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Rückenwind für den Erhalt der Kehlsteinwege

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Wanderung auf den historischen Kehlsteinwegen: MdL Dr. Herbert Kränzlein mit Ehefrau Eva Maria (M.) mit dem Ehepaar Gertraud und Hans Metzenleitner (l.) sowie Klaus Gerlach (2.v.r.) und Wolfgang Feldbauer (r.). (Foto: privat)

Berchtesgaden – Auf Einladung des SPD-Ortsvereins Berchtesgadener Land Süd war am Wochenende der für den hiesigen Stimmkreis zuständige Landtagsabgeordnete der SPD, Dr. Herbert Kränzlein, am Kehlstein unterwegs, um sich in die aktuelle Lage bei der Auseinandersetzung um die Zukunft der Kehlsteinwege einweisen zu lassen. Dr. Herbert Kränzlein war in Begleitung seiner Ehefrau Eva Maria gekommen. Die sachkundige Einweisung vor Ort hatten Klaus Gerlach und Wolfgang Feldbauer von der Bürgerinitiative für den Erhalt der Kehlsteinwege sowie Kreis- und Gemeinderat Hans Metzenleitner übernommen.


Klaus Gerlach gab den Gästen zunächst einen kurzen historischen Überblick zur Geschichte der Wege sowie über die Vorgänge, die zur Bildung der Bürgerinitiative geführt hatten. Ganz aktuell konnte er auch vortragen, wie sich nach der zurückliegenden, weitgehenden Einigung am »Runden Tisch« mit Bürgerinitiative, Landratsamt und Bayerischen Staatsforsten die derzeitigen Planungen der Bayerischen Staatsforsten zur Sanierung darstellen. Von den im Zuständigkeitsbereich der Staatsforsten liegenden 13 Kilometern der geteerten Wege sollen nunmehr nur noch fünf Kilometer forstgerecht zu leistungsfähigen, bekiesten Sandstraßen umgebaut werden. Für acht Kilometer der Wege sind aus forstlicher Sicht keine Änderungen mehr erforderlich. Aus Sicht der Bürgerinitiative sind dabei noch gut zwei Kilometer strittig. Die Bürgerinitiative möchte in jedem Fall, dass der großteils im Nationalpark gelegene Wegeabschnitt zwischen der Scharitzkehlalm und der Ligeretalm mit seinen historischen Ingenieursbauten ebenfalls unverändert bleibt.

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Letztlich aber hängt die Frage, ob die Sanierung des gesamten Wegenetzes durch einen Ausbau der belasteten Teerdecke erfolgen muss oder ob auch eine Versiegelung dieser Teerdecke durch eine nicht belastete Asphaltdecke möglich ist, vom Ergebnis eines gerade erst in Auftrag gegebenen Gutachtens ab. Das Verfahren der Versiegelung ist noch immer das nach einem Merkblatt des Bayerischen Landesamts für Umweltschutz gängige und gesamtökologisch auch vernünftigste Verfahren. Entscheidend wird also die Antwort des Gutachters auf die Frage sein, wie künftig am besten der Schutz vor möglichen Emissionen polyaromatischer Kohlenwasserstoffe (PAK) aus dem giftigen Teer der Wege auf die Gewässer und den Menschen sichergestellt werden kann. Das Ergebnis dieses Gutachtens wird für den Herbst erwartet.

Dr. Herbert Kränzlein, der sich viel Zeit genommen hatte, um zusammen mit seiner Frau auch das gesamte Wegenetz kennenzulernen, war sowohl vom Zustand und der technischen Perfektion der Ingenieursbauten dieses Wegenetzes wie auch von der landschaftlichen Schönheit des Gebiets tief beeindruckt. Er begrüßt daher auch die Initiative von Klaus Gerlach, der mit einer noch nicht entschiedenen Eingabe an den Bayerischen Landtag erreichen will, dass dieses Wegenetz zusammen mit den bereits unter Denkmalschutz stehenden Bauten von Kehlsteinhaus, der Kehlsteinbusstraße und der Dokumentation Obersalzberg zu einer »Europäischen Erinnerungslandschaft« erklärt wird.

Diese Wege waren zum größten Teil bereits als Teil eines Naherholungsgebietes für die Nazi-Führung auf dem Obersalzberg konzipiert worden, noch bevor Reichsleiter Bormann Pläne für den Bau der Kehlsteinstraße und des Kehlsteinhauses entwickelt hatte. Der Abgeordnete sieht auch heute noch in diesem wunderbar gelegenen Wegenetz großes touristisches Entwicklungspotenzial für Radfahrer sowie Wanderer im Sommer wie im Winter.

Klaus Gerlach wies auch darauf hin, dass für renommierte Historiker dieses Wegenetz zusammen mit der Kehlsteinstraße letztlich auch Ausdruck einer spezifischen, nationalsozialistischen Straßenbauphilosophie war. Hier wollte man auch beispielhaft zeigen, dass eine politische Bewegung, die sich anschickte, die ganze Welt zu beherrschen, auch in der Lage ist, die Natur in ihrer wildesten Ausprägung technisch zu beherrschen. Und für den Wanderer oder Radler, der sich auf diesen Wegen heute bewegt, sei dies auch ein historischer Täter- und Denkort. fb