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Reise eines Wandergesellen

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Bei seinem Vortrag erklärte Klaus Deckenbach dem Publikum auch, was es mit den Traditionen der Zunft auf sich hat. Der gedrehte Gehstock wird »Stenz« genannt. Foto: Anzeiger/Voss

Berchtesgaden - Klaus Deckenbach hat fünf Jahre seines Lebens auf Wanderschaft verbracht. Als junger Schreinergeselle ging er auf eine Reise durch Afrika, Europa und den Nahen Osten und hatte nur das Nötigste bei sich. Seine kuriosen, humorvollen und teils gefährlichen Erfahrungen erzählt der Abenteurer in seinem Programm »Mehr als ein Abenteuer - Ein Wandergeselle. Drei Kontinente. Seine Geschichte.« Am Dienstag gab es im Kongresshaus den spannenden Vortrag Deckenbachs über die aufregende Reise zu hören.


Man sieht sie manchmal am Straßenrand stehen. Auffallende Männer, die neben weiten, schwarzen Schlaghosen ein weißes Hemd und eine Weste mit glänzenden Knöpfen tragen. Auch Hut und Wanderstock haben sie immer bei sich. Die Wandergesellen sind eine aussterbende Zunft, die wie Nomaden durch die Welt reisen und mit ihrem Handwerk ihr täglich Brot mühsam verdienen müssen.

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Klaus Deckenbach fasste mit 22 Jahren den Entschluss, auf Wanderschaft, genannt »Walz«, zu gehen. Er begann seinen Weg zu Hause in Hessen mit nur 100 Mark in der Tasche. Der Schreiner bewegte sich auf seiner Reise, die fünf Jahre dauerte, nur zu Fuß, per Trampen oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln fort. Er bereiste ganz Afrika, wanderte durch den Urwald und verbrachte sechs Wochen auf einem Schiff auf dem Kongo. Aufgrund seiner Begegnungen mit Armut, Kriminalität, aber auch echter Freundschaft hat er nicht nur eine gute Menschenkenntnis entwickelt, er hat auch zu Gott gefunden.

Bei seinem Vortrag sprach der verheiratete Familienvater mit einer ruhigen, sanften Stimme. Er untermalte seine bildhaften Ausführungen mit Liedern von U2 und Bob Dylan. Neben dem Diavortrag mit Bildern von exotischen Orten und Menschen las er Passagen aus seinen Reisetagebüchern. Eines der schönsten Erlebnisse sei es gewesen, als er im Regenwald unter einem paradiesischen Wasserfall sein Zelt aufgeschlagen habe und am Morgen von einem Regenbogen begrüßt wurde: »Als ich die atemberaubende Schönheit der Natur sah, empfand ich einfach nur Bewunderung für diese Schöpfung - und Ehre und Respekt vor dem Schöpfer.«

Die Bibel wurde nach sechs Wochen in Afrika sein ständiger Begleiter. Grund dafür waren sicher auch insgesamt fünf Anfälle von Malaria, die er teils nur knapp überlebte: »Ich bin dem Tod oft von der Schippe gesprungen«. Er überstand außerdem bewaffnete Überfälle, einen Wurmbefall in Südafrika und mehrere Tage unschuldig in einem afrikanischen Gefängnis. Hinzu kamen katastrophale Übernachtungszustände. »Ich zähle ihnen mal auf, wo ich überall geschlafen habe: Auf Parkbänken, in Fußgängerzonen, bei Obdachlosen, auf einem Schiff, im Knast, in Toiletten...«.

So mancher Zuhörer stellte sich die Frage, warum ein Mensch das auf sich nimmt. Für Klaus Deckenbach aber war das die aufregendste Zeit seines Lebens. Er verbrachte nach seiner Afrika-Rundreise noch ein Jahr in Israel, bevor er heimkehrte. Seine Erkenntnis: »Ich musste feststellen, dass sich meine Familie und Freunde in der Zeit verändert haben. Ich hab mich gefragt: Was haben die nur für Probleme? Ich habe gelernt, glücklich zu sein mit dem, was ich zum Leben brauche - und nicht mehr.«

Klaus Deckenbach studierte nach seiner Heimkehr Theologie und Missionswissenschaft. Der heute 48-jährige Vater von vier Kindern ist als freiberuflicher Kultur- und Bildungsreferent unterwegs und auch in der Lebensberatung tätig. Er hält ebenso Seminare über das »Abenteuer Ehe«. Annabelle Voss