt Hinterbrandner. Am langen Wochenende um Fronleichnam waren für Donnerstag bis Sonntag rund 450 Leute angemeldet. Gekommen sind dann ganze 48 Personen.

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An zwei Tagen kein einziger Gast

Doch der Wirt zeigt Verständnis für die Absagen: »Man kann es den Leuten ja nicht verdenken, dass sie bei dem Wetter der letzten Wochen nicht kommen konnten, zumal es ja auch noch gefährlich ist.« Aber Gabi und Sigi Hinterbrandner hatten sich zuvor halt entsprechend mit Lebensmitteln eingedeckt und sie müssen jetzt sehen, was sie mit der Frischware noch machen können.

»Heuer hatten wir seit Beginn unserer Tätigkeit am Funtensee die ersten zwei Tage hintereinander, wo kein einziger Gast gekommen ist«, erzählt Sigi Hinterbrandner. In den letzten Tagen pendelte sich die Besucherzahl zwischen einer und 20 Personen ein. Einzig am letzten Samstag waren es 85 Gäste. Da lachte nach längerer Zeit endlich mal wieder die Sonne vom Himmel.

Schnee gab es am Funtensee so gut wie keinen, der beginnt allerdings hinter dem Funtensee im Steinernen Meer. Die Gäste können deshalb zwar leicht zum Kärlingerhaus aufsteigen, die Übergänge zum Riemannhaus oder zum Ingolstädter Haus sind aber noch nicht möglich. Wenigstens bringen die Gäste angesichts des schlechten Wetters keine schlechte Laune zum Funtensee mit. Das bestätigt Sigi Hinterbrandner, fügt aber an: »Begeistert sind sie freilich auch nicht.«

Für die nächsten Tage ist das Ehepaar Hinterbrandner optimistisch, denn die Wetteraussichten sind gut. Und am kommenden Samstag steht ja der große »Hogoascht« im Kärlingerhaus auf dem Programm.

Sturm und Schnee am Watzmannhaus

Noch schlechter als am Funtensee waren in den letzten Wochen die Witterungsbedingungen am 300 Meter höher gelegenen Watzmannhaus. »Wir hatten Sturm und Schnee. Da konntest du fast nicht mehr aus dem Haus gehen«, sagt Wirtin Annette Verst. Normalerweise bewirtet sie mit ihrem Mann Bruno an einem Wochenende rund 150 Übernachtungsgäste. »So aber waren zumeist nur ganz wenige da«, erzählt Annette Verst. Dabei waren die Anmeldungen für das lange Wochenende recht gut, aber dann kam alles ganz anders.

Annette Verst ist zuversichtlich, dass die Saison jetzt ziemlich schnell anläuft. Die Wetteraussichten sind gut, der Aufstieg zum Hocheck ist schon fast möglich. »Und wenn die Überschreitung geht, dann kommen die Leute ohnehin«, sagt Annette Verst. Jetzt freut sie sich erst einmal auf die Feierlichkeiten zum 125-jährigen Bestehen des Watzmannhauses, die am Samstag, 22. Juni, stattfinden.

Wetterpech für neue Wirte am Stöhrhaus

Einen besseren Einstieg als Hüttenwirte auf dem Stöhrhaus am Untersberg hätten sich Walli und Hans Gschoßmann gewünscht. »Über Pfingsten hatten wir soviel Schnee, dass der Hans zweimal die Terrasse freischaufeln musste. Der Schnee war biertischhoch angeweht«, sagt Walli Gschoßmann. Die wenigen Besucher, die sie zu der Zeit hatten, mussten Schneestapfen. Die Wirtsleute selbst stiegen teilweise sogar mit Schneeschuhen auf.

Jetzt rechnen aber auch Hans und Walli Gschoßmann damit, dass es aufwärts geht. Der Versorgungshubschrauber war am Dienstag bereits da und hat Nachschub gebracht. In den letzten Wochen war das nicht erforderlich. Da hat der Gschoßmann Hans die frischen Sachen oft nur im Rucksack hochgetragen.

Freude auf Sonnwendfeier am Purtschellerhaus

Schnee gab's auch bei Regina und Sepp König am Purtschellerhaus. »Wir hatten einige Tage, an denen kein Mensch da war. Kein Wunder bei 40 Zentimeter Schnee«, sagt Regina König. Wenigstes hatte man zwischendurch eine gut besuchte Geburtstagsfeier, außerdem hatte die Sektion Sonneberg eine Arbeitsaktion am Purtschellerhaus angesetzt. Immerhin mussten Sepp und Regina König in den letzten Wochen kein Personal bezahlen, weil sie alleine auf der Hütte waren. Verstärkung wird allerdings für das kommende Wochenende unabdingbar sein. Denn bei hoffentlich schönem Wetter steht am Samstag die Sonnwendfeier auf dem Programm. Spätestens wenn ab 21 Uhr das Feuer brennt, sollte das schlechte Wetter wieder vergessen sein.

Nicht so schlecht lief es dagegen in den niedriger gelegenen Ausflugsgaststätten. Das bestätigt Stephan Kraus von der Gaststätte »Söldenköpfl«. »Wenn es regnet, dann nehmen sich die Leute halt einen Schirm und kommen trotzdem zu uns«, sagt der Wirt. Egal, ob über den Soleleitungsweg, von der Engedey oder über den Toten Mann – Wanderungen im Umfeld des Söldenköpfls sind auch bei schlechtem Wetter möglich. Freilich machen sie bei Sonnenschein mehr Spaß. Doch der stellt sich ja jetzt ein, wenn man dem Wetterbericht Glauben schenkt. Ulli Kastner