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Rock 'n' Roll im Blut

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Peter Juhre bei einem Auftritt 1995.
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Der ehemalige Profimusiker Peter Juhre mit Lebensgefährtin Cornelia Hofmann und dem einjährigen Sohn Lennox. Fotos: privat

Berchtesgaden – Tina Turner, Cliff Richard, Bonnie Tyler - Peter Juhre tourte mit zahlreichen Musikgrößen durch die Welt. Der ehemalige Profimusiker blickt auf ein aufregendes Leben zurück, den Rock 'n' Roll habe er in der Vergangenheit in vollen Zügen ausgekostet. Den Musikerberuf hat er inzwischen an den Nagel gehängt, heute hat der Wahl-Berchtesgadener Frau und Kind - und ist seit wenigen Tagen Inhaber einer neu eröffneten Fünf-Sterne-Ferienwohnungsanlage.


Dass Peter Juhre heute in Berchtesgaden zuhause ist, verdankt er nach eigener Aussage nicht dem Zufall, sondern seinem Schicksal. Und zwar so: Peter Juhre, früher zu Hause in München, wurde von einem Mann zu Boden gestoßen, er stürzte eine Rolltreppe hinab, verletzte sich schwer. Die Reha fand in Schönau am Königssee statt, dort, wo Juhre seine jetzige Lebensgefährtin und damalige Physiotherapeutin Cornelia Hofmann kennenlernte. Das ist acht Jahre her, mittlerweile ist Juhre fest in Berchtesgaden, er führt seine eigene Ferienwohnungsanlage gehobenen Stils, mit Cornelia hat er einen Sohn, den einjährigen Lennox.

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Doch Peter Juhres Leben war früher ein ganz anderes. Manche würden es aufregend nennen, Juhre nennt es »Rock 'n' Roll«. Ein Leben, das die meisten nur aus dem Fernsehen kennen. Touren, Festivals, teure Hotels - in einer glitzernden Welt. Mehr Schein als Sein.

Los ging alles, als er zwölf Jahre alt war. Seine Oma schenkte ihm eine Gitarre. Daran fraß sich Juhre einen Narren. Mit der eigenen Schülerband schaffte es der heute 48-Jährige bis zum Bundesnachwuchswettbewerb. 1982 trat er das erste Mal im Fernsehen auf, in der Sendung »Bios Bahnhof«, eine Unterhaltungsshow mit Alfred Biolek. Ab diesem Zeitpunkt war ihm klar, dass er Profimusiker werden wollte. Vor knapp 30 Jahren dann schloss er sich der Rock-Kombo »Vice« an. Mit einigen Hits landeten die Musiker in Deutschland in den Top 10. Sie tourten durch Deutschland, Europa, weiter bis nach Japan. Ein Leben in Hotels, aus dem Koffer.

»Vice« gelang es, im Vorprogramm der Weltstars zu spielen. Die Band mit Peter Juhre als Bassgitarrist tourte zusammen mit Bonfire, Van Halen und Bon Jovi. Für Juhre eine einmalige Zeit, von der er heute noch schwärmt. Trotz des Rock-Star-Lebens blieb Juhre auf dem Boden der Tatsachen. Er suchte den Ausgleich zum Musikerdasein im Sport, stand jeden Tag regelmäßig in der Früh auf.

Sieben Jahre lang war Peter Juhre bei »Vice« dabei, dann löste sich die Kombo auf. Juhre gründete die Band »Wet Paint«. Das erste Album wurde in Los Angeles eingespielt, inklusive Stretch-Limousine, die die Musiker abholte und erst einmal durch die Gegend kutschierte.

Nach gut einem Jahr in den Vereinigten Staaten kam Juhre wieder zurück nach Deutschland, nach München. Bis Mitte der 90er Jahre nahm der heutige Berchtesgadener zahlreiche Engagements an, tourte mit Tina Turner, Bonnie Tyler und Cliff Richard. Er baute sich seine eigene Konzertagentur auf, veranstaltete in ganz Europa Konzerte. Bis ihn der Konkurs ereilte. Nicht aus eigenem Verschulden: Juhre wurde betrogen, Mitstreiter hatten mehrere Hunderttausend Euro veruntreut. Für Juhre bedeutete das das Aus. Seine Konzertagentur musste er schließen. Als freiberuflicher Tourneemanager arbeitete er unter anderem für AC/DC, später war er als Organisator für spezielle Events tätig.

Die Zeit, aus dem Musikgeschäft auszusteigen, war für Peter Juhre erneut eine schicksalhafte. Immerhin konzentriert er sich heute auf seinen ganzen Stolz, Sohn Lennox, und, seit Kurzem, auf seine Ferienwohnungsanlage, die soeben fertiggestellt wurde. Das Organisieren lässt Peter Juhre auch weiterhin keine Ruhe: Mit dem »Little Oktoberfest« hat er eine Benefizveranstaltung ins Leben gerufen, die auch heuer in Schönau am Königssee wiederholt werden soll. Der Erlös kommt diversen wohltätigen Einrichtungen im Talkessel zugute. Kilian Pfeiffer