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Rettungsassistent macht Angaben zu Gesundheitszustand – Zwei Ärzte unterwegs

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Dr. Michael Petermeyer hat große Erfahrung als Expeditionsarzt in der Höhle und am Berg und ist medizinischer Fachreferent im Höhlenrettungsverband Deutschland. Als Facharzt für Neurochirurgie und Anästhesiologie leitet er das regionale Schmerzzentrum in Diez. Foto: Anzeiger/Wechslinger

Berchtesgaden – Das Höhlendrama geht weiter. Gestern war erstmals ein erfahrener Mediziner bei der täglichen Pressekonferenz in der Einsatzzentrale der Freiwilligen Feuerwehr Berchtesgaden. Dr. Michael Petermeyer aus Wiesbaden hat sich sowohl als Mediziner wie auch als Expeditionsarzt und Höhlenretter einen Namen gemacht. Sollte es den beiden derzeit in der Höhle befindlichen Ärzten ebenso wie dem allerersten Mediziner nicht gelingen zum Verletzten vorzudringen, so wird Dr. Petermeyer in den Berg einfahren.


Stefan Schneider, stellvertretender Chef der Bergwacht Bayern, lobte bei der dritten Pressekonferenz gestern im Feuerwehrhaus Berchtesgaden die italienischen Höhlenspezialisten, die schnell und erfolgreich arbeiteten und in die knapp 300 Meter lange erste Abseilstrecke nach dem Einstieg neue Seile eingehängt und somit die Steinschlaggefahr verringert hätten, wenn diese auch nie ausgeschlossen werden könne. Dies geschehe zur größeren Sicherheit aller Beteiligten und auch schon für die bald zu erwartende Bergung des Verletzten, der an einem Schädel-Hirntrauma leidet.

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Die Bergung könne jedoch erst dann erfolgen, wenn einer der Ärzte oder sogar beide beim Verletzten gewesen seien. Im Weiteren wurden die Biwakplätze eins und zwei ausgebaut sowie mit neuem Material und Verpflegung ausgestattet. Auch der sehr schwer zu bezwingende und teilweise im Spreizschritt zu kletternde kräfteraubende Canyon wurde mit Trittstiften, Hand- und Sicherungsseilen versehen. Dies dient den Einsatzkräften zum Kräftesparen und im Weiteren bereitet es die Bergung des Verletzten vor. Zur Zeit der Pressekonferenz am Mittwochnachmittag erholte sich der abgestiegene und entkräftete österreichische Höhlenrettungsarzt im Biwak drei. Auch der Arzt aus Italien war nach letzten Meldungen noch im Biwak drei. Weitere Höhlenrettungskräfte aus Österreich sind in Bereitschaft und können bei Bedarf in die Höhle nachfahren.

Höhleneinsatzleiter Nils Bräunig aus Wonsees berichtete von drei Schweizer Höhlenrettern, die beim Verletzten seien. Alle, die zuerst beim Verletzten waren, seien wieder am Tageslicht. Weil Gegenverkehr in der Höhle nicht möglich ist, geht es immer nur in eine Richtung. Derzeit sei man dabei, ausreichend Technik, Versorgungsmaterial, Verpflegung und Medikamente nach unten zu bringen. Sobald das »ok« der Mediziner kommt, werden weitere Kräfte für die Bergung nachgefordert, erklärte der Höhleneinsatzleiter weiter. Das Problem, die Lage richtig einzuschätzen, sei eine verzögerte Kommunikation, machte Bräunig deutlich. Sehr positiv zu bewerten ist jedoch die Tatsache, dass der Verletzte in Biwak fünf genügend Platz hat; dort eine trockene Umgebung ist und kein Luftzug oder Tropfwasser vorhanden ist.

Als gleich schwierig bezeichnete Bräunig die Anforderungen in der Horizontalen wie Vertikalen.

Der erstmals in Berchtesgaden im Einsatz befindliche Mediziner Dr. Michael Petermeyer sprach nach Erkenntnissen durch die Rettungsassistenten von einem Schädel-Hirntrauma, ähnlich, aber nicht so ausgeprägt wie bei Michael Schumacher. Die durch einen Stein entstandenen Kopfverletzungen seien ohne größere äußere Sichtbarkeit, so der Arzt. Die große Problematik bei einem derartigen Verletzungsbild seien die ersten drei Tage, die der Patient überlebt habe. Normalerweise würde ein derart verletzter Mensch auf der Intensivstation mit entsprechender medizinischer Versorgung liegen, in der Höhle sei dies natürlich alles ganz anders.

Je länger der Verletzte unter Tage sei, desto schlechter sei es, so Dr. Petermeyer. Man habe aber mit derart unbehandelten Schädel-Hirnverletzungen wenig Erfahrung, schränkte der Arzt ein und wollte auch keine Prognosen wagen. Allerdings sei der Verunglückte derzeit nicht mehr in einem Akutzustand. Man sehe jedoch erst weiter, wenn die Ärzte vor Ort seien. Bisher wurden Medikamente verabreicht, nach einer weiteren Diagnose würden weitere medikamentöse Maßnahmen erfolgen. Auch für den späteren Transport auf der Trage würden an besonders exponierten und schwierigen Stellen Medikamentengaben verabreicht.

»Wenn es die Lage erfordere, werde ich in die Höhle absteigen und gegebenenfalls eine Punktierung durchführen«, erklärte Dr. Petermeyer. Christian Wechslinger