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»Riesending«-Rettung: 400 Höhenmeter bis zum Tageslicht

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Bereiten sich auf einen Nachteinsatz vor: die Piloten des »Riesending«-Einsatzes. Foto: BRK BGL
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Hingucker auf der Pinnwand des Pressezentrums: die Artikel des »Berchtesgadener Anzeigers«. Foto: Anzeiger/Wechslinger

Berchtesgaden – Die Einsatzleitung der Rettung des verletzten Wissenschaftlers Johann Westhauser aus der »Riesending«-Schachthöhle will nicht darüber spekulieren, wann der verunglückte Forscher wieder ans Tageslicht kommt. Zum Zeitpunkt der Pressekonferenz heute Nachmittag befanden sich die 15 Höhlenretter zusammen mit ihrem Patienten noch gut 400 Höhenmeter vor dem Höhleneingang. Der Trupp wollte jedoch vor den entscheidenden Seillängen in der Vertikalen noch pausieren, bevor die letzten Höhenmeter mit Muskelkraft angepackt werden.


Am elften Tag nach dem Höhlenunglück musste sich die Journalistenschar erstmals akkreditieren, um zur Pressekonferenz in die Fahrzeughalle der Freiwilligen Feuerwehr Berchtesgaden eingelassen zu werden. Beamte der Polizei sorgten im Pressezentrum, Kräfte der Alpinpolizei oben vor dem Höhleneingang dafür, dass allzu Neugierige die Retter nicht bei ihrer Arbeit störten. Gleichwohl lobten Vertreter der Polizei, dass sich die zu Spitzenzeiten etwa 100 Journalisten im Tal sehr diszipliniert verhalten würden.

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Erstmals sprach der Vorsitzende der Bayerischen Bergwacht, Norbert Heiland, zu den Reportern, die erneut in großer Zahl zur Pressekonferenz gekommen waren. Heiland sprach davon, dass das Biwak I sehr gut ausgebaut sei und die Rettungskräfte dort noch einmal alle Kräfte für den entscheidenden »Gipfelangriff« sammeln könnten. Denn die letzten knapp 400 Meter weitgehend in der Senkrechten würden es noch einmal so richtig in sich haben.

Heiland sprach bei der noch zu überwindenden Wegstrecke von einem 180 Meter hohen Schacht und später von noch einmal teilweise verwinkelten und recht engen 200 Metern bis zum Höhlenausstieg. Die Bergung werde mit einem Pendelzug vonstattengehen, bei dem einige Retter über eine Umlenkung nach unten fahren, während der Patient unterstützt von zwei Rettern nach oben gehievt wird.

Eine permanente Gefahr sei Steinschlag, wenngleich die Rettungsmannschaften tagelang versucht hätten, den Rückweg so sicher wie möglich zu gestalten. Weil man keine Möglichkeit zum Absetzen habe, müsse man die 180 Meter in einem durchziehen, erklärte der Bergwachtchef, der im Weiteren darauf hinwies, dass alle Planungen dem Patienten und den Rettern angepasst würden. Diese Rettung sei ohnehin für alle Beteiligten etwas völlig Neues, denn noch nie sei ein schwer verletzter Mensch, der längst in einer Intensivstation liegen müsste, über so lange Zeit aus einer so tiefen und schwierigen Höhle geborgen worden.

Hubschrauberpilot Jürgen Ackermann von der Flugstaffel der Bundespolizei in Oberschleißheim erklärte Details zu den Einsätzen seiner Staffel. Derartige Einsätze bedeuteten für die Piloten nichts Neues, die Dauer der Rettung jedoch schon. Und der Einsatz sei mit der Bergung des Verunglückten noch lange nicht beendet. Denn dann müssen die Retter samt dem in der Höhle verbauten Material ausgeflogen werden. In der Höhle wurden über 6,5 Kilometer Länge Seile teilweise doppelt eingesetzt, falls eines in ihrer Festigkeit nachlassen würde.

Da die Einsatzleitung nicht weiß, wie schnell die Retter sein werden, stellte man sich schon mal auf eine Nachtbergung ein. »Das ist mit unseren Nachtsichtgeräten kein Problem«, sagte Ackermann, »bei Nebel allerdings schon«. Die Piloten seien jedoch routiniert und würden das Einsatzgebiet kennen. »In der Nacht sind jedoch die Sehwinkel stark eingeschränkt, wir fliegen dann auch mit zwei Piloten«, so Ackermann. Christian Wechslinger