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Rettung für die Kehlsteinwege

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Mit Temperament bei der Sache: Gemeinderätin Rosi Plenk setzt sich für den Erhalt der Kehlsteinwege ein. (Foto: Pfeiffer)

Berchtesgaden – Viele sind am Donnerstagabend ins »Bräustüberl« gekommen, um über die Kehlsteinwege zu diskutieren. So etwas hat es ja auch noch nie gegeben:


Ein Zusammenschluss der Freien Wähler, der CSU, der SPD, der Grünen und des Bundes Naturschutz setzt sich mit aller Kraft dafür ein, dass die Nebenstrecken der Kehlsteinstraurlaub@tannenheim-koenigssee.deße erhalten bleiben. Auch wenn die Bürgerinitiative schon viel erreicht hat, bleibt die Hoffnung bestehen, dass man bis zum Start der Arbeiten am Obersalzberg noch weitere Zugeständnisse rausholen kann.

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Mit großer Wahrscheinlichkeit wären die Kehlsteinstraßen schon weg. Das sagt nicht nur Rosi Plenk. Die Lokalpolitikerin hatte bereits vor einigen Jahren in Sachen Kehlsteinwege eine Petition angestoßen. »Ich gehe dort oben gerne spazieren und habe immer einen Fotoapparat dabei«, sagt die Berchtesgadener Gemeinderätin. Deshalb hat sie wohl auch eine der umfangreichsten Bilderdokumentationen von diesen 17 Kilometern Nebenwegen angefertigt, die eigentlich schon dem Untergang geweiht waren. Straßen, die viel von den Bayerischen Staatsforsten genutzt worden waren und dadurch zerstört wurden.

Einige Bilder belegen, wie sich übergroße, tonnenschwere Fahrzeuge auf den schmalen Wegen vorwärtsbewegen. Es handelt sich um Straßen, die in den 30er-Jahren mit flüssigem Teer gefertigt worden waren. Dann wurde Split auf den heißen Teer aufgewalzt – und fertig war die »Heißteer-Tränkdecke«, so Florian Beierl, der als Historiker viele Jahre für das Obersalzberg-Institut gearbeitet hatte. Teer enthält aber giftige Inhaltsstoffe, polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, die im Verdacht stehen, Krebs auszulösen.

Rita Poser: Keine Gefahr

Allerdings gibt es, trotz zweier Gutachten, bislang keine Beweise, dass das Grund- oder Oberflächenwasser samt wichtiger Quellen, die Berchtesgaden mit Wasser versorgen, belastet sind, wie Rita Poser, Kreisvorsitzende des Bundes Naturschutz im Berchtesgadener Land, bestätigt. Lediglich in »einer Wasserprobe konnte eine PAK-Verbindung in der Größenordnung der Bestimmungsgrenze nachgewiesen werden« – in einer Quelle beim Gasthaus »Sonneck«, so Poser. Erhöhte Schadstoffkonzentrationen im Grundwasser, sofern sie überhaupt auftreten, seien also lokal begrenzt. Eine Gefahr für die Umwelt? Rita Poser sagt dazu klar nein. Und favorisiert den Erhalt der Teerstraßen – inklusive einer Versiegelung.

Ein Rückbau wäre ihrer Ansicht nach eine Katastrophe, nicht nur, weil 31 000 Tonnen Teer ausgebaut werden müssten. Sondern diese Menge müsste zunächst abtransportiert werden. Über 1 000 Lkw-Fuhren à 30 Tonnen wären dafür notwendig. Entsorgt würde der Teer mit großer Wahrscheinlichkeit in Rotterdam, wo sich die einzige thermische Entsorgungsmöglichkeit befindet. Die Kosten für den Rückbau und die Entsorgung »können auf der Grundlage der bereits durchgeführten Planung und Ausschreibung zuverlässig mit 4,5 Millionen Euro beziehungsweise 335 Euro je Meter angesetzt werden«, sagt Rita Poser. Für sie ist eine Versiegelung die klar bessere Variante. Ausbauen und entsorgen sei unwirtschaftlich. Alle Mitglieder der Bürgerinitiative, die auch bei den kürzlich abgeschlossenen Gesprächen mit den Bayerischen Staatsforsten und dem Landrat gemeinsam am runden Tisch saßen, wollen, dass die historisch einmaligen Wege erhalten bleiben – und in der Tat hat man den Chef der Staatsforsten bereits zu vielen Zugeständnissen bewegen können.

Keine Forstautobahnen

»Wir haben viel erreicht«, sagt Gemeinderätin Rosi Plenk. 5,5 Meter breite »Forstautobahnen« wird es auf dem Kehlstein nicht geben. Bei weiteren 2,5 Kilometern hat man es geschafft, dass diese erhalten bleiben – etwa von der Terzangerl-Verbindung bis zum Sappensteig. Acht weitere Kilometer werden nicht forstwirtschaftlich benötigt. Zudem hat die Bürgerinitiative erreicht, dass fünf Kilometer Forstwege bleiben und keine -straßen werden. »Wir wollen hier keine Autobahnen.« Weiterhin freut sich Rosi Plenk darüber, dass an einigen Stellen nicht nur Kieswege entstehen, sondern wieder asphaltiert wird, etwa bei der Ligeretalm-Scharitzkehl.

Der letzte Punkt, den die Bürgerinitiative durchgeboxt hat: Stützmauern, die als Ingenieurbauten gelten, müssen erhalten bleiben. Dieses Zugeständnis hat der Chef der Bayerischen Staatsforsten, Dr. Martin Neumeyer, gemacht. Und hier möchte man auch unnachgiebig bleiben, wie Dr. Bartl Wimmer, einer der führenden Köpfe in der Bürgerinitiative, immer wieder betont. Wachsam müsse man bleiben, die Augen offen halten. »Neumeyer hat zugesichert, dass wir ihn persönlich anrufen dürfen, wenn uns etwas auffällt, was so nicht vereinbart war.«

Klaus Gerlach hingegen, ein weiterer Kämpfer um den Kehlsteinstraßenerhalt, wartet noch immer auf ein Ergebnis rund um die von ihm eingereichte Petition. Seiner Ansicht nach sind die Kehlsteinstraßen denkmalschützenswert. Eine europäische Erinnerungslandschaft sei auch auf einem Berg wie dem Obersalzberg, der als »Täterberg« gilt, möglich. Das beweise die Dokumentation Obersalzberg erstklassig. Und dafür setzt er sich weiterhin ein. Erst wenn über seine Petition entschieden ist, kann es auf dem Kehlstein mit den millionenschweren Bauarbeiten losgehen. Auch diese Zusage hat die Bürgerinitiative vom Leiter der Bayerischen Staatsforsten bekommen. »Wir werden am Ball bleiben«, sagt Rosi Plenk. Kilian Pfeiffer

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