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Retusche für das Dritte Reich

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Der Historiker Sebastian Peters berichtete über das Leben von Heinrich Hoffmann. Der Fotograf war es auch, der Eva Braun Adolf Hitler vorstellte. (Foto: Merker)

Berchtesgaden – Das Obersalzberger Gespräch beschäftigte sich vergangenen Donnerstag mit Hitlers Leibfotograf Heinrich Hoffmann. Referent Sebastian Peters vom Institut für Zeitgeschichte zeigte die Nähe des Fotografen zu Hitler und seine engen Verflechtungen mit dem Nazi-Regime. Hoffmann hatte sehr früh die Macht der Bilder als Mittel der Propaganda entdeckt und dies mit seiner ausgeprägten unternehmerischen Ader verbunden.


Das Interesse an dem Thema war groß – Bildungsreferent Dr. Mathias Irlinger konnte im Kleinen Saal des AlpenCongress 145 Zuhörer begrüßen. Er stellte den Referenten des Abends, Sebastian Peters, vor, der zunächst am IfZ in München in der Provenienzforschung um das Erbe von Cornelius Gurlitt arbeitete und jetzt an der Neukonzeption der Dauerausstellung in der Dokumentation Obersalzberg mitwirkt. Der Historiker promoviert derzeit über den Fotografen Heinrich Hoffmann und stellte seine Erkenntnisse über das Leben desjenigen Mannes, der bis heute mit seinen Fotos das Bild von Hitler formt, dar.

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»Das sind Bilder, die wir alle kennen. Hitler auf dem Berghof, mit Gästen auf der Terrasse, mit Kindern oder mit Hund. Heute wollen wir die Kamera umdrehen und den Fokus auf den Fotografen richten.« Damit übergab Irlinger das Wort an Peters, der aufzeigte, dass sich Hoffmann und Hitler schon sehr früh kennenlernten und eine Art Freundschaft zwischen ihnen entstand. Am Anfang seiner Karriere eröffnete Hoffmann in der Schellingstraße in München ein Fotoatelier. Neben den üblichen Aufnahmen bot er auch Pressefotos an.

Eva Braun als Fotoassistentin

Hoffmanns Karriere entwickelte sich unauffällig. Die Münchner Revolution war für ihn ein Medienereignis, das ihn bestärkte, seine berufliche Karriere in diese Richtung zu lenken. Erste Postkarten entstanden und 1919 veröffentlichte er einen Bildband mit dem unscheinbaren Titel »Ein Jahr Bayrische Revolution im Bilde«. Dahinter verbarg sich allerdings eine antisemitische und völkische Kampfschrift. Hoffmann vertrat die Ansicht, dass die Revolution im Jahr zuvor eine jüdische Verschwörung gewesen wäre.

Peters zeigte dazu ein manipuliertes Foto von einem Freikorps in München. Unbeteiligte Passanten hatte er herausretuschiert, um die Bildaussage zu verstärken. »Schon früh war Hoffmann in völkischen Kreisen vernetzt und lernte dort auch Hitler kennen.« Seitdem gehörte er zum engeren Kreis um Hitler. Hoffmann trat bald in die NSDAP ein und half mit seinen Fotos, die Partei medial besser zu präsentieren.

Zur ersten Porträtsitzung mit Hitler kam es 1923. Zwar noch konventionell und im Duktus der Zeit, dennoch reichte es, um den Personenkult um Hitler anzufachen. Dazu zeigte Peters ein Foto, das Hoffmann von Hitler in der Festung Landsberg anfertigte. »Der Fotograf hatte keine formale Funktion in der Partei, er engagierte sich als privater Unternehmer und wurde zum führenden Fotografen der NSDAP«, so Peters. Dass Hoffmann nicht nur der unbeteiligte Beobachter war, wie er sich nach Ende des Zweiten Weltkrieges darstellte, wird in jenen Fotos deutlich, die Hitler in Hoffmanns Atelier beim Einüben von Redeposen zeigt. »Zusammen arbeiteten sie am Erscheinungsbild von Hitler.« Das enge Vertrauensverhältnis zwischen den beiden blieb die ganzen Jahre über bestehen. Eine Art Freundschaft entstand. Als Hoffmann in die Theresienstraße umzog und sein neues Atelier bezeichnenderweise »Das braune Fotohaus« nannte, stellte er Eva Braun als Fotoassistentin ein – und so lernte Braun Hitler kennen. Eva Braun war bis 1945 bei Hoffmann angestellt. Mit der Zeit baute Hoffmann den größten Bildverlag des Reiches auf und vertrieb neben Postkarten auch Bildbände mit inszenierten Fotos aus dem Leben Hitlers. Einige davon waren am Obersalzberg entstanden, um in dem privaten Refugium die »Volksnähe« des Führers zu zeigen.

Alles inszeniert

Die vermeintlichen Schnappschüsse waren von Hoffmann und seinen Mitarbeitern sorgsam inszeniert, wie Sebastian Peters anhand von Beispielen zeigen konnte. Vor allem Kinder dienten als beliebte Staffage und wurden zunächst für das Foto arrangiert, bevor Hitler sich ihnen zuwandte. Die veröffentlichten Bilder wurden genau ausgewählt, ganz im Sinne der gewünschten Propaganda. Hoffmann verstand es, seine eigenen unternehmerischen Interessen mit der Propaganda zu vermischen. Sehr erfolgreich waren zum Beispiel die Zigarettensammelbildchen der Firma »Reemtsma« mit dazugehörigem Sammelalbum. Auch verkaufte Hoffmann ein Motiv, das Hitler im Berghotel des Predigtstuhls mit einer Packung »Bahlsen«-Kekse auf dem Tisch zeigte, in großer Stückzahl an den Keks-Konzern. Mit seinem Verlag wurde Hoffmann Multimillionär und nutzte seine Stellung innerhalb der Entourage um Hitler geschickt aus.

Nach dem Krieg wurde Heinrich Hoffmann angeklagt und zu zehn Jahren Internierungshaft verurteilt. Allerdings kam er schon 1950 wieder frei. Auch einen Teil seines beschlagnahmten Vermögens bekam er nach andauernden Gerichtsstreitigkeiten wieder zurück. Bis heute finden seine Fotos Verwendung, das von ihm inszenierte Bild von Hitler wirkt nach. Christoph Merker