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Riccis Glamourleben

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In zahlreichen YouTube-Videos trifft der gebürtige Reichenhaller Bloggerinnen, befragt sie und geht mit ihnen zum Shoppen. (Screenshot: Pfeiffer)

Bad Reichenhall – Er bloggt, er ist auf Snapchat und nebenbei groß in der Werbung unterwegs. Wer Riccardo Simonetti in der Öffentlichkeit aufmerksam verfolgt, bekommt spannende Einblicke in sein Leben in der Welt der Stars. Der gebürtige Reichenhaller ist derzeit schwer beschäftigt.


»Ich wurde in diesem Outfit sechsmal für eine Prostituierte gehalten«, sagt Riccardo Simonetti, derzeit in Berlin zu Hause, in einem seiner zahlreichen YouTube-Videos. Diese produziert er nicht nur für seinen eigenen Kanal, sondern auch als Aushängeschild für so manchen großen Kunden, in diesem Fall etwa die Modefrauenzeitschrift »Glamour«. Für dieses Video trägt er eine knallrote Lederjacke mit goldenen Knöpfen, die im ersten Moment viel zu kurz erscheint, eine Schaffnerkappe, zudem eine große Sonnenbrille, die nicht nur seine Augen bedeckt. Seine Füße stecken in nietenbesetzten, schwarzen Glanzlederschuhen.

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Sternchen unter den Sternchen

Riccardo Simonetti gilt in der Modeszene als aufstrebender »Typ«, der sich nicht so leicht in eine Schublade stecken lässt. Seinen eigenen Blog im Internet verfolgen zahlreiche Menschen, er zählt zu den »meist gefolgten männlichen Bloggern Deutschlands.« Bezeichnend ist der Blog-Titel »The Fabulous Life of Ricci«, der sich in erster Linie um Mode und schöne Bilder dreht. Mode in allen Facetten.

Vom »schwulen Thunfisch« über den »König von Berlin« schlüpft Riccardo Simonetti in seinen Videos in so ziemlich jede Rolle. Er kleidet sich in Outfits, bei denen man sich nicht sicher ist, dass es so etwas wirklich zu kaufen gibt, und gibt Tipps für die Zehntausenden Menschen, die seinen Videos üblicherweise folgen. Immer wieder trifft er sich mit bekannten Bloggern aus der Szene, gibt sich als Moderator und geht gemeinsam mit ihnen auf Shopping-Tour durch die Modeszene Berlins. Die Videos sind frei von jeglichen Starallüren, wenngleich das übliche Bussi-links, Bussi-rechts zum gebräuchlichen Begrüßungsstandard in der Modewelt gehört.

Dass Riccardo Simonetti mittlerweile »ganz oben« mitschwimmt, auf Fashion-Shows modelt, für bedeutende Marken wirbt und durchaus auch mal in einem großen Interview für die Wochenzeitung »Die Zeit« Rede und Antwort steht, kommt nicht von ungefähr. Seinen Internet-Blog gründete er vor vielen Jahren »aus Spaß an der Mode und unkonventionellen Outfits«.

»Tagträumer auf Weltreise«

Er hat sich seinen Weg geebnet, weil er anders ist als andere, nicht austauschbar wie viele in diesem Bereich. Riccardo Simonetti gilt in der Szene mittlerweile als »Eigenmarke«, als Sympathieträger. Er ist nicht nur Model, sondern auch Moderator, Schauspieler, Kolumnist – etwa für die deutsche »Huffington Post« – und bezeichnet sich ganz ungeniert als »Tagträumer«. Als seinen Traum beschreibt Riccardo Simonetti, sich in der Mode- und Unterhaltungsindustrie einen Namen zu machen, Leute dabei zu unterhalten und zu inspirieren, sie selbst zu sein. Er selbst schreibt seine eigenen Texte, die jenseits von Mode auch von Gesellschaftskritik handeln. Dabei geht er darauf ein, »wie schwierig der Alltag als unkonventioneller Junge mit noch unkonventionelleren Träumen ist«, so heißt es in einer offiziellen Beschreibung seiner Person auf seinem Internet-Blog. Riccardo Simonetti ist inzwischen Geschäftsmann, reist von Event zu Event, von der Berliner Fashion-Week zur Diesel-Watch-Party, weiter zum Way-out-West-Festival nach Schweden, kurz darauf geht es nach Chicago zum Lollapalooza Festival und zur Europapremiere des neuen Kino-Blockbusters »Suicide Squad« nach London. Dazu beschäftigt sich Simonetti in seinem Blog und schreibt seine Gedanken nieder: »Es gibt Termine im Kalender eines aufstrebenden Sternchens, die erfordern eine Menge Vorbereitung und dann wiederum gibt es welche, auf die man sich einfach nur gerne vorbereiten möchte. Was ich mit diesem pseudo-philosophischen Satz eigentlich bloß ausdrücken wollte, ist, dass ich mich unglaublich auf die Premiere in London gefreut habe und bereits wochenlang überlegt hatte, was man denn anziehen könnte, um neben Cara Delevingne, Will Smith und Jared Leto auf einem roten Teppich überhaupt bestehen zu können.« Gereicht hat es in jedem Fall für jede Menge Fotos mit den Stars und Sternchen, die Riccardo Simonetti in Instagram, Facebook oder in Videos auf Snapchat veröffentlichte.

Dass man von dem gebürtigen Reichenhaller noch jede Menge hören wird, scheint also mehr als wahrscheinlich zu sein. Kilian Pfeiffer