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Rückzug macht Bürgerentscheid überflüssig

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Vor einigen Wochen blickte Andreas Walker (r.) in einer Besprechung mit Bürgermeister Franz Halmich (M.) und Architekt Roland Richter (l.) noch positiv in die Zukunft seines Chalet-Projekts. Jetzt hat der Hotelier die Reißleine gezogen. (Foto: Rothenbuchner)

Marktschellenberg – Das Thema Chalets in Marktschellenberg ist nun endgültig vom Tisch. Nach monatelangen Diskussionen und der Festsetzung eines Bürgerentscheids für März 2018 hat Andreas Walker nun bekannt gegeben, dass er seine Projektidee in Marktschellenberg nicht weiterverfolgen wird. Die bisherigen Eigentümer haben das Grundstück daraufhin an den zweiten Interessenten verkauft.


Seit das Thema Chaletdorf erstmals in einer nicht-öffentlichen Sitzung des Marktgemeinderates behandelt wurde, gab es in Marktschellenberg hitzige Diskussionen zu dem Thema, nicht nur die Bevölkerung, auch der Gemeinderat war gespalten. Es gab mehrere öffentliche Sitzungen mit großem Publikum, dazu eine Infoveranstaltung, auf der Hotelier Andreas Walker falsche Gerüchte über sein Projekt aus dem Weg räumen wollte. Zu einer Einigung kam es aber nicht. Der Gemeinderat lehnte das Projekt Ende Oktober schließlich mit acht zu fünf Stimmen ab. Doch damit wollten sich die Befürworter nicht zufrieden geben. Sie initiierten ein Bürgerbegehren, sammelten 201 gültige Stimmen. Genug für einen Bürgerentscheid. Erst am Montagabend war das Thema in der Gemeinderatssitzung behandelt worden. Sabrina Köhler hielt als Vertreterin des Bürgerbegehrens eine leidenschaftliche Rede vor dem Gemeinderat.

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Die Marktgemeinderäte aber waren sich weiterhin uneinig. Erst wäre eine Behandlung des Themas Bürgerentscheid beinahe mit sechs zu sechs Stimmen vertagt worden. Dann gab es vier Gegenstimmen, als es darum ging, den Bürgerentscheid zuzulassen. Keine Einigung in Sicht, die Bürger sollten am 11. März abstimmen. Eine direkte Annahme des Bürgerbegehrens lehnten die Ratsmitglieder am Montagabend ebenfalls mit sieben zu fünf Stimmen ab.

Doch nun sind der Bürgerentscheid und das ganze Thema Chalet-Dorf vom Tisch. Denn Hotelier Andreas Walker hat in einem offenen Brief mitgeteilt, sich in Anbetracht all der Geschehnisse von seiner Projektidee in Marktschellenberg zu verabschieden. In Bezugnahe auf den geplanten Bürgerentscheid im März sagt Walker, es lägen »drei Monate vor der Schellenberger Bevölkerung und mir. Eine lange Zeit mit viel Ungewissheit. Ungewissheit auch im Falle eines positiven Ausgangs, denn die Mehrheit des Gemeinderats lehnt die Projektidee und somit auch mich ab. Bei dem Erlebten gehe ich nicht davon aus, dass sich die Meinung dieser Ablehner auch bei Zustimmung der Bevölkerung ändern wird – denn selbst 200 Unterschriften Marktschellenberger Bürger bewegten nun vier Gemeinderäte nicht zur Anerkennung des Bürgerbegehrens«. Marktschellenberg sei seiner Ansicht nach ein wunderschöner Ort mit enormem Entwicklungspotenzial aufgrund der idealen Lage. Doch diese Entwicklung sei offensichtlich nicht von jedem gewollt. »Ich stehe somit den Veränderungen am Buchenweg, die schon anderweitig eingeleitet wurden, nicht im Weg und will keinesfalls den örtlichen Steuerzahlern Kosten von 10 000 Euro aufbürden.«

Die eingeleitete Veränderung am Buchenweg ist der mittlerweile bereits abgeschlossene Verkauf des Grundstücks an den zweiten Interessenten aus Hallein. Dieser hatte bereits bei der Gemeinderatssitzung im Oktober eine Bauvoranfrage gestellt, die im Gemeinderat einstimmig angenommen worden war. Während der Sitzung am Montagabend war außerdem zur Sprache gekommen, dass ein Mitglied des Marktgemeinderates Informationen an den Interessenten weitergegeben haben soll. Ein weiterer Grund für Walker, nicht länger an eine Verwirklichung seines Projektes in Marktschellenberg zu glauben. »Durch das Verhalten einiger Gemeinderäte war nicht mehr kalkulierbar, wie es nach einem Bürgerentscheid weitergehen würde, selbst wenn dieser positiv ausgefallen wäre«, so Walker. Deshalb habe er gemeinsam mit der Verkäuferin des Grundstücks den Entschluss gefasst, sich zurückzuziehen. »Wir stehen in engem Kontakt und sie hat immer beteuert, mit dabei zu sein, solange ich an den Traum glaube«, bekräftigte Walker nach Bekanntgabe seiner Entscheidung. Deshalb habe er die Öffentlichkeit auch erst informiert, als der Verkauf abgeschlossen war.

In Bezug auf seine eigenen Pläne erklärte Walker, nun erst einmal das alte Jahr vergehen lassen zu wollen. Im Januar möchte er sich dann im Berchtesgadener Land nach einem geeigneten Ersatzgrundstück umschauen. »Mein Ziel bleibt das Berchtesgadener Land, obwohl Marktschellenberg natürlich mein Traumstandort gewesen wäre.« Alexandra Rothenbuchner

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