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Respektvoll nötige Aufgaben in einem fremden Land anpacken

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200 Soldaten aus dem Gebirgsjägerbataillon 232 treten in fünf Wochen ihren Afghanistan-Einsatz an. Am Freitagabend wurden sie feierlich am Schlossplatz in Berchtesgaden verabschiedet.
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Oberstleutnant Peter Küpper schritt mit Landrat Georg Grabner und Marktbürgermeister Franz Rasp (v.l.) die Front beim Verabschiedungsappell ab. Fotos: Anzeiger/Wechslinger
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Das Gebirgsmusikkorps aus Garmisch-Partenkirchen sorgte beim Verabschiedungsappell am Schlossplatz für die musikalische Umrahmung.

Berchtesgaden – Die Berchtesgadener Bevölkerung und viele Angehörige der Soldaten des Struber Gebirgsjägerbataillons nahmen am Freitagabend am Schlossplatz Abschied von ihren Jagern. In fünf Wochen ziehen 200 Soldaten aus dem heimischen Bataillon und 360 Soldaten aus anderen Standorten zusammen mit dem Kommandeur des Gebirgsjägerbataillons 232, Oberstleutnant Peter Küpper, ins Kriegsgebiet nach Afghanistan.


Im Markt Berchtesgaden herrschte am Freitagabend Ausnahmezustand: Viele Bürger hatten sich zum Verabschiedungsappell des Gebirgsjägerbataillons 232 am Schlossplatz eingefunden. Auch gaben zahlreiche Ehrengäste, darunter Fahnenabordnungen befreundeter Institutionen, den Struber Jagern ihre Ehre. Angeführt vom Gebirgsmusikkorps aus Garmisch-Partenkirchen marschierten die Soldaten durch die Fußgängerzone zum Schlossplatz. Zum vierten Mal nach 2003, 2008 und 2010 werden Teile des Gebirgsjägerbataillons 232 zum Einsatzverband »Northern Reaction Unit« verlegt. Bei diesem Einsatz operiert die Bundeswehr nicht mehr in vorderster Front, sondern hinter den Afghanen. Die Gefahr für Leib und Leben der Soldaten ist dadurch aber nicht geringer geworden.

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Das militärische Engagement der NATO und Deutschlands wird unter Umständen mit verminderten Truppenstärken auch noch nach 2014 fortgesetzt. Abschließende Entscheidungen und die Zustimmung aus Afghanistan fehlen noch. Die Struber Jager gehen als letzter Verband der leichten Infanterie in den ISAF-Einsatz.

Kommandeur Peter Küpper dankte den Verantwortlichen, dass man den Verabschiedungsappell am traditionsreichen Schlossplatz durchführen durfte, und hieß eine große Anzahl von Ehrengästen, darunter eine Abordnung des Hochgebirgsjägerbataillons 26 aus Spittal an der Drau, willkommen.

Der sechsmonatige Einsatz in Afghanistan wird, laut Küpper, in erster Linie den Rückbau und die Rückverlegung zum Auftrag haben. »Die Einsatzsoldaten sind gut ausgebildet und ausgerüstet, haben jedoch keine Angst, sondern Respekt vor ihren Aufgaben im fremden Land«, so Küpper. Der Einsatz werde sicher hart und entbehrungsreich, erwartet der Kommandeur, auch für die Familien der Soldaten zu Hause, die Lasten und Entbehrungen zu tragen hätten. »Wir dienen Deutschland am Hindukusch, das ist unser Auftrag. Wir sehen der Gefahr ins Auge und sind dafür gut ausgebildet und ausgerüstet. Wir sind gut vorbereitet«, erklärte Küpper in seiner Ansprache an die Soldaten und die Zivilbevölkerung.

Den Einsatz nannte Küpper auch als einen Höhepunkt einer militärischen Laufbahn. Für die daheimbleibenden Familien erbat der militärische Führer Zuspruch und Zeichen des Verständnisses. Mit den Worten »Bitte beten Sie für uns, dass alle Soldaten heil und unversehrt an Leib und Seele heimkommen«, meldete Oberstleutnant Peter Küpper das Bataillon in den Einsatz ab.

In einer kurzen, aber dafür sehr prägnanten Rede verabschiedete Marktbürgermeister Franz Rasp auch im Namen seiner vier Bürgermeisterkollegen die Soldaten. Dabei bezeichnete Rasp die Patenschaft zwischen den Gemeinden und den Kompanien als gelebte Partnerschaft. »Soldaten und Angehörige seien keine anonymen Institutionen, sondern in erster Linie Menschen. Nicht nur für die Einsatzkräfte, auch für die Angehörigen beginne eine schwierige Zeit«, so Rasp. Hoffen und Bangen, das Getrenntsein verbunden mit Angst: Man werde die Nachrichten vom Kunduz mit Mazar-i-Sharif bald mit anderen Gefühlen hören, ist sich der Marktbürgermeister sicher. Den Angehörigen der Soldaten wünschte Franz Rasp viel Kraft und gute Freundschaften. Die Soldaten verabschiedete er sodann mit den Worten: »Passt auf euch auf und kommt wieder gesund heim. Pfiat enk God.« Christian Wechslinger