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Der Berchtesgadener arbeitete 35 Jahre, großteils an leitender Stelle, bei Mövenpick

Restaurateur vom Scheitel bis zur Sohle

Berchtesgaden/München – Einen »Restaurateur vom Scheitel bis zur Sohle« nannte Mövenpick-Gründer Ueli Prager seinen langjährigen leitenden Mitarbeiter Karl Heinz Schaumann, als der Berchtesgadener im Jahr 1992 nach 35-jähriger Konzernzugehörigkeit verabschiedet wurde. Tatsächlich kann Schaumann, der heute Dienstag an seinem aktuellen Hauptwohnsitz Neubiberg seinen 85. Geburtstag begeht, auf ein extrem ereignisreiches Leben im Dienste der Gastronomie zurückblicken.

Arbeitete 35 Jahre lang für Mövenpick: Karl Heinz Schaumann, der morgen 85 wird. (Fotos: privat)
Begegnung mit dem größten Boxer aller Zeiten: Karl Heinz Schaumann und Muhammad Ali.

Die Familie Schaumann ist seit 1908 in Berchtesgaden ansässig, als Heinrich Schaumann, der Großvater von Karl-Heinz Schaumann, aus Babenhausen in die Marktgemeinde zog. Er hatte im Nonntal eine Glaserei gepachtet und erwarb sich bald in der Maximilianstraße ein eigenes Anwesen, das heute trotz Eigentümerwechsel noch »Haus Schaumann« genannt wird.

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Der Jubilar Karl Heinz Schaumann wurde am 1. September 1930 in Rosenheim geboren und ist mit Mutter Elisabeth (später Brandner) im Geschäftshaushalt der Großeltern aufgewachsen. Sein Vater Karl Eid war ein junger Konditor in Berchtesgaden. Im vorletzten Kriegsjahr, 1944, begann Schaumann seine Lehre als Koch im »Berchtesgadener Hof«, seinerzeit das Diplomatenhotel des damaligen Regimes. Nach Kriegsende schloss er dort 1948 – nun bei den Amerikanern – seine Ausbildung zum Koch und Konditor ab.

Danach zog es Karl Heinz Schaumann in die Welt hinaus und er ging von 1949 bis 1951 als junger Koch in Betriebe nach Frankfurt, Düsseldorf und Travemünde. Dort lernte er seine spätere Frau Annedore Schaumann-Grigo, Tochter eines Ingenieurs für Flugzeugentwicklung, kennen, die ihn – auch bei der gemeinsamen Leitung von Großbetrieben – immer unterstützt hat.

Aber zunächst ging Karl Heinz mit 21 als junger Koch in die Schweiz; er sollte den Eidgenossen auf ewig verbunden bleiben. Insgesamt über 20 Jahre lebten und arbeiteten die Schaumanns in der Schweiz. Schaumann beherrschte das Schwyzer Dütsch wie ein Einheimischer. Es folgten Jahre der Wanderschaft, die ihn nach Schweden, nach Schottland, in die USA und auf Kreuzfahrtschiffen rund um die Welt führten.

Im Mai 1957 begann seine große Mövenpick-Karriere in Bern als zweiter Küchenchef. Ab 1962 wurde er Assistent der Geschäftsleitung Mövenpick in Zürich, dort organisierte er die gesamte Verkaufsplanung aller Restaurants der Unternehmensgruppe. Seine exzellenten Führungsqualitäten führten Karl Heinz Schaumann und seine Frau Annedore 1966 in das erste deutsche Mövenpick in Frankfurt am Main, wo sie erstmals einen Großbetrieb leiteten.

Nach kurzen Zwischenstationen bei Nestlé in der Schweiz und Aral in Bochum kam Karl Heinz Schaumann 1974 zurück zu Mövenpick – und zwar endlich in seine bayerische Heimat. Schaumann übernahm mit seiner Frau Annedore sein größtes Lebenswerk: das Mövenpick im Künstlerhaus am Stachus in München. Diesen Großbetrieb führte er bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1992. Das Künstlerhaus sollte zum umsatzstärksten Restaurantbetrieb Deutschlands mit damals bis zu 20 Millionen DM Jahresumsatz heranwachsen, es war seinerzeit d a s Restaurant in der Münchner Innenstadt. Hier konnte Karl Heinz Schaumann zahlreichen Prominenten wie Bundespräsident Richard von Weizsäcker, Bergsteigerlegende Luis Trenker oder Modedesigner Rudolf Moshammer die Hand schütteln. Das Ehepaar Schaumann erfand hier die »Erlebnisgastronomie« und etablierte den »Sonntagsbrunch« – ein jahrelanger Kassenknüller.

Während dieser Zeit beriet Karl Heinz in seiner Funktion als Mövenpick-Regionaldirektor auch das Kurhaus Baden-Baden, die Autobahn-Restaurantbrücke bei Amsterdam, das Mövenpick Ulm und das Mövenpick Nürnberg Flughafen. Damit nicht genug, beschäftigten ihn Projekte wie das Mövenpick Düsseldorf in der Kö-Galerie und der Bau des Mövenpick Hotels am Münchner Flughafen in Erding. Hier war es maßgeblich Karl Heinz Schaumanns Verhandlungsgeschick zu verdanken, dass die Gemeinde Hallbergmoos den Zuschlag für den Bau eines Airport Hotels an die Mövenpick-Gruppe vergeben hat. Nebenbei baute er für 5 Millionen DM das Künstlerhaus zu einem Konferenzzentrum um. Bis heute eine Institution in München.

1992 zog sich Karl Heinz Schaumann nicht auf sein Altenteil zurück, sondern gründete eine Einmann-Beratungsfirma im Gastronomiesektor. Zahlreiche Projekte wie die Entwicklung einer Pizzakette, die Konzeption des Paulaner Thomasbräu in Leipzig für die Schörghuber Gruppe, die Planung eines Erlebnisparks in Rust inklusive Bierzelt mit dem Filmarchitekten Rolf Zehetbauer sollten folgen. Ob Nockherberg, Franziskaner, Käfer – alle Großgastronomen in München haben die Expertise von Schaumann gesucht und gebucht.

1996 – nach 52 Berufsjahren – beendete Karl Heinz Schaumann seine beruflichen Aktivitäten und setzte sich mit Annedore, mit der er inzwischen über 50 Jahre verheiratet war, zur verdienten Ruhe. Die findet das Ehepaar Schaumann derzeit vor allem im Neubiberger Haus, den Landsitz in Schönau am Königssee suchen die beiden aus gesundheitlichen Gründen nur noch selten auf.

Karl Heinz Schaumann ist dem Berchtesgadener Land nicht nur wegen seiner eigenen Wurzeln immer noch tief verbunden. Er liebt die Berge, die Natur, das Bayerische und die Traditionen. Seine Verbundenheit drückt der Jubilar regelmäßig durch finanzielle Gaben an segensreiche Einrichtungen und Vereine im Berchtesgadener Land aus. Mit hohen Summen unterstützte er unter anderen die Weihnachtsschützen, die Feuerwehr, Kindergärten, Pfarreien und das Bürgerheim. Über die Geschehnisse im Berchtesgadener Land ist der Jubilar ohnehin stets bestens informiert – durch den »Berchtesgadener Anzeiger«. Ulli Kastner