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Ruhepause im Biwak III

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Drei der Retter mit der Trage, auf der sie den verletzten Höhlenforscher transportiert haben (v.l.): l.) Pedro Balordi, der Berchtesgadener Stefan Bauhofer und Christian Öhlinger. Foto: Anzeiger/Wechslinger

Berchtesgaden – Der schwer verletzte Höhlenforscher Johann Westhauser hat nach mehr als neun Stunden Transport heute Montag um 6.30 Uhr das Biwak III in 700 Metern Tiefe erreicht. Dort wurde erst einmal eine Pause eingelegt, um dem Verletzten Zeit zur Ruhe und Erholung zu geben. Er wird von einem Arzt betreut. Der Zustand ist unverändert stabil. Im Laufe des gestrigen Tages ist ein weiterer Arzt zum Patienten abgestiegen.


Bei der achten Pressekonferenz seit dem Höhlenunglück im Untersberg kamen erstmals vier Retter zu Wort, die mehrere Tage in der Höhle gewesen waren. Da die Bergung für die Retter unglaubliche Kraftanstrengungen bedeutet, stießen zuletzt Höhlenretter aus Kroatien hinzu. »Die Retter arbeiteten wie eine große Familie zusammen, der Wille ist unbändig und die Stimmung unter den Einsatzkräften ist gut«, betonte die Einsatzleitung.

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Der italienische Höhlenretter Roberto Antonini aus Triest leitet eine Firma für Felssicherungsarbeiten und kommt somit aus der Branche. Gleichwohl es auch in Italien viele Höhlen gebe, sei er doch von den Ausmaßen der »Riesending«-Schachthöhle am Untersberg überrascht gewesen. Diese sei eine anspruchsvolle Grotte, die eine Rettung schwierig mache. Alle Retter seien sehr gut ausgebildet, es herrsche eine großartige Zusammenarbeit, alles laufe geordnet und sehr diszipliniert ab. Dies sei bei den immensen Anforderungen eine unabdingbare Voraussetzung, so der Italiener, der auch von einer stets gegenwärtigen Steinschlaggefahr sprach, die allerhöchste Vorsicht gebiete. Er sei über acht Stunden mit einem Arzt abgestiegen und habe früh noch ohne andere Kommunikationsmöglichkeit den Zustand des Patienten nach oben übermittelt.

100 Kilo durch die Höhle schleppen

Der Schweizer Pedro Balordi hatte die Aufgabe mit seinem Trupp die acht Kilogramm schwere Trage zum Verunfallten zu bringen. Dies war praktisch die ungekehrte Generalprobe für den Auftransport. Obgleich man von gewissen Engstellen wusste, sei es nicht nötig gewesen, zu sprengen. Man kam überall hindurch. Dennoch sei es ein unglaublich schweres Unterfangen, die mit dem Patienten und Sicherungsmaterial versehene rund 100 Kilogramm schwere Trage zu manövrieren, erklärte der Schweizer.

Der Patient sei in Schaumstoff eingebettet und mit einem Klettergurt fixiert. Ferner trage er einen Gehörschutz, denn in der Höhle werden laute Kommandos gegeben, die von den Wänden zurückhallen. Trotz der nun vertikalen Bergung versuche man, je nach Lage den Patienten horizontal zu transportieren, weil dies für den Verletzten weniger beanspruchend sei.

Ein weiteres Problem sei die mit 98 Prozent hohe Luftfeuchtigkeit, bei der man trotz durchschnittlich nur vier Grad schwitze. Halte man jedoch inne, friere man schon eine Minute später wieder, machte der Schweizer die Situation bei der Bergung deutlich. Im Tross der unmittelbaren Retter befinden sich neben dem Arzt und Rettungsassistenten insgesamt zwölf Personen, die den Transport durchführen. Die hohen Schächte werde man im Flaschenzugverfahren überwinden. Dabei werde, je nach Höhlenbeschaffenheit, eine horizontale Bergung angestrebt.

Für Christian Öhlinger aus Wolfsegg in Oberösterreich ist es die erste Höhlenrettung gewesen. Der voll austrainierte Kampfsportler hatte den Auftrag, in Säcken an die 70 Kilogramm Material in die Höhle zu bringen. Das Schönste für ihn sei der Beginn der Bergung gewesen. Denn davor hatte es lange Wartezeiten gegeben. Das Schwierigste für ihn sei die Überlegung gewesen, überhaupt in die Höhle einzusteigen. »Wenn ich verletzt weit unten im Berg liegen würde, wäre ich auch über die Kameradenhilfe froh«, erklärte der Österreicher, der auch davon sprach, dass in der Höhle ausnahmslos gute Leute seien, die technisch viel draufhaben. »Ich hätte nie gedacht, so viele fitte Leute in der Tiefe einer Höhle zu treffen«.

Berchtesgadener als einer der Ersten beim Verletzten

Der Berchtesgadener Stefan Bauhofer war mit einem Voraustrupp als Erster bei dem Schwerverletzten. Er lobte die Kameraden des Forschers, die alles für dessen Überleben ermöglicht hätten. »Langweilig wird einem da nicht, denn man muss den Patienten auch mit Essen und Trinken versorgen«, betonte er. Der Kontakt zum Patienten sei sehr gut gewesen. Und es habe Bauhofer beruhigt, als er von kompetenten Kameraden abgelöst worden sei. »Beim Abfahren über 1 000 Meter in den Berg mochte ich gar nicht daran denken, dass ich da wieder hinauf muss.« Christian Wechslinger Christian Fischer.