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Rundgangsführer klagen weiter

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Wie geht es mit den Führungen in der Dokumentation Obersalzberg weiter? Der Landrat sucht nach einer Lösung. Foto: Archiv/Pfeiffer
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Das Institut für Zeitgeschichte hatte die Zusammenarbeit mit 22 Rundgangsführern beendet, weil der Verdacht der Scheinselbstständigkeit im Raum stand. Sechs ehemalige Mitarbeiter klagen. Foto: Dokumentation

Berchtesgaden – Die Berchtesgadener Landesstiftung unter Vorsitzendem Landrat Georg Grabner möchte die Rundgangsführungen in der Dokumentation Obersalzberg künftig selbst organisieren. Bislang macht das das Institut für Zeitgeschichte (IfZ). Derzeit befindet man sich im Landratsamt auf der Suche nach einem rechtskonformen Modell, mit dessen Hilfe die gekündigten Rundgangsführer wieder in der Dokumentation arbeiten können (wir berichteten). Die Zeit drängt, denn die Gästesaison steht vor der Tür. Allerdings können neue Mitarbeiterverträge nur dann ausgearbeitet werden, wenn alle Klagen der Rundgangsführer gegen das IfZ zurückgezogen wurden, sagt Landrat Grabner. Eine erste Frist ist bereits verstrichen.


Auf dem Obersalzberg herrscht Ruhe vor dem Sturm: Zehn Führungen gab es im Januar in der Dokumentation, zehn weitere im Februar, wie die Pressestelle des IfZ auf Anfrage bestätigt. Das ist nicht viel. Geleitet wurden die Führungen von den Museumspädagoginnen, die in der Dokumentation fest angestellt sind. Unterstützung fanden sie bei zwei wissenschaftlichen Mitarbeitern, die eigens aus München kommen. Wie es allerdings weitergehen soll, das weiß selbst Landrat Georg Grabner noch nicht. Denn um sein geplantes Beschäftigungsmodell in die Realität umzusetzen, müssen zunächst alle ehemaligen Rundgangsleiter, die aktuell gegen das IfZ klagen, ihre Klage zurückziehen. »Nur dann kann die Landesstiftung neue Verträge ausarbeiten«, so der Landrat gegenüber der Heimatzeitung. »Rechtliche Altlasten« aus IfZ-Zeiten wolle man unter keinen Umständen mitnehmen. »Wir brauchen einen Neustart«, meint der Landkreis-Chef.

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Doch wie soll der Neustart gelingen, wenn noch mindestens sechs Klagen gegen das IfZ aktuell anhängig sind?

Die klagenden Rundgangsleiter sagen, man wolle bis zuletzt weitermachen. Ein Gerichtsurteil müsse her. »Solange bleibe ich am Ball.« Einige sind bereits abgesprungen, die Anwaltskosten wurden immer höher.

Mittlerweile hat es ein Gespräch zwischen den ehemaligen Rundgangsleitern und Vertretern der Landesstiftung gegeben. »Ein Angebot, eine Absichtserklärung«, heißt es aus den Reihen der ehemaligen Dokumentationsmitarbeiter. »Die Änderungen für den neuen Vertrag sind Verschlechterungen«, heißt es weiter. So sollen die Rundgangsleiter in Zukunft selbstständig bei Gruppenführungen kassieren, sie sind für den Verleih der Audiogeräte zuständig, bei Ausfällen von Führungen winkt angeblich kein Honorar. All das, um rechtskonform als Selbstständiger durchzugehen. Die Landesstiftung möchte jeden Verdacht der Scheinselbstständigkeit bereits im Vorfeld ausräumen.

Zumindest beim letzten Punkt, den Honoraren, sagt Landrat Grabner: »Das ist definitiv falsch.« Natürlich soll es Ausfallhonorare geben, und überhaupt: »Unser Angebot ist sehr fair.« Gezwungen, mit der Landesstiftung zusammenzuarbeiten, werde im Übrigen niemand. Wenngleich er auf eine Zusammenarbeit aber angewiesen ist. Denn auch in diesem Jahr erwartet man in der Dokumentation Obersalzberg Rekordbesucherzahlen, Gruppenführungen sind hier eine beliebte Variante, die Dokumentation Gästen zu präsentieren. Doch wie anbieten ohne ausreichend Personal?

»Es muss endlich weitergehen«, sagt der Landrat. Eine erste Frist ist verstrichen. Bis Faschingsdienstag sollten alle klagenden Rundgangsleiter eine Rückmeldung abgegeben haben, ob sie die Klage zurückziehen.

Von ehemals zwölf Klagenden sind noch sechs übrig. »Aber die Solidarität bröckelt«, sagt ein Beteiligter. Angeblich, weil seitens der Landesstiftung »Druck ausgeübt wird.« Das sei »absurd«, poltert Landrat Grabner. Von Druck könne keine Rede sein. Jeder könne selbst entscheiden, wie er weitermache, nur sei es klar, dass Rechtsstreitigkeiten aus der Vergangenheit eben keinen Platz beim Abschluss von Neuverträgen hätten.

In der Landesstiftung ist man guter Dinge, mit den ehemaligen Rundgangsleitern wieder zu kooperieren. Wenn denn mal alle »Altlasten« beseitigt sind. Das könnte länger dauern. Zeit, die der Landrat aber nicht hat. Denn spätestens, wenn in Berchtesgaden die Tourismussaison an Fahrt aufnimmt, muss man in der Dokumentation am Obersalzberg bereit für Rundgangsführungen sein.

Für Anfang April hat die Landesstiftung eine Sondersitzung einberufen. Dort sollen dann Alternativlösungen besprochen werden, wenn die Klagenden nicht aufhören wollen zu klagen. »Ich hab da schon eine Idee«, sagt der Landrat. Ob das eine zündende ist? Einfacher wäre sicherlich, das alte Team wieder mit an Bord zu kriegen. Aber das ist ja leichter gesagt als getan. Kilian Pfeiffer