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»Rotes Plätzchen« für Bischofswiesen

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Der Brunnenplatz in Bischofswiesen soll mit rötlichem Pflaster gestaltet werden. Das beschloss der Gemeinderat am Dienstag. (Foto: Wechslinger)

Bischofswiesen – Der »Rote Platz« in Moskau wird der Gemeinde Bischofswiesen sicherlich nicht als Vorbild dienen. Doch immerhin soll die Gemeinde bald ein »rotes Plätzchen« bekommen...


...wie es SPD-Gemeinderat Josef Angerer auf der Dienstagssitzung des Gemeinderats humorvoll formulierte. Das Gremium fasste Beschlüsse zur Gestaltung der Bereiche links und rechts der Ortsdurchfahrt und entschied sich dabei auch mit großer Mehrheit für die Verlegung von rötlichen Pflastersteinen, unter anderem auf dem Brunnenplatz gegenüber dem Gasthof »Brenner Bräu«.

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Landschaftsarchitekt Wolf Steinert sprach von einem »kraftvollen Platz«, als er im Rahmen seiner Planungspräsentation auch den Platz rund um den von Alfred Essler im Jahr 1990 errichteten Brunnen vorstellte. Für den Platz sowie für die Gehwegbereiche links und rechts der Straße musste der Gemeinderat über den Belag entscheiden. Südlich des Brunnens sollen außerdem ein Informationshäuschen sowie zehn schräg angelegte Parkplätze errichtet werden.

Die Fragen, die der Gemeinderat beantworten musste: Wo genau wird zwischen »Brenner Bräu« und Rathauszufahrt gepflastert und wo wird Feinasphalt aufgetragen? Welche Farbe soll das Pflaster haben? Soll der Brunnenplatz zur Straße hin mit Metallpollern oder mit einem Grünstreifen abgegrenzt werden?

Über die Bereiche, die gepflastert werden sollen, war sich der Gemeinderat weitgehend einig: der Bereich um den Brunnen, der gesamte Geh- und Radwegbereich vor dem »Brenner Bräu«, der Bereich an der Bushaltestelle vor der Kirche sowie punktuelle Gehwegbereiche auf Höhe der Querungshilfen. Die anderen Flächen werden mit Feinasphalt versehen. Das trifft für die zehn Stellplätze genauso zu wie – aus Kostengründen – für die Zufahrt.

Grünstreifen statt Pollern

Unterschiedliche Meinungen gab es im Gemeinderat bezüglich der Abgrenzung des Platzbereichs zur Straße hin. Mit 11:10 Stimmen entschied sich der Gemeinderat schließlich für die Anlegung eines Grünstreifens. Entscheidend für den Beschluss war die Zusicherung des Architekten, dass der Streifen an seiner schmalsten Stelle mindestens 1,20 Meter breit werde, zumeist sogar zwei Meter.

Marlies Moderegger von den Grünen war es beispielsweise wichtig, dass man durch das Grün etwas von der Straße abgeschirmt werde. Manche Gemeinderäte hätten allerdings hier lieber eine größere Pflasterfläche und eine Abgrenzung durch Metallpoller gehabt. Dadurch wäre, so sah es Bernhard Heitauer (CSU), der Brunnen den Passierenden noch besser ins Auge gestochen und Hans Metzenleitner (SPD) hätte »ein wenig Pepp und Modernität« an diesem zentralen Platz sehr gut gefallen.

Abgang zur Ache

Hinter dem Platz soll darüber hinaus mit langen, flachen Stufen ein Abgang zur Ache angelegt werden, um laut Steinert »den Platz nach unten zu öffnen«. Das gefiel zwar den meisten, aber nicht allen. Paul Grafwallner (UBB) warnte davor, dass man dadurch in das Ökosystem am Wasser eingreifen würde. Außerdem sei der Platz dort unten nicht sehr anziehend, »weil man gegenüber auf das Gewerbegebiet blickt«, sagte Sepp Stangassinger (UBB). Der Gemeinderat sah es anders und beauftragte den Bürgermeister, in dieser Angelegenheit mit dem Wasserwirtschaftsamt nach einer »pragmatischen Lösung« zu suchen.

Bei den gesamten Maßnahmen sollte nach Meinung Grafwallners auch der Grünordnungsplan berücksichtigt werden, »sonst können wir uns den Plan sparen«. Bürgermeister Thomas Weber stellte zwar klar, dass der Grünordnungsplan so schnell noch nicht vorliegen werde. Das Grobkonzept stehe aber bereits und könne bei den Maßnahmen zugrunde gelegt werden.

Aus einer Kombination aus Holz und Glas sollen die beiden Buswartehäuschen sowie der »Infopoint« errichtet werden. Darüber herrschte im Gemeinderat ebenso großer Konsens wie über die Farbgestaltung des Pflasters. Zwei Gemeinderäte waren für granitgraue, zwei für gelbliche und 17 Gemeinderäten gefielen die rötlichen Steine am besten. »Jetzt bekommen wir unser rotes Platzerl«, scherzte Josef Angerer.

Das Gesicht der Bischofswieser Ortsdurchfahrt wird sich in diesem Bereich vor allem durch die Anlegung zweier Bushaltestellen, zweier weiterer Querungshilfen und des breiten Geh- und Radwegs vor dem »Brenner Bräu« stark verändern. So wird der gepflasterte Bereich vor dem »Brenner Bräu« bis zu 3,60 Meter breit werden. Architekt Wolf Steinert sprach von einer »optischen Fahrbahnverengung«.

Matthias Aschauer (Freie Wähler) machte sich Sorgen um die Finanzierung. »Pflaster kostet doch fünfmal soviel wie Asphalt. Das bringt unsere Finanzen durcheinander«, warnte Aschauer. Das sah Bürgermeister Weber allerdings komplett anders. Der erinnerte daran, dass man das Pflaster bereits einkalkuliert und in den Ausschreibungen berücksichtigt habe.

Brennersteg bleibt

Zum Schluss der Sitzung ging es noch um die Zukunft des Brennerstegs. Denn immerhin soll in etwa 50 Metern Entfernung beim neuen Bahnhaltepunkt auch eine neue Bogenbrücke errichtet werden. Braucht es da den alten Brennersteg noch? »Nein«, meinten Oliver Schmidt (CSU) und Sepp Angerer. Angerer ist nach eigenen Aussagen für einen Abriss, weil die Bahn dort entlang der Gleise einen Zaun errichten will und ein Übergang nicht mehr möglich sein wird. Alle anderen Gemeinderäte sprachen sich allerdings dafür aus, den Steg zu erhalten, solange er noch intakt ist. Michael Sturm (Grüne) brachte es auf den Punkt: »Den Steg jetzt zu erhalten, kostet ja nichts. Und in 20 Jahren kann dann der nächste Gemeinderat entscheiden, was mit dem Steg passieren soll.« Ulli Kastner

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