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Rohrweihe in Lebensgefahr

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Berchtesgaden Falkner
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Wolfgang Czech hat die erschöpfte Rohrweihe, die bei einem Hotel in Schönau am Königssee gefunden wurde, in seinem Gehege erstversorgt. (Foto: privat)

Berchtesgaden – Der Falkner vom Adlergehege am Obersalzberg – Wolfgang Czech – hat wieder einmal einem jungen Raubvogel das Leben gerettet.


Wie so oft, erreichte Czech vor rund zehn Tagen eine Nachricht von besorgten Hotelangestellten: Ein unbekannter Vogel könne im Bereich des Hotels »Georgenhof« in Schönau am Königssee nicht mehr weiter. Czech, dem das Wohl der Tiere schon immer am Herzen lag, rückte sofort aus. Am Hotel angekommen, fand er den Vogel. Greifvögel sind wilde Tiere und nicht an den Umgang mit Menschen gewöhnt. Es ist nicht leicht, an sie heranzukommen. Viele geschwächte oder verletzte Tiere gehen in diesem Zustand in eine besondere Abwehrhaltung.

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Die Angestellten des Hotels unterstützten den Falkner tatkräftig. Sie umzingelten das Tier, und Czech packte den Vogel. Für ihn ist das eine leichte Aufgabe, er ist den Umgang mit den Tieren dank jahrelanger Erfahrung gewöhnt. Anschließend brachte er den Greifvogel in sein Gehege am Obersalzberg, um ihn versorgen zu können. Der Falkner stellte dabei auch fest, dass es sich um eine Rohrweihe handeln muss. Diese stammen aus der Familie der Habichtarten.

Mit einer Größe von bis zu 56 Zentimetern erreichen die Weihen Bussardgröße, sie sind allerdings schlanker. Ihre Flügelspannweite beträgt bis zu 1,3 Meter. »Rohrweihen bevorzugen Flussniederungen und Seengebiete, Das Tier könnte vom Chiemsee gekommen und schon auf dem Flug nach Süden gewesen sein«, vermutete Czech. Gesunde Rohrweihen gaukeln im Konturenflug über das Schilf und schnappen sich dabei sogar Enten und Haubentaucher.

An Land stehen dagegen Hasen und Mäuse auf dem Speiseplan. »Ich schätze die Weihe ist in ein Gewitter gekommen, das hat sie wohl von ihrer Flugroute abgebracht. Völlig erschöpft hat sie dann keine Nahrung mehr gefunden«, schlussfolgert der Falkner.

Wolfgang Czech hat die abgemagerte Rohrweihe in seinem Gehege zunächst erstversorgt, das bedeutet: »Das Tier wird eingesprüht; wegen den Milben. Und dann bekommt es einen hochprozentigen Vitamincocktail, das hilft. Und dann muss man das Tier natürlich füttern.«

Weil Falkner Czech nicht auf Rohrweihen spezialisiert ist, brachte er sie nach seiner Erstversorgung zu Wolfgang Stöffel nach Siegsdorf. Er kennt sich mit diesen Tieren aus. Bei Stöffel verbrachte die Weihe dann ein paar weitere Tage, bevor er sie wieder auswilderte. Christian Wechslinger